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Die Theologieproduktivität des Abendmahls. Beobachtungen (nicht nur) zu digitalmedialen Feierformen

Published onOct 28, 2021
Die Theologieproduktivität des Abendmahls. Beobachtungen (nicht nur) zu digitalmedialen Feierformen
Dr. Friederike Erichsen-Wendt: Das digitale Abendmahl im liturgischen Vollzug

Abendmahl: Staying-in-Ritual als Anker in turbulenter Zeit

Pandemiebedingte Einschränkungen bis dato üblicher Feierformen führten zu einer Konzentration auf interne Selbstvergewisserungen. Deshalb bekommt das Abendmahl Aufmerksamkeit. Das überrascht zunächst: Schließlich war das Abendmahl gerade in den letzten Jahren kein besonders auffälliger Topos der dogmatischen und liturgischen Betrachtung. Ehemals hitzige Diskurse schienen einem gewissen Status quo gewichen zu sein, in dem sich die christliche Kerngemeinde, die erste Adressatin eines Staying-in-Rituals ist, eingerichtet hatte. Bei meinen Coachingbesuchen erstaunte mich immer wieder, mit welcher Formtreue und soliden Routine Abendmahl gefeiert wurde.

Die pandemische Situation dauert länger als viele zunächst vermuteten. Es zeichnete sich immer deutlicher ab, dass ein „Überwintern“ hin zu einer sog. „Normalität“ analoger Feierformen wohl nicht ohne Verlust an religiöser sozialer Praxis möglich wäre. Diese Annahme übte Druck aus auf die Entwicklung neuer Formen. Etwa fünf Prozent der Liturg*innen im deutschsprachigen Raum hatten bereits „vor Corona“ Erfahrungen mit digitalen Gottesdienstformaten gemacht. Die meisten folgten jetzt also diesem speziellen Impuls, Kommunikationen und Inszenierungen neu zu formatieren.

Die hier angestellten Reflexionen beziehen sich auf Beobachtungen und Interviews, die ich im Zeitraum Karwoche/Ostern 2021 gemacht habe. Das erste Experimentieren und Erproben neuer Formen war in dieser Zeit schon vorbei. Liturgisch Verantwortliche hatten sich jetzt gezielte Strategien zugelegt, um die anstehenden Feste angemessen zu begehen: Die Lockdown-Situation ist zur selbstverständlichen Rahmenbedingung des pastoralen Handelns geworden, technische Hürden sind selbst für Digitalitätsüberraschte weitgehend aus dem Weg zu räumen gewesen. Eine Vielzahl von gleichzeitigen Gegenwarten entstand auch liturgisch: Neben programmatische Großformate (etwa ein digitales Abendmahl im Eröffnungsgottesdienst einer Landessynode) trat eine Vielzahl lokaler und vernetzter Kleinformate, teils als Teil einer digitalen Kultur religiöser Kommunikation, teils aus schierer Notwendigkeit, die durch die anstehenden Feiertage mit Abendmahlstradition (Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern, z.T. auch Konfirmation) erzeugt worden war.

 

Abendmahl auf allen Ebenen des Digitalen

Digitalität lässt sich am Beispiel Abendmahl auf mehreren Bedeutungsebenen studieren: Technische Geräte treten jetzt offensichtlich als Akteure digitaler Kommunikation auf. Brot und Wein kommen links und rechts neben Laptoptastaturen zu stehen – an dem Ort, wo der geübte Blick auf dem Altar mit dem aufgeschlagenen Bibelbuch rechnet. Die Kamera blickt die Abendmahlsbegehrenden an. Diese lassen ihrerseits den Blick durch jene Räume schweifen, die einen geistlichen Kommunikationsraum ohne steinerne Mauern konstituieren. Mobile Geräte erlauben, allüberall mitzufeiern: im eigenen Garten, beim Joggen, im Kinderzimmer. Jede religiöse Kommunikation ist medial vermittelt. Digitalmediale Inszenierungen sind allerdings auf die Kooperation von Maschinen angewiesen.[i] Dies wird spätestens sichtbar, wenn Störungen auftreten. Dann zeigen sich die Schnittstellen, an denen Daten hängenbleiben, die für das Verstehen und Erleben dessen, was geschieht, wichtig sind. Solche Störungen verweisen auf die Ordnung, die grundsätzlich gilt und die erst sichtbar wird, wenn sie nicht reibungslos funktioniert. Ein reibungsloser Ablauf einer bewährt oder neu eingeübten religiösen Praxis lässt leicht vergessen, dass es sich um einen medial vermittelten Prozess handelt. Erst wenn Mensch oder Maschine etwas tun, was ich nicht als nächstes erwarte, wird die Medialität erfahrbar. Die vielfach vorgebrachten Einwände gegen die Feier digitalen Abendmahls aufgrund der vermeintlich hohen technischen Störanfälligkeit zeigen, dass Menschen derzeit eher intolerant sind gegenüber Störungen in der digitalen Kommunikation. Offensichtlich erleichtert es die gewohnte soziale Einbettung analoger Kommunikation, in diesen Settings eher über auftretende Störungen hinwegzusehen.

Auf einer zweiten Ebene zeigt Digitalität einen Leitmedienwechsel an. Waren vormals Bücher primäre und zuverlässige Lieferanten von Informationen, sind es heute webbasierte Dienste. Hier informieren sich Menschen darüber, wofür Kirche steht und was sie tut. Im Untersuchungszeitraum werden überwiegend Abendmahlsformen gefeiert, die sich auf analoge Referenzen beziehen. Wer bereits analog Abendmahl gefeiert hat, erkennt dies in digitalen Formaten wieder – und zwar auch dann, wenn hier das eine oder andere Element „anders“ ist. Diese leitmediale Überlappung hilft, sich im Neuen zurechtzufinden. Im Frühjahr 2021 zeigen sich auch schon Abendmahlsformen, die sich eigenständig für den digitalen Raum entwickeln. Ob sich eine Abendmahlspraxis etablieren wird, die Menschen im Blick hat, die ausschließlich digitale Vergemeinschaftungsformen des Glaubens praktizieren? Dies jedenfalls entspräche dem transformatorischen Prozess, der sich in vielen anderen Teilen des alltäglichen Lebens beobachten lässt: Übernachtungen, Taxifahrten, TV-Konsum und Partnersuche orientieren sich zunehmend an digitalen Plattformlogiken, die sich an Nachfragen anpassen und weniger an vormaligen Konventionen. Auch diejenigen, die den sichtbaren Kennzeichen von Digitalität traditionellerweise skeptisch gegenüberstehen, werden sich einer Anerkennung von Digitalität als Signatur unserer Kultur nicht mehr entziehen können.

 

Dogmatisch-liturgische Aufgabe: Einordnung religiöser Praxen

Wie lassen sich die faktischen liturgischen Vollzüge vor dem Hintergrund der Dynamiken und Dimensionen des Abendmahls, die in der gegenwärtigen dogmatischen Diskussion für relevant erachtet werden, verstehen? In den recht raschen Entwicklungen, die in den Jahren 2020/21 angestoßen wurden, wird mehr denn je deutlich, dass es in diesem Dialog von Systematischer und Praktischer Theologie darum geht, Praxen zu verstehen und einzuordnen. Damit tragen Systematische Theologie und Praktische Theologie aus unterschiedlichen Perspektiven gemeinsam dazu bei, Theorie-Praxis-Theorie-Zusammenhänge zusammenzuhalten, in Worte zu bringen und von daher Impulse in kirchliche Wirklichkeiten hineinzusetzen.

 

Gesprächsanstoß: Das Verständnis von „Gemeinschaft“

Das Stichwort „Gemeinschaft“ polarisierte in den letzten Monaten in der Diskussion um das Abendmahl unter Pandemiebedingungen am stärksten. Während Skeptiker*innen vom Muster analoger Begegnung her auf „Fehlendes“  bei digitalen Gemeinschaftserfahrungen hinwiesen, waren neue Entdeckungen für andere gerade beflügelnd: „Die Gemeinschaft wird so weit“, sagt eine Pfarrerin, befragt zu ihrer Motivation, digital Abendmahl zu feiern. Die sensibilisierende Einsicht, dass jede Begegnungsform notwendigerweise immer defizitär ist (und bleiben muss), setzt sich erst nach und nach durch. In einer Situation überwiegender Vereinzelung durch Lockdown-Maßnahmen wächst die Aufmerksamkeit für Kontakt, Verbundenheit, geteilte Erfahrungen. Gerade in Zeiten geschlossener Kirchgebäude wurde dies dem Abendmahl neu zugetraut! Nach einer ersten Wiederentdeckung von Gemeinschaftlichkeit im Abendmahl im Zuge der Deutschen Evangelischen Kirchentage ab den 1970er-Jahren gilt es nun, neue Formen zu finden, die nicht mehr an die Gemeindeaufbaubewegung als Reaktion auf Industrialisierung und Massengesellschaft anschließen. Die Vorstellung jedenfalls, dass Gemeinschaft notwendig die leibliche Co-Präsenz im gleichen Raum zu gleicher Zeit bedeutet, ist derzeit nicht selbstverständlich. In einer Gesellschaft, die gerade einen Leitmedienwechsel bewältigt, wird man kirchlicherseits nicht mehr ausschließlich analog auf Herausforderungen antworten können. Vielmehr wird es im Stile eines Labors oder eines gläsernen Restaurants darum gehen, liturgisch zu zeigen, welche neuen Gemeinschaftsformen wir ausprobieren und entwickeln: Ist die Gemeinschaft der Haushalt, der Haushalt mit (fremden) Gästen, der geschlossene Kreis, der kultisch fokussierte Neo-Tribe für postmoderne Nomaden, wie es die postmoderne Theorie schon in den 1980ern voraussah (Michel Maffesoli), oder das Salz der Erde für die offene Gesellschaft?  Im Frühjahr 2021 zeigte sich: Die digitale Feier schuf andere Muster von Inklusion und Exklusion und löste damit eine Bewegung aus, die den Eindruck einer „weiten Gemeinschaft“ erzeugte. Exemplarisch wurde erfahrbar, was es bedeutet, dass in der Präfation die gesamte Welt zum Lob Gottes zusammengerufen wird. Auffällig ist, dass digital neue Formen entstanden, die Verbundenheit zum Ausdruck bringen: Menschen senden in der Eingangsphase des Gottesdienstes „Grüße aus…“ im Chat und schaffen so eine Grußliste, die den geografischen Raum aufspannt, durch den hindurch dieser Gottesdienst gefeiert wird. Hände „berühren“ sich an den Rändern von Videokacheln und symbolisieren damit zum einen die Verbundenheit aller Beteiligten, markieren zum anderen aber auch „die Lücke, die der Rechner lässt“[ii]. Gerade Verbundenheitsgesten in der liturgischen Logik von Friedensgruß und Segen haben in digitalen Formaten Konjunktur, während Beteiligungsmöglichkeiten, die Nähe und Distanz austarieren, in analogen Formaten in den letzten Jahren eher strittig geworden sind. Die Zugehörigkeit wird von den Teilnehmenden, die ich im Frühjahr 2021 interviewt habe, auf verschiedenen Ebenen gesehen: Menschen machen die Erfahrung, durch digitale Abendmahlsfeiern mit den Menschen in ihrem Haushalt in besonderer Weise verbunden zu sein. Mitarbeitende der Kirche erleben untereinander eine Verbindung über geografische Räume hinweg: Die analoge Vorstellung, dass manche „näher dran“ sind, wird zunehmend obsolet. Gemeinden, die sich nicht in Kirchen treffen können, wissen sich „wenigstens“ digital verbunden. Ebenso sind diejenigen zugehörig, die es digital leichter haben, mit anderen gemeinsam zu feiern. Schließlich ist es eine Verbundenheit mit und durch den Geist Gottes, von der Menschen in der Folge digitaler Abendmahlsfeiern berichten: Der digitale Raum gilt als Ort religiösen Ereignisses.

In der Anfangsphase digitaler Feierformen ist von mehreren Seiten der Einwand formuliert worden, die Digitalität verunmögliche ein stiftungsgemäßes Abendmahl, weil wesentliche Wahrnehmungskanäle wie die soziale Konstellation im Raum oder auch der Geruchssinn nicht bedient werden würden. Zunehmende Praxiserfahrungen haben diese Einwände auf die Frage hin konzentriert, was eigentlich notwendigerweise zur Abendmahlsfeier hinzugehört und damit zu einer Besinnung auf die sakramentale Ursprungsstory geführt. Denn die Erfahrungen haben gezeigt: Es sind nicht „weniger“ Wahrnehmungen, die zur Verfügung stehen, sondern lediglich andere.

Erleben und situativ geronnene Tradition treten in ein interpretatorisches, abduktives Wechselverhältnis ein. Gilt „Erleben“ schon seit dem 18. Jh. als Plausibilitätskriterium,[iii] so wird seine Theologieproduktivität erst jüngst wirklich ernst genommen: Was da entsteht, bleibt gegenwärtig notwendig eine fragile Überzeugung. Zwar kommt dem Erleben unter Singularitätsbedingungen eine subjektiv überragende Bedeutung zu, es ist aber zugleich höchst anfällig für Enttäuschungen.[iv] Deshalb sind Orientierungen hilfreich, die Einordnungen des Eigenen erlauben. Dazu schlage ich drei Perspektiven vor: Zunächst sei erinnert an die Grußlisten der paulinischen Briefliteratur, vor allem der des Römerbriefes. Die Briefe ersetzen Kommunikation unter Anwesenden. Ihre Grußlisten schaffen Vertrautheitsindizien über Raum und Zeit hinweg, sie deuten auf das Netzwerk von Christ*innen hin, das über die vorfindlich sichtbare Zusammenkunft hinausgeht und schaffen lose Koppelungen von Verbindlichkeit. Die „Grußlisten“ in digitalen Gottesdiensten entstehen überwiegend spontan. Teilnehmende werden mit großer Selbstverständlichkeit als Co-Autor*innen religiöser Inszenierung sichtbar. Gottesdienstbesucher*innen werden prod-user. Top-down- und Bottom-Up-Strategien der liturgischen Produktion treten zueinander in ein zirkuläres Verhältnis: Auf einer ersten Ebene tauschen sich Teilnehmende untereinander aus (teilen und geben einander), was auf einer zweiten Ebene zu einem interaktionellen Rahmen führt: Kollaborative Emergenz taucht auf. Dieser Rahmen, der von den Vorbereitenden intendiert ist, strukturiert wiederum die Handlungen zwischen den einzelnen Teilnehmenden. So entsteht eine Form, die zugleich emergent ist.[v] Dies tritt im digitalmedialen Kontext deutlicher zutage als bei einer analogen Abendmahlsfeier, weil die Beteiligten sichtbarer als Akteure in Erscheinung treten (und zwar auch dann, wenn sie lediglich durch einen schwarzen Bildschirm präsent sind).

Dies geschieht mitten in einer Suche nach neuen Gemeinschaftsformen. Im Kontext von Leitmedienwechsel und Kulturwandel kann es gar nicht anders sein, als dass mit diesen Veränderungen auch die Modi von Vergemeinschaftungen sich ändern: Was gewonnen wird, ist nicht eine Restauration von Sozialität, die an Formen des 20. Jahrhunderts orientiert ist, sondern die teilhat an der Suche nach neuen Formen von Kooperation. Hier sind beispielsweise verstärkt die Anliegen einer Singlegesellschaft und von veränderten Sorgekulturen ernst- und aufgenommen.[vi] Das Abendmahl unter digitalen Bedingungen als ingroup-Ritual des Christentums offenzuhalten für die „anderen“ Gäste, für die Ungebetenen, die Zaungäste und vielfältig Randständigen, bleibt eine Herausforderung. Die Verrandständigung der Kirchlichen kann gar dazu führen, dass sie sich im impliziten Bewusstsein eines „Heiligen Restes“ abschotten gegen die Einsprüche von außen, aus denen der Kirche eine prophetische Stimme zuwächst. Die Versuchung des fehlerfrei Gefilterten und Geglätteten verspiegelter Oberflächen im Digitalen droht dieser Einkapselung Vorschub zu leisten. Vermeintliche „Störungen“ wie beispielsweise deviantes Verhalten von Kindern können einfach „weggeklickt“ werden. Auch die Wiederentdeckung familialer Religiosität im engeren Sinne hat diese Kehrseite: Dass Abendmahlsfeiern in Wohn- und Kinderzimmer wandern, hat einen stark inklusiven Zug. Es stärkt die liturgische Kompetenz einer Hausgemeinde und ermöglicht es, auch unter Quasi-Quarantäne-Bedingungen mit anderen rituell inszeniert verbunden zu sein. Es entstehen häusliche Erzähl- und Feiergemeinschaften. Was sichert hier der christlichen story des Unbehausten, Fremden und Vorläufigen ihren Platz? Bedarf es einer Absicherung, dass nicht allein ein Status quo religiös legitimiert wird? Ein erkennbar (hoch-)kirchliches Bildprogramm der liturgisch Verantwortlichen, bewusst platziert in einer unaufgeräumten Alltagswelt, erzeugt eigentümliche Brechungen, die Spuren aufzeigen, was hier noch möglich sein könnte.[vii] Politische Inszenierungen der letzten Jahre haben umgekehrt in beklemmender Weise gezeigt, wie leicht es ein prosperity gospel haben kann, hoffähig zu werden. Das Fremde und Anstößige der sozialen Abendmahlspraxis droht aus dem rituellen Kernvollzug auszuwandern. Der mit digitalen Feierformaten katalysierte Kontrollverlust traditionell theologieproduktiver Orte (Universitäten, Synoden, Kirchenleitungen, Theologische Kammern u.a.) erfordert deshalb eine aufmerksame dogmatische Kompetenz jeder einzelnen Leitungsperson. Religiöse Ausdrucksformen als theologia prima zu lesen, kommt dieser derzeitigen Situation ausgesprochen entgegen: Sie erfordert nicht mehr und nicht weniger als die hermeneutischen Kompetenzen des Wahrnehmens, Deutens und Reflektierens, die für den Pfarrberuf in postmodernen Zeiten ohnehin unerlässlich sind.

 

Gemeinschaft angesichts von Einsamkeit

Schließlich leistet eine Abendmahlspraxis gegenwärtig einen diakonischen und politischen Dienst an all jenen Orten, wo Einsamkeit zu einem bestimmenden Thema wird. Isolation und Verlassenheit sind prägende Gestimmtheiten unserer Zeit. Noreena Hertz hat in einer großen Studie gezeigt, dass gesellschaftliche Großströmungen, v.a. der Neoliberalismus, für die Einsamkeit des Einzelnen verantwortlich zeichnen. Vor diesem Hintergrund sind Abendmahlsfeiern als symbolpolitische Vergemeinschaftung in öffentlichen Räumen auch politische Statements – gerade auch dort, wo sie Einzelne in privaten Räumen erreichen.

 

Gemeinschaft in vielfältiger Form inmitten einer Gesellschaft der Vielfalt

Die Ursprungsgeschichte des Christentums verquickt dieses Erleben des Einzelnen von Beginn an mit der öffentlichen Wirksamkeit religiöser Inszenierung und liefert damit Impulse für heutige Performanzen. Mit Sensibilitäten für Kontexte und die Bedarfe einer offenen Gesellschaft entsteht so – auch unter pandemischen Bedingungen – eine Vielzahl von Formen: Kleine analoge Formen bei Bedarf (etwa in Kliniken und Pflegeheimen), große digitale Formate mit Beteiligung (etwa „mahlganzanders“ 2021) oder einfache digitale Formen, die nach den Üblichkeiten einer Gruppe (etwa einer parochialen Kerngemeinde oder einer peer-group) funktionieren. Die vielfältige Praxis lässt immer undeutlicher werden, inwiefern es Unterschiede macht, ob Menschen digital oder analog anwesend sind. Es kristallisiert sich hingegen heraus, dass die regulären analogen Formate, die grundsätzlich „sicherheitshalber zu groß sind“, als Normalität ausgedient haben. Und mit ihnen der „one-fits-all“-Gedanke. Gottesdienstliche Feierformate haben Anteil an der Logik des Besonderen in einer Gesellschaft, die von Singularitäten und ihren Zugehörigkeitsproblematiken gekennzeichnet ist. Formfluidität wird zu einer möglichen Antwort auf die Krise gesellschaftlicher Kohäsion. Diese Entwicklungen der jüngsten Zeit zeigen: Die Maßstäblichkeit des Abendmahls wird von denen, die es verantworten, zunehmend unabhängig von einer bestimmten Form gesehen. Damit steigt das Bewusstsein, Formen zuallererst überhaupt finden zu müssen. Liturgisch Verantwortliche sowie Pfarrer*innen in ihrer Leitungsverantwortung für die Organisation kirchlichen Lebens im Ganzen bedenken mit großer Selbstverständlichkeit Fluidität und Komplexität als Faktoren gegenwärtiger Kirchentheorie. Damit habitualisieren sie eine zentrale Kompetenz für die Veränderungen der Kirche, die in den nächsten Jahren anstehen.

 

Gesprächsanstoß: „Für dich gegeben“

Die Elemente des Abendmahls als „für dich gegeben“ anzusehen, wirft in der digitalmedialen liturgischen Praxis augenscheinlich kaum Probleme auf. Menschen betrachten die Abendmahlselemente selbst dann als „gegeben“, wenn sie sie sich faktisch selbst genommen haben. In einer Reihe von Liturgien ist deutlich, dass die Gabenbereitung im eigenen Haus für dieses Erleben eine ausschlaggebende Rolle spielen kann. Dazu kommt, dass sich ein Raum-Zeit-Erleben etabliert zu haben scheint, das nicht mehr zwingend mit einer Kongruenz beider Größen rechnet. Ein weitreichender Zusammenhang dient als Horizont: „Geben“ und „Bekommen“ verweisen darauf, dass jede einzelne über den Umstand, am Leben zu sein, nicht selbst verfügt, und auch allein deshalb „da“ ist, weil wir etwas von Anderen bekommen. Dem wird eine liturgische Gestaltung gerecht, die nicht davon ausgeht, dass ich alles selbst erschaffen kann. Ich hantiere mit Dingen, die ich von Anderen bekommen habe: Ich habe den Wein nicht selbst gekeltert, das Korn nicht selbst gemahlen. Nun kann jemand einwenden, dass sich der Gabecharakter im Abendmahl vor allem darin zeige, dass das Brot oder die die Brothostie aus der Hand des*der Einen in die des*der Anderen weitergegeben werde. Entscheidend scheint dabei zu sein, ob der Ton auf die Materialität gelegt wird (es ist eben genau dieses Brot) oder auf die Interaktion. Liturgische Gestaltungen, die Wert auf die Materialität legen, richten etwa das Brot für die Teilnehmenden zur Abholung in Tüten her, bringen es an Haustüren oder verschicken es per Post. Wenn so Abendmahl gefeiert wird, wird Ähnliches an Ähnlichem erkannt. Wer die Interaktion in den Vordergrund stellt, wird liturgische Formen suchen, die das Weitergeben der Elemente inszenieren. So geben sich die Teilnehmenden etwa untereinander vom Leib Christi weiter, indem jede*r einer anderen Person Brot und Wein zwischen Video-Kacheln weiterreicht. Eine hohe Verbundenheit und eine bleibende Lücke inszenieren sich dann gleichzeitig. Auch das Mitsprechen der Einsetzungsworte, der Mitvollzug von Elevation und Kreuzzeichen gehören in diesen Bereich. Wenn so Abendmahl gefeiert wird, sind die Mitfeiernden zur Interaktion herausgefordert, durch sie aber auch verbunden.

Die empirische Studie Churches online in Times of Corona aus dem Jahr 2020 hat gezeigt, dass in digitalen Formaten der Interaktionsaspekt mit der Zeit an Bedeutung gewonnen hat. An Feierformaten, die zugleich über ein Videokonferenztool und einen Livestream live gehen, lässt sich eindrücklich zeigen, dass Menschen ihren Grad an Partizipation und damit Austauschintensität selbst und bewusst wählen. Via YouTube kann ich „einfach so dabei sein“, ich feiere mit, werde selbst aber nicht gesehen und kann auch keinen unmittelbar wirksamen Einfluss nehmen. In einem Videokonferenzformat erscheint die Teilnehmerin auf einer Teilnehmendenliste, kann gesehen werden, kann sich via Chat oder sogar mit Redebeiträgen beteiligen. Möglicherweise wird ein Raum in einer Kleingruppe eröffnet, in dem sie in eine digitale Erzähl- und Tischgemeinschaft eintreten kann. Solche Wahlmöglichkeiten machen es Menschen möglich, flexibel teilzunehmen – bis hin zur asynchronen, also zeitversetzten Teilnahme.

 

Gesprächsanstoß: Leiblichkeit

Die Abendmahlspräfation verweist bereits darauf, dass es offensichtlich abgestufte Logiken von Anwesenheit im Abendmahl gibt: Die, die vor uns waren, die Engel, Mächte und Gewalten haben teil, ohne leiblich anwesend zu sein. Menschen haben umgekehrt nicht die Wahl, ob sie anders als leiblich teilnehmen: Sie sind Leib. Auch, wenn sie vor einem Bildschirm sitzen und kommunizieren, kooperieren, Ideen entwickeln, feiern, teilen. Eine bislang unbearbeitete Frage der Liturgie, die durch digitale Feierformen aktuell wird, ist, wie sie im Ritus inszeniert, dass das Geschehen, das ihr Gegenstand ist, selbst keine Einheit von Raum und Zeit behauptet: Im Abendmahl spricht die Präfation alle Engel und Gewalten, alle, die vor uns waren und nach uns sind, in die Gegenwart. In der Taufe öffnet sich der Himmel. Christenmenschen glauben die Gemeinschaft der Heiligen. Virtuelle Gottesdienste weisen mit großer Deutlichkeit darauf hin. Die Situation, in der wir derzeit sind, bietet die Möglichkeit, genau diese Brechung wahrzunehmen: So gelingt es mehr und mehr nicht nur in digitalen Bildungszusammenhängen, sondern auch in digitalen liturgischen Vollzügen, die je vorfindliche Umwelt eines gottesdienstfeiernden Menschen mit dem maschinenbasierten Kommunikationszusammenhang zu vernetzen. Manche irritiert das, anderen hilft das, sich in beiden Welten zurechtzufinden. So spielen Gegenstände aus dem jeweiligen, meist häuslichen Umfeld eine Rolle, ein Blick aus dem Fenster, die Farbe eines Buchrückens, ein Gegenstand aus der Küche. Gebete verbinden Menschen rund um die Welt und ereignen sich in Wohnzimmern und Partykellern. Der „vernünftige Gottesdienst“ und die liturgische Form des Gottesdienstes rücken nah zusammen. Derzeit sehen wir einem Strukturwandel zu, der sich aus einem Medienwandel notwendig ergibt. Private religiöse Gewohnheiten entstehen (im Bibelgebrauch, in der Abendmahlsfeier, beim TV-Gottesdienst, beim Kindergottesdienst im Spielzimmer etc.), die darauf drängen, öffentlich zu werden. Was davon wird nachhaltig „salonfähig“ im organisationalen Handeln der Kirche, was bleibt „unter dem Radar“? Diese Praxen jedenfalls öffnen die Räume, innerhalb derer das Abendmahl aktuell bedeutsamer wird als zuvor, weil es eine erlebensbasierte Hilfe zum Verstehen anbietet. Wenn es um die Verantwortung der Kirchen in dogmatischer und praktisch-theologischer Hinsicht geht, dann zuallererst darum, zu erforschen, was von dem, was möglich ist, vorzugsweise zu tun ist.

 

Abendmahl: Empfangenes weitergeben

Für die weitere Diskussion schlage ich vor, dass der Bezug zur story Jesu maßstäbliches Kriterium für die Orthodoxie und -praxis einer Abendmahlsfeier ist. Sie ist der Ursprungsimpuls gegenüber den Lehrverdichtungen, mit deren Hilfe wir uns verständigen über je angemessene Formen, dem Glauben öffentlich Ausdruck zu verleihen.[viii] Liturgisch drückt sich dieser maßstäbliche Bezug darin aus, dass die Einsetzungsworte Raum bekommen. Es ist dieser Verweis, der das Abendmahl von profanen, gewöhnlichen, regulär alltäglichen Mahlzeiten unterscheidet. Die geglaubte Anwesenheit Christi im Vollzug, das Erleben sog. Fernanwesenheit, wird am deutlichsten markiert durch die Einsetzungsworte, die gesagt und gehört werden. Diese Vergegenwärtigung wird umso leichter erlebbar, je synchroner Menschen die Abendmahlsfeier konkret leiblich erleben und nicht allein als Gegenstand geronnener Erfahrung der Kirche als Lehrbestand „kennen“ – gleich, ob analog- oder digitalmedial vermittelt.[ix] Die Vernetzung mit der story Jesu schafft die (Wieder-)Erkennbarkeit und neue (!) Erlebbarkeit des Abendmahls, die es dagegen schützt, in allerlei Formen analoger und digitaler Tauschprozesse aufzugehen. Diese Grunderzählung schafft mit inkulturiert-gegenkulturellem Impetus einen roten Faden durch alle Zeiten in einer Kultur, die auf die Gleichzeitigkeit vielfältiger Gegenwarten setzt. Von dieser „Verknotung“ gegenwärtiger Abendmahlsfeiern mit der story geht transformatorische Kraft aus: Was jetzt geschieht, wird überblendet mit dem Einbrechen des Reiches Gottes in die Historie vor langer Zeit. Die Zeiten kulminieren. Die Geschichte Jesu findet eine neue Form. Sie wird in Wohnzimmern und unterwegs laut, überall, wo Menschen sich darum herum versammeln, gestützt durch Brot und Wein, durch die Gemeinschaft mit Anderen sowie die in Lehre verdichtete story des letzten Abendmahls. Diese neue Form ist nicht die Gegenwart Gottes, aber sie zeigt darauf, wo (und wie) Gott auch noch handelt. In politischer Hinsicht überlagern die biblischen Bilder einer letzten Zeit die Wirklichkeit: Aus allen Himmelsrichtungen kommen Menschen zusammen. Eine friedliche Ko-Existenz ehemals verfeindeter Kreaturen wird ins Bild gesetzt. Menschen ahnen schon jetzt, wie Einsamkeit aufgehoben werden wird, ohne einen Verlust an Autonomie zu erleben. All dies zeigt, dass die Abendmahlsfeier durch den konstitutiven Rückbezug auf die story Jesu ihre transformatorische Kraft entfaltet, nicht durch eine bestimmte Form oder Medialität. Die Stiftungsgemäßheit des Abendmahls hängt nicht daran, ob es analog oder digital gefeiert wird. Freilich zeigen sich in der liturgischen Praxis durch die Etablierung von digitalmedialen Feierformaten verschiedene neue „Regler“, die der Gestaltung bedürfen:

·       Menschen haben unter Digitalitätsbedingungen die Möglichkeit, synchron oder asynchron an Gottesdiensten teilzunehmen. Wer synchron mit Anderen an einer Abendmahlsfeier teilnimmt, bezieht sich im Erleben eher auf die Interaktion derer, die da gerade in einem (digitalen) Raum gemeinsam anwesend sind; wer asynchron teilnimmt, reiht sich eher in die weltweite Glaubensgemeinschaft ein, in der „immer jemand an irgendeinem Ort“ Brot und Wein teilt.

·       Die Rolle der Konfessionalität tritt gemeinhin stärker zurück, als dies bei analogen Formaten der Fall ist. Man betritt einen zunächst ungeprägten Raum, während jeder (!) analoge Kirchraum durch sein Bildprogramm zwingend bereits vorbewusst konfessionelle Voreinstellungen aufruft. Die Konfessionalität der Leitenden spielt insbesondere bei den Formaten, die speziell für den digitalen Raum entwickelt worden sind, aus Sicht der Teilnehmenden kaum eine Rolle. Mehr denn je kann an digitalen Abendmahlsfeiern teilnehmen, wer immer da ist. Zugleich kommen aber auch konfessionelle Grundüberzeugungen ins Spiel: Menschen sagen, was das Abendmahl für sie bedeutet. Pfarrer*innen setzen das Abendmahl ein. Wie sich daraus neue Zugehörigkeiten oder Postkonfessionalitäten[x] entwickeln werden, ist derzeit noch völlig offen. Auf jeden Fall begünstigen diese religiösen Praxisformen die Entwicklung hin zu postparochialen Gestalten von Kirche.

·       Digitalmediale Formate bewegen sich zwischen parochialen Impulsen und digitaler Strategie: Eine Reihe von Formaten ist (zumindest im Frühjahr 2021) so konzipiert, dass digitale Gottesdienste an die Stelle pandemiebedingt nicht möglicher analoger Formate treten. Dort trifft sich mehr oder minder die Gemeinde, die sich ansonsten in einem Kirchgebäude sieht, stabilisiert ihre Kontakte und macht neue Erfahrungen: Manche schmerzen, andere überraschen. Andere Formate werden speziell für den digitalen Raum erarbeitet. Auch sie haben oft regionale Schwerpunkte bei den Teilnehmenden, sind zielgruppenspezifisch oder orientieren sich an bestimmten Lebensstilen oder Netzwerken. Der binnenkirchliche Raum ist ein guter Rückzugsort, an dem solche Dinge ins Verhältnis gesetzt und die transformatorische Kraft der story Jesu im Blick auf ihre öffentliche Wirksamkeit ausgelotet werden kann. So werden bereits bestehende christliche Gemeinden und Gemeinschaften in ihrer Erprobung digitaler Formate zu einem Experimentierraum dafür, wie kirchliches Handeln in der Gesellschaft wirksam sein kann: Wir probieren aus, was auch für Andere möglich und wirklich werden könnte.  

·       Digitalmediale Angebote erfordern es, sich über die zeitliche Verfügbarkeit noch einmal anders Gedanken zu machen. Die analog regelhaft auftretende Frage, zu welcher Uhrzeit ein Gottesdienst stattfindet, münzt sich hier um in die Frage, ob ein Gottesdienst via livestream genauso zu einem Zeitpunkt terminiert wird, ob er on demand abgerufen werden kann und vor allem auch, wie lange er im Internet verfügbar ist. In welchem Zeitraum ist ein Gottesdienst „aktuell“, wann wird er ein zeitgeschichtliches Dokument?

·       Die Rolle der Berufsreligiösen ändert sich. Selbst, wenn eine Pfarrperson den digitalmedialen Gottesdienst allein konzipiert und leitet, sind typische Amtsbezüge (Talar, „Auftrittssituation“ etc.) seltener erkennbar und werden vor allem auch weniger erwartet. Technikteams, Co-Moderatoren und Hosts bekommen eine wichtige Rolle. Formatierungsleistungen und Gottesdienstvorbereitungen im Team haben einen hohen Stellenwert. Das leitende Handeln von Pfarrer*innen wird dabei wichtiger gegenüber der exemplarischen Performanzsituation, die zunehmend auch andere übernehmen. Diese Beobachtung spitzt sich zu, wenn man in Betracht zieht, dass mehr und mehr auch bots Menschen durch gottesdienstliche Angebote leiten.

 

Diskussion um das Abendmahl: Testfall für veränderungssensibles Leitungshandeln

Diese gewiss unabgeschlossene Liste von Regelungsanforderungen zeigt, welche hohen hermeneutischen und formativen Fähigkeiten von Leitungspersonen erwartet werden. Nichts ist vorbei oder wird bald wieder „normal“. Die Diskussion um die angemessene Gestaltung des Abendmahls sollte vielmehr als Testfall für anstehende kirchliche Veränderungsprozesse gelesen werden. Diese Gestaltungsverantwortung wird umso leichter, je eher Pfarrer*innen Freude am gebildet-souveränen Umgang mit fluiden Strukturen haben. Sie wissen um die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Steuerung und gehen eher spielerisch und fehlerfreundlich, aber mit vollem Ernst damit um: „[U]nter einem Spiel ist eine Situation zu verstehen, die die Voraussetzungen und Grenzen eines Tuns in dieses Tun wieder einführt, ohne dass die Voraussetzungen und Grenzen damit unterlaufen und überschritten werden würden. Sie werden verfügbar, und das heißt beobachtbar. Und das ist anspruchsvoll genug. Ein Spiel informiert eine Situation über sich selbst.“[xi] Dieses Spiel ist immer Spiel gemeinsam mit Anderen und mit der je neuen Situation, die sich offen zeigt für religiöse Kommunikation und religiöses Ereignis. Das lohnt alle Aufmerksamkeit.



[i] Die Herausforderung, dass Menschen unter Digitalitätsbedingungen in der postmodernen Gesellschaft zuallererst als Aktanten im Blick sind, bedarf derzeit weiterer theologischer Reflexion. Soziologien (Urs Stäheli) und Taktiken (Guido Zurstiege) der Entnetzung zeigen für diese Fragen gute Spuren auf.

[ii] Dirk Baecker: 4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt, Leipzig 2018.

[iii] Uta Pohl-Patalong: Gottesdienst erleben. Empirische Einsichten zum evangelischen Gottesdienst, Stuttgart 2011, 88.

[iv] Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen. Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne, Berlin 2019, 227.

[v] Robert Keith Sawyer kombinierte zu Beginn des Jahrtausends einen emergenzorientierten Ansatz mit einer Kommunikationstheorie und entwickelte daraus das Konzept der „sozialen Emergenz“. Cf.: Robert Keith Sawyer: Social Emergence. Societies as complex Systems, Cambridge 2005.

[vi] Cf. Cornelia Coenen-Marx: Die Neuentdeckung der Gemeinschaft. Chancen und Herausforderungen für Kirche, Quartier und Pflege, Göttingen 2021.

[vii] Von Beginn der Pandemie an eindrückliche digitale Abendmahlsfeiern vom heimischen Esstisch aus mit hochkirchlichem Skript feiert etwa Bryony Taylor, cf.: https://bryonytaylor.com.

[viii] Dietrich Ritschl/ Martin Hailer: Grundkurs Christliche Theologie. Diesseits und jenseits der Worte, Neukirchen 22008, 33 u.ö.

[ix] Menschen feiern auch im Rahmen von Fernsehgottesdiensten in der Mediathek oder aufgezeichneten Livestreams via YouTube asynchron Abendmahl. Die Gemeinschaft der Heiligen dürfte aber leichter erfahrbar sein, wenn man derer Einige im Moment (!) um sich weiß, sei es digital oder analog (oder beides). Im gleichzeitig gefeierten digitalen Abendmahl ist jedoch eine Synchronisierung von Ereignisgegenwarten erfahrbar, die die Liturgie des Abendmahls schon lange kennt.

[x] Bernhard Dressler hat diese Form von Entwicklung früh in den Blick genommen, die ohne dezidierte Abbrüche auskommt. Sie zeigt an, dass neue Konstellationen am Horizont erscheinen, ohne dass die bestehenden endgültig abgelöst sind. Cf: Bernhard Dressler: Traditionsbruch und Traditionswandel, in:  ders., Blickwechsel. Religionspädagogische Einwürfe, Leipzig 2007, 95–118.

[xi] Dirk Baecker: Organisation und Management, Frankfurt am Main 2003, 47.

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