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Tiefe Innovation I

Published onMar 19, 2023
Tiefe Innovation I
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  • This Release (#4) was created on Apr 11, 2023 ()
  • The latest Release (#6) was created on Mar 27, 2024 ().

Eberhard Wölfel *16.4.1927 †4.2.2019

„Durchbrechen der Naturgesetze?“ Wie ich ihn kenne, ist das nicht sein Stil.

„Innovation vollzieht sich als algorithmischer Gestaltbildungsprozess in einem Resonanzraum zwischen Vernetzung und Regulierung.

Sie kann in einem Quellcode gespeichert und prozessiert, von einzelnen oder gemeinsam als sich erschließende Wahrheit, als förderlicher und heilender Prozess erfahren und als Schöpfung oder Neuschöpfung gedeutet werden.

Innovation kann aber auch Regulierungsräume zerstören und Gemeinschaften gefährden; Überregulierung kann notwendige Innovationen verhindern. Innovation und Regulierung bedürfen daher selbst nachhaltiger Gestaltung in einer Gesellschaft der Freien und Gleichen.”

Wolfgang Nethöfel, Regulierung (Zwischen Kreativität und Schöpfung II)

Vorbemerkung

Tiefe Innovation könnte im Englischen Integral Innovation heißen. Denn in diesem Band ist zusammengesehen, was in Band I (2011) als Innovation, in Band II (2023) als Regulierung dargestellt wurde. In diesem Abschlussband ist umsetzungsorientiert zusammengefasst, was sich seit der ersten Veröffentlichung an Ideen und Modellen weiterentwickelt und was sich aus Anwendungserfahrungen erschlossen hat. Er trägt den Zusatz mit Gründer-App, weil er ein inzwischen entstandenes internes App-Handbuch integriert und seinem Leitfaden folgt. Mit seiner durchgehenden App-Anwendung orientiert sich das Buch am Epochen-Leitmedium vernetzte Kommunikation. Alle drei Bände tragen den gemeinsamen Untertitel Zwischen Kreativität und Schöpfung, weil uns Innovationsprozesse, einschließlich des Regulierungsbedarfes, den sie erzeugen, in einzigartiger Weise in Beziehung setzen zu dem, was die Welt im Innersten zugleich vorantreibt und zusammenhält. Hier geht es nicht um den erfolgversprechenden Neuansatz bei genau dem, das im Routineprozess lediglich als störend empfunden wird, sondern um persönliche Integrität und um nachhaltig wirksame Orientierung. Und das gilt nach meiner Erfahrung und Überzeugung nicht nur für vorauseilende graubärtige Innovatoren sondern für jede Person, die in creatorSfactory zu sich selbst finden will.
Der Einleitungsteil dieses 3. Bandes ist so verfasst, dass er auch getrennt veröffentlicht werden kann. Vorabveröffentlichungen der übrigen Teile im Netz laden dazu ein, die erkennbaren Leerstellen in den Phasenkapiteln durch Umsetzungs- und Anwendungserfahrungen zu ergänzen: gerade auch dann, wenn sich das Modell bei der Selbstorientierung in den Krisenkontexten des beginnenden Netzzeitalters bewährt.
Das Buch enthält im Ganzen Rückverweise auf die ersten beiden Bände, in denen viele Zusammenhänge zwar auf einem älteren Materialstand, aber ausführlicher dargestellt wurden, als dies im jetzigen Zusammenhäng möglich war. Sie verweisen beim Regulierungsbuch vorerst nur auf die Gliederungsorte des sukzessive veröffentlichten Manuskripts.
Keines meiner Manuskripte wäre fertiggestellt worden ohne die singuläre Vernetzungsrealität im Institut für Wirtschafts- und Sozialethik (IWS): durch das Engagement, die speziellen Kenntnisse und Kompetenzen von Holger Böckel, Stefan Kunkel, Patrik Mähling und Steffen Merle,. Mein besonderer Dank gilt in der Schlussphase den Vertretern einer jüngeren Generation: Thomas Haustein und Jan-Philippe Merle, die durch geduldige Umsetzungsarbeit, eigene Netz- und Modellkompetenzen und nicht zuletzt durch präzisen Widerspruch zu dem beigetragen haben, was jetzt in den Netzen wirksam werden kann.
Dem EKD-Digitalisierungsfonds danke ich für einen Projektzuschuss, der nicht nur die Netzveröffentlichung gefördert hat.
Ich widme diesen Abschlussband meinem 2019 verstorbenen theologischen Lehrer Eberhard Wölfel, der seiner Zeit weit voraus und tief im Netz zuhause war.

Frankfurt am Main, im März 2023

Wolfgang Nethöfel

Inhaltsverzeichnis

I. Im Netz

1. Digitale Transformation

2. … im Epochenwechsel

3. Kontext, Aufbau und Anwendung dieses Buches

4. Die App (Nullphase: 0 ← 10)

II. Start. Infektion

(1) ins Netz

(2) singulär werden

Narrative Orientierung im Weltbildwandel

III. Inkubation und Illumination

(3 und 4) singulär anbieten und einkaufen

(5 und 6) den singulären Ort und Mix finden

NFTs! Zwischen Bitcoin- und Blockchainorientierung

IV. Implementierung. Stopp.

(7 und 8) den singulären Prozess; Ruhe finden

(9) neu anfangen (10→ 0)

I. Im Netz

Tiefe Innovation befreit aus Verstrickungen aller Art. In einer Epoche, deren Leitmedium vernetzte elektronische Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) ist, umschließen uns Netzkontexte außen wie innen. Sie fordern uns heraus, wenn wir im Netz erwachen und allein sind mit unseren Erfahrungen in der Matrix. Da es offensichtlich immer schon losgegangen ist, wollen wir die Geschichte, in der wir dort erwacht sind, gut weitererzählen können – bis zu ihrem guten Ende. Und ehe wir sie anders weiterzählen, als sie wie von allein weiterzulaufen scheint: gemeinsam mit Anderen oder gar als Befreiungsgeschichte „Raus aus der Matrix, hinein ins Netz!“, wollen wir als Subjekte unserer eigenen Geschichte ernstgenommen und angesprochen werden. Heute brauchen wir dazu unsere eigene Adresse im weltweiten Netz.
Doch sobald abgehoben wird, nachdem es in der Matrix geklingelt hat, stellt sich auf beiden Seiten die Identitätsfrage. Und sie wird mit jedem der folgenden Sätze mitbeantwortet – so oder so oder ganz anders. Im Praxiszusammenhang von Innovationsprojekten bemühen wir uns gemeinsam um gute Antworten, indem wir dieses Thema im Team ansprechen. Aber es gibt unterschiedliche Formen, beim einsamen Schreiben mit der Gender-Problematik umzugehen. Um mir die Darstellung und Ihnen das Lesen zu erleichtern, werde ich Formen wie ‚Gründer/in‘ vermeiden, wenn nicht die Identitätsfragen in den Vordergrund rückt.1
In diesem Buch wird diese Frage praktisch, weil ich Sie auf die exemplarische Reise eines Netz-Gründers mitnehmen möchte, der unsere Innovations-App verwendet und dabei Schritt für Schritt, Phase für Phase, Kapitel für Kapitel ihrem Algorithmus folgt, bis sich die Gründerperson aus ihrem einstigen Startup zurückzieht und zur Ruhe setzt. Dabei tritt ein anderer Aspekt in den Vordergrund, über den wir uns vorab verständigen müssen.
Ich kann mich auf ‚Gründung‘ als Anwendungsbereich von Innovationsmodellen durchgehend beziehen, weil sich hier typische Prozesserfahrungen, aber auch Orientierungsrisiken und -chancen unserer jungen Epoche überlagern, denken Sie an ein Startup. Aber die Innovations-App, deren Anwendung ich in diesem Buch vorstelle, lädt zur unternehmerischen Selbständigkeit ebenso ein wie zu vertiefter Selbstfindung und zum kreativen Umgang mit privaten und beruflichen Konflikten. Die Innovationsformel, deren Algorithmus sie entfaltet, ist eine Story-Formel, die im Selbstmanagement ebenso funktioniert wie bei Beziehungskonflikten, bei Ausbildungen und Schulungen ebenso wie in Seminaren und bei der Organisationsentwicklung, offline wie hybrid. Wer dagegen einen Firmen- (Startup-) Gründungsprozess Schritt für Schritt abarbeiten will, sollte woanders nach technischen Hinweisen suchen.2
Ich würde die Gründungs-App heute vielleicht CreatorS-App nennen. Aber sie ist ein mächtiges Instrument das tiefer ansetzt und mehr kann. Sie integriert agile Planungstechniken wie Kanban, Scrum und Design Thinking. Und in diesem Kontext scheint erstmals auf, was ‚Tiefe Innovation‘ bedeutet und was sich im Anwendungskontext der App erschließen kann. Die Verfasser des Agilen Manifests propagierten um die Jahrtausendwende folgende Präferenzregeln, die bei der Softwareentwicklung zu beachten seien:

- Individuen und Interaktionen haben Vorrang vor Prozessen und Tools.
- Funktionierende Software hat Vorrang vor umfassender Dokumentation.
- Die Zusammenarbeit mit den Kunden hat Vorrang vor Vertragsverhandlungen.
- Das Reagieren auf Veränderungen hat Vorrang vor dem Befolgen eines Plans.3

Wie so oft, beruht der Erfolg dieses Manifests auf einem produktiven Missverständnis – und das schließt das Selbstverständnis der Verfasser ein. Faktisch formulieren sie Regeln, die gegen die indirekt zitierten Grundsätze eines guten Managements ebenso verstoßen wie gegen die einer guten ingenieurstechnischen Herstellungspraxis. Weil sich solche Verstöße aber bei der Softwareentwicklung bewährt haben und weil dieser Erfolg vor dem Hintergrund eines rasanten Anstiegs des Softwareanteils an der Gesamtproduktion zunehmend irritiert, wenden die Verfasser – eben ihr Management- und ihr Ingenieurswissen an, um dieser Herausforderung zu begegnen. Sie formulieren neue Regeln, um die Abläufe wieder zu normalisieren und die entstandene Irritation wenigstens einzugrenzen.
Sie haben damals noch nicht erkannt, welche notwendigen Bedingungen eines paradigmatisch tiefer verankerten Orientierungsmusters agiler Produktion sie dabei erstmals thematisierten. Ihre Rezipienten wiederum entwickelten aus diesen bloß aggregierten neuen Regeln ständig neue und immer wieder andere ‚agile‘ Konzeptionen, als ob sich diese aus Erfahrungssätzen einer guten neuen Praxis genau so und nicht anders ableiten ließen und als ob sie auf alle Produktionsvorgänge anwendbar seien. Die einen wollten damals und die anderen können bis heute nicht begründen, warum kluge Manager oder Ingenieure, die im Einzelfall einfach gegen bestehende Regeln verstoßen, nicht ebenso erfolgreich im Umgang mit jenen Störungen neuer Art sein können. Stattdessen verkünden die Anbieter all der konkurrierenden Varianten von Kanban, Scrum und Design Thinking potenziellen Anwendern: Ohne Agilität kein Weg in die digitale Zukunft!4
Im Rückblick zeigt sich allerdings immer deutlicher, was mir als Beobachter und Quereinsteiger schon ziemlich früh auffiel: Jene Grundsätze thematisierten weder die besonderen Zeitumstände (eine Epochenwende) noch die Verankerung digitaler Produktivität in einem neuen Weltbild (im Zeichenkonzept des linguistic turn zu Beginn des vorigen Jahrhunderts). Also: weder den gerade sich vollziehenden leitmedialen Wandel, der eine Epochengrenze markiert und digitale Vernetzung auf allen Ebenen zum Prozesshintergrund werden lässt, noch dessen sich gerade vollziehende biografisch-kulturelle Aneignung bei allen Prozessbeteiligten, die das Erlernen von Sprache, Schrift und den gekonnten Umgang mit Printmedien noch einmal überschreibt. Weder die notwendigen Beziehungen zwischen dem Menschenbild agiler Produktion (mit seinem Identitätskern, seinen Veränderungsmöglichkeiten und seinen notwendigen Funktions- und Rollenzuschreibungen), noch die jetzt überall im beruflichen wie im privaten Alltag hervortretenden Phasen rückgekoppelter Kreisläufe mit ihren Anfangs- und Stoppsignalen. Weder also die Orientierungsvorgaben einer Weltbilder übergreifenden universalen Semantik, noch die auf jene Prozesse in sich überlagernden Schichten anwendbaren Nachhaltigkeitskriterien einer abgeschlossenen Gestaltbildung unter den heutigen Rahmenbedingungen systemischer Stabilität – in einer Weltgesellschaft, die sich als Welt-Schicksalsgemeinschaft weder einfach weiterhin an nationalen oder geschichtlichen Leitbildern orientieren, noch einfach festhalten kann an den überkommenen Grundsätzen guter Praxis.
Wenn ich heute diese Defizite benenne, weiß ich allerdings besser als damals, wovon ich dabei rede. Denn wenn ich reflektiere, was ich in Anwendungsprozessen der Innovationsformel erlebe, erschließt sich mir deren Tiefendimension, die unsere App entfaltet, immer wieder neu: als Zusammenhang von Innovation und Regulierung, Kreativität und Schöpfung. Und dann zeigt sich im Umkehrschluss: Je mehr sich die vernetzten Weltzusammenhänge unserer Epoche so verdichten wie damals um die Jahrtausendwende im Silicon Valley bei der Softwareentwicklung im Kontext von Netz-Gründungsgeschichten, umso weniger kann man sich allein an den – wie auch immer – zusammengestellten Präferenzregeln des Agilen Manifests orientieren. Sonst breitet sich der große blinde Fleck im Rücken einer immer noch spätneuzeitlichen Weltwahrnehmung immer weiter aus.

Stattdessen empfiehlt sich die Orientierung an den Prinzipien Tiefer Innovation, mit denen der Algorithmus der App die notwendigen Beziehungen zwischen den Sachverhalten solcher Geschichten zugleich thematisiert und durch die geschlossene Transformationskette der Innovationsformel miteinander in Beziehung setzt. In ihrem jeweiligen Praxisbezug funktionieren sie wie jene Axiome mittlerer Reichweite (middle axioms), an denen ich mich auch als christlicher Sozialethiker in Gemeinschaftsprojekten orientiere.5 Denn aus ihnen lassen sich auch bei unterschiedlichen weltbildlichen Voraussetzungen Hypothesen ableiten, die sich in Alltagserfahrungen aller Art bestätigen – oder eben nicht. Beides oft überraschend und stets mit einem Zuwachs an orientierter Erfahrung! Zu einem solchen Prozess lade ich ein, indem ich diese Prinzipien im Folgenden so erläutere, wie sie im Phasenschwerpunkt eines Gründungsprozesses jeweils zusammenwirken. Zusammengestellt lauten sie:

Tiefe Innovation orientiert sich als Prozess am:

- Matrixprinzip (und thematisiert stets das Erwachen im digitalen Zeitalter, in einem Weltbild nach dem linguistic turn, im Zeichenparadigma, als Epochendifferenz);
- Rückkopplungsprinzip (wodurch Kopien der Ausgangsdifferenz als sich ausprägende Muster bis zu einem Stoppsignal zum durchgängigen fraktal-granularen Bildungsprinzip der Netzgestaltbildung werden: beim Aufbau der Organisation, im Ablauf des Prozesses und beim Durchlauf des Produkts);
- Narrativprinzip (das als intuitives Gestaltbildungsprinzip Unterschiede zwischen Unterschieden bewertet und benennt, Grenzen und Abgrenzungen hervortreten lässt und jeden Herstellungsprozess zur Geschichte einer Gestaltwerdung macht: in Initiativen, Epen (epics) und Stories, die als Muster prägend wirken).
- Schnittstellenprinzip (wodurch Zählen und Benennen zum Erzählen werden und der Mensch als Tradent, nämlich als Produzent und Rezipient von Mustern immer wieder neu in diese Prozesslogik einbezogen wird).

App-Aneignung und -Vermittlung Tiefer Innovation können sich am Prinzip der Selbstähnlichkeit orientieren. Denn
- das fraktal-granulare Bildungsprinzip neuer Netzgestalten spiegelt sich
- in holographisch-granularen Muster-Modellen und Darstellungen und
- in einem holografisch-granularen Muster-Vermittlungs- und Anwendungsprinzip.

Weil im ‚digitalen Zeitalter‘ Tiefe Innovation in allen sozialen Kontexten nach dem Tik-Tok-Prinzip von 0 und 1 funktioniert, greifen
- das (wertende) Blockchain- und
- das (zählende) Bitcoin-Prinzip
auf allen Gestaltungsebenen ineinander, um auf äußeren und inneren Märkten Innovationsstories zu generieren.

In Produktions- und Beziehungsnetzwerken aller Art können solche Narrative bei der App-Anwendung gut bearbeitet werden
- durch ein Singularitätsprinzip (bei jeder Adressierung im weltweiten Netz) und
- durch ein multimediales Switch-Prinzip.

Denn die App-Aneignung habitualisiert schon mit dem ‚Blick über die eigene Schulter‘ die Orientierung an jenen Prinzipien bei der App-Anwendung: vom Körperausdruck (Trance, Habitus als Switch-Kompetenz) über Moderations- und Mediationsinszenierungen schon bei der Ausbildung (Haltungen, Raumgestaltung, Innovationslabor-Inszenierungen) bis hin zu sowohl skalierbaren wie singulären Produkten (Seminare, Tagungen, thematische Events und Ausstellungen einerseits, andererseits autofiktionale Texte und NFT-orientierte Produktionen).

Das macht nicht nur eigene Innovationserfolge wahrscheinlicher. Es scheint auch den sektoralen, lokalen und regionalen Kulturwandel zu fördern, der beim Epochenübergang ansteht. Dieser selbst erschließt sich zwar durch das populäre Nachhaltigkeitsprinzip, das Produktionsergebnisse in den Zusammenhang natürlicher Kreisläufe zu reintegrieren versucht. Doch im agil verdichteten Kontext der App-Anwendung wird zugleich plausibel und erfahrbar, wie die Entkopplung vom neuzeitlich-geschichtlichen und biografisch verankerten Fortschrittsnarrativ mit seinem Selbstoptimierungsdiktat gelingen kann und wie sich die Ergebnisse einer von solchen Zwängen befreiten kreativen Selbstbetätigung in den systemischen Gesamtzusammenhang Tiefer Innovation (zwischen Kreativität und Schöpfung) einordnen lassen.

Diese verdichtete Darstellung zu Beginn der Einleitung mag auf manche abschreckend wirken. Aber sie führt in unterschiedliche Verwendungskontexte des Buches ein – und dann gibt es unterschiedliche Gründe, hier noch einmal nachzuschlagen. Dabei wird es nicht nur um das Verständnis jener Prinzipien gehen, sondern auch um deren Orientierungsfunktion in Ihrer eigenen Geschichte. Denn was Sie als Exemplar in der Hand halten oder als Vor- oder Zwischenform im Netz gefunden haben, kann als Sachbuch zum Innovationsthema für sich gelesen werden, aber auch – wie der Zusatz „Zwischen Kreativität und Schöpfung“ verrät – als dritter Band einer Reihe, deren andere Bände „Innovation“ und „Regulierung“ heißen.6 Für sich gelesen werden kann es auch als Selbsthilfebuch zum Thema ‚neu anfangen‘. Aber schon hier wünsche ich mir, dass es als Begleitbuch bei der App-Anwendung funktioniert; es reproduziert in unterschiedlicher Form unser internes Handbuch zur Innovations-App. Wir veröffentlichen dadurch deren Quellcode als Open Source und wollen durch die Netzvarianten des Buches die Bildung eine Netz-Community ermöglichen, die diesen Quellcode verwendet und neue Anwendungsmöglichkeiten erschließt.
In all diesen Netzkontexten, in der Matrix, löst die App bei jeder konsequenten Anwendung einen kreativen Prozess aus, dessen Phasen in diesem Band jeweils ein Kapitel gewidmet ist: von der Aufgabenstellung bis zur Lösung – wie wir das aus den agilen Planungsverfahren kennen. Das gibt mir als Autor die Möglichkeit, den Interessen unterschiedlicher Leser- und Anwender-Zielgruppen dadurch gerecht zu werden, dass ich eine gleichbleibende Kapitelstruktur mit einem Wechsel von Beispielthemen verbinde. Der zugrundeliegenden Formel-Logik der App und ebenso den unterschiedlichen Phasen und Aspekten ihrer Anwendung wende ich mich allerdings erst zu, nachdem die sich hoffentlich schon vorab intuitiv erschlossen – und Sie sich bereits entschlossen haben: wenigstens zum Weiterlesen.

Jene uralten Märchen und Mythen oder jene aktuellen Geschichten, die ich hier nach Phasenschwerpunkten zusammengestellt habe, werden Sie sicher immer wieder dort abholen, wo Sie gerade sind. Sie werden in diesem Buch Unterschiede kennenlernen, die auch in Ihrem eigenen Leben einen Unterschied machen. Aber ihre eigene Story, die Sie hier zu erzählen lernen, kommt erst dann an ihr gutes Ende, wenn darin die Geschichte einer wirklichen Veränderung und Neuorientierung zu Ende erzählt ist. Während sich der Quellcode der App entfaltet, weist dabei die Innovationsformel den Weg zu unterschiedlichen Gründungszielen. Wenn Sie wollen, sind Sie mit dabei. Die Innovationsformel, mit der wir arbeiten, gibt uns mit der App einen ganzer Koffer voller Umsetzungswerkzeuge an die Hand. Sie erzwingt und ermöglicht strenge Modelle ebenso wie starke Erzählungen. Aber nicht für jeden. Tiefe Innovation integriert (Selbst-) Regulierung. Auch davon wird die Rede sein.
Wenn Sie dieses Buch vor sich haben und in ihm bis hierhin gelesen haben, dann wissen Sie, dass im Netz die alten Geschichten nicht wie bisher weitererzählt werden können. Gründen! Oder gefangenbleiben im Netz: in der Matrix. Darum geht es schon im Einleitungsteil der durchgängigen Userstory.

Lernziel: Wie geht’s (für mich) weiter (wenn’s nicht mehr so weitergeht wie bisher)? – Am Ende dieses Einleitungsteils sollten Sie diese Frage als Leserin oder Leser dieses Buches so beantworten können, dass Sie wissen, wie Sie ihn weiter verwenden werden.7 Weitere Verwendungshinweise s.u. in Abschnitt (3).

Ich stelle zunächst digitale Transformation (1) im Epochenzusammenhang unseres gegenwärtigen Weltbildes dar (2), ehe ich genauer über Kontext, Aufbau und Anwendung dieses Buches spreche (3). Anschließend führe ich bereits in die Nullphase der App ein, mit der „Tiefe Innovation“ im Digitalzeitalter in einzigartiger Weise praktisch wird (4). Eine Werkzeugkiste mit Zusatzmaterial zur App, zum Selbststudium sowie zum gemeinsamen Üben finden sich auf unserer Homepage – ebenso wie weiterführende Links und ergänzende Community-Hinweise, zu denen Sie auch selbst beitragen können.8

1. Digitale Transformation …

Innovation ist und bleibt in diesem Buch stets auf die Grundkompetenz bezogen, nicht nur etwas, sondern in einer neu sich erschließenden Welt auch sich selbst neu zu erfinden: mit Gefühlen und Gedanken, allein wie zusammen mit anderen, mit Handlungen und Produkten, auf symbolischen wie auf realen Märkten, in Umfeld- wie Umweltbeziehungen. Ein passender englischer Titel wäre Integral Innovation 4.0. Dann würde ‚integral‘ für integrierend, für ‚integraler Bestandteil‘ und für ‚integer‘ stehen – und zwar in einer Zeit, in der allgegenwärtige Sensoren in vernetzten lernfähigen Systemen immer stärker zum Hintergrund unserer Alltagsentscheidungen in einer vernetzten Weltgesellschaft werden (4.0).
Für das Hineinfinden in diese neue Weltsituation scheint eine Reise ins digitale Zeitalter (mit nicht mehr überlebensfähigen „digitalen Dinosauriern“) ein gelungenes Sprachbild zu sein. Doch die Bedeutung digitaler Transformation wird regelmäßig ökonomistisch missverstanden. Sie verweist auf Digitalität als Merkmal nichttrivialer Unterscheidungen und auf die Notwendigkeit, sich ihnen zu stellen (zum Beispiel durch Switchen, das sich üben lässt). Digitalität als Welten-Sprache erschließt im Gegenzug eine universale Semantik denkbarer als möglicher Welten, die auch nach einem Wechsel der Weltbilder orientierte Entscheidungen erlaubt.

- ökonomistisch missverstanden

Das Wissen um „digitale Transformation“, so heißt es in einem einschlägigen Forschungsprojekt, sei „das höchste Level des digitalen Wissens und baut auf der digitalen Kompetenz und der digitalen Nutzung auf“. Aber dann lesen wir zur Erläuterung:

Digitale Transformation setzt digitale Informations- und Kommunikationstechnologien ein, um die Performance von Unternehmen und Organisationen zu erhöhen. Es geht bei der digitalen Transformation um Transformierung und Weiterentwicklung der Unternehmensprozesse, des Kundenerlebnisses und der Geschäftsmodelle.9

Es ist sicher richtig, in diesem Beispiel darauf hinzuweisen, dass sich Digitalisierung nicht auf die Produktion beschränkt, sondern durch sich überlagernde vernetzte Kontexte nach und nach alle Unternehmensprozesse erfasst und dann auf diese zurückwirkt, weil Digitalisierung auch den Markt komplett verändert hat. Aber gerade weil der Autor sich auf die Auswirkungen vernetzter Sensortechnik im Kernbereich einer ‚Industrie 4.0‘ bezieht, bleibt die Einordnung in ein neues digitales Zeitalter hier leer. Und selbst wenn man dann bei weltweit vernetzten Prozessen angelangt ist, wird es bei den fälligen Veränderungsprozessen im Unternehmen bei bloßen Anpassungen bleiben: weil die verkündete ‚Disruption‘ weder die gesellschaftliche, noch die kulturelle Tiefendimension dessen angekratzt hat, was ‚Digitalisierung‘, ‚Transformation‘ und ‚4.0‘ verbindet. Und daher wird sie auch an den Personen vorbeigehen, die in jene Netze verstrickt sind und die sich eben nicht nur beruflich neu orientieren müssen.

Disruption (Beispielszenario): Gestandene Ingenieure und Kaufleute eines mittelständischen Weltmarktführers könnten weinend zusammenbrechen, wenn ihnen klar wird, dass sie keine Maschinen mehr produzieren und verkaufen werden, sondern eine Dienstleistung, die auf Datensätzen beruht. Sie könnten aber ihren Kunden das, was Maschinen bewirken, als kontinuierliche Funktion garantieren und verkaufen, weil sie sich besser als irgendjemand sonst darauf verstehen, sensorgestützte Maschinendaten auszuwerten.

Wie früher auch, werden dann die Wartungsteams stets vor einem Maschinenausfall beim Kunden sein können, wenn die politische Lage das zulässt. Sie werden diese Maschinen aber in aller Regel übers Netz warten und Ersatzteile über andere Dienstleister einbauen lassen, mit denen sie durch Verträge vernetzt sind. Auch bei Neukunden werden sie zunehmend vor fremden und geleasten Maschinen stehen. Denn die Forschungs- und Entwicklungsabteilung hat inzwischen neue Anwendungsmöglichkeiten und Dienstleistungsangebote für alte wie neue Kunden entwickelt. Und die Marketingabteilung berät sogar die frühere Konkurrenz: Maschinenproduzenten, mit deren Herstellungspreisen das Unternehmen ohnehin nicht mehr lange hätte mithalten können. Wobei sich auch hier die globalen und lokalen Rahmenbedingungen ständig verändern.
Damit dies gelingt, dürfen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter also nicht nur irgendwie auf diesen neuen Märkten zurechtfinden. Schicke Präsentationen und ein neues Wording reichen nicht. Ehe alte Kunden neu und neue Kunden anders verstanden werden können, gilt es Abschied zu nehmen und Trauerarbeit zu leisten. Man muss sich in dieser neuen digitalen Welt zunächst einmal selbst neu finden und erfinden. Damit man schließlich in einem weltweiten Netz gefunden werden kann als jemand, der sich wirklich verändert hat und mit etwas Neuem ganz anders als zuvor auf dem Markt ist – der aber gerade so wieder zu sich selbst gefunden hat. Nur dann irritiert auch der alte Firmenname nicht, sondern hilft alten und neuen Kunden wirklich beim Suchen im Netz: weil bei ihnen überall ähnlich ‚disruptive‘ Prozesse ablaufen oder doch ablaufen sollten.

Übungsaufgabe I-0 (Standardszenario): Benutzen Sie im Folgenden dieses Disruptionsszenario (oder Varianten davon) im Rollenspiel und besetzen Sie es jeweils gender-, themen- und situations-, professions- und phasenspezifisch.

Ein auf Unternehmen, allenfalls auf das Teilsystem Wirtschaft, bezogenes Verständnis von digitaler Transformation ist fast schon eine Garantie dafür, dass jene Reise ins neue Zeitalter der Digitalisierung in eine Sackgasse führt. Die Rede von einem neuen Zeitalter vermag allerdings ein Hintergrundverständnis zu erschließen, das man sich möglichst früh und möglichst radikal zu eigen machen sollte. Digitalisierung verweist auf Digitalität – und die ist tatsächlich ein tief verankertes Kennzeichen unserer Epoche.
Wir tun heute gut daran, schnelle Umbrüche wie tief greifende Reformen, private, berufliche und institutionelle Anfänge und notwendige Neuanfänge: ja alle Geschichten, in denen irgendwie davon die Rede ist, vor einem ökonomistisch verkürzten Verständnis zu bewahren. Wir sollten sie umgekehrt zunächst als Epiphänomene jener einen Großen Transformation betrachten, die unsere Weltgesellschaft im Ganzen erfasst hat und die von allen eine tiefgreifende Umorientierung erfordert. Das irritiert anfangs und macht Angst, aber anschließend wird fast alles klarer und vieles einfacher. Einiges, was zuvor bedrohlich erschien, wirkt nur noch lächerlich, anderes lädt ein zur Unterbrechung unseres Routinehandelns, zu entschlossener Entkopplung und vernetzter Neugestaltung. Schließlich stehen wir gemeinsam an einem Anfang.

Aber wie sieht der aus, wenn es stets auch um uns selbst geht?

- Digitalität als nichttriviale Unterscheidung (Switchen)

Sie können jederzeit alles bloße Gerede vom ‚digitalen Zeitalter‘ hinter sich lassen und inmitten aller sich überlagernden globalen Netzwerke dort ansetzen, wo der Wechsel von Null und Eins im leitmedialen Kern unserer Epoche (‚paradigmatisch‘) verankert ist. Recht verstanden, lässt sich der Pulsschlag unserer neuen Zeit schon beim Blick über die eigene Schulter spüren. Ich lade Sie ein zu einer kleinen Reise. Sie beginnt so:
(Basis-) Übungsaufgabe I-1 a): Stellen Sie sich vor, Sie erhalten von mir durch einen Fingerklick oder durch ein Händeklatschen ein Umschaltsignal. (Switch!) Entspannen Sie sich (am besten, indem Sie im Sitzen beide Füße fest auf den Boden stellen, die Hände auf die Oberschenkel legen und die Augen schließen).
Konzentrieren Sie sich nun auf etwas, das Ihnen in den Sinn kommt. Lassen Sie es los. Dann konzentrieren Sie sich auf etwas Anderes, das Sie wahrnehmen. Lassen Sie es los. Und so weiter…

So verhalten Sie und ich uns normalerweise. Und das ist meist auch gut so. Sie könnten aber auch aufschreiben, worauf Sie sich eben konzentriert und was Sie dabei empfunden und gedacht haben – und so ein Lerntagebuch beginnen (was wir bei Ausbildungen und selbst bei Workshops empfehlen). Vielleicht würden Sie dann nur notieren können, dass Sie damit gar nicht begonnen, sondern einfach bis hierhin weitergelesen haben (was wohl die meisten tun werden). Sie müssten dann einen Strich in einer Liste machen, in der Sie sonst zählen (1 + 1 + 1 …) und jeder Notiz auf einem Zahlenstrahl, der n-Achse, eine entsprechende Zahl zuordnen könnten (n, 2n, 3n …).
Und auch das ist gut so, denn nun (Switch!) sind wir eigentlich erst so unterwegs, dass es sich lohnt, anschließend davon zu erzählen.

(Basis-) Übungsaufgabe I-1 b): Blicken Sie zurück (oder hinab: wie Sie wollen) auf sich selbst in der vorigen Übung! Sehen Sie sich selbst zu, wenn Sie diese erste Übung machen (oder verweigern)! Wo sind Sie gerade? Warum tun Sie das – oder lassen es (und warum)? Kennen Sie sich in solchen Situationen? Wie bewerten Sie sie – und was folgt daraus?
In beiden Übungsvarianten blickt ein Beobachter auf eine Welt hinab, in der etwas von derselben Art immer weiterläuft. Aber was sich dort zählen und welche Zählung sich abbrechen (oder verweigern) ließe, hat sich kategorial verändert. Und verändert hat sich nicht nur die Position, sondern auch die Konstellation denkbarer Beobachter; verändert haben sich selbst die Regeln, die sie dafür jeweils aufstellen könnten. Das sehen Sie bei der nächsten Übung, bei der dann noch einmal etwas ganz anders Neues in den Blick kommt:

Übungsaufgabe I-2: (Switch!) Blicken Sie jetzt (und vielleicht dann später noch einmal) auf das, was wir hier gemeinsam tun – oder was wir getrennt tun, wenn Sie immer noch nicht dabei sind! Wo sind wir – oder von wo aus könnten Sie diese Frage beantworten? Was kommt jetzt in den Blick – für Sie, für mich, für uns beide?
Spätestens jetzt müssten Sie doppelt unterscheiden: Zum einen wieder nach dem trivialen Schema 1 + 1 + 1 …, mit dem sie abzählen können. Dann aber auch nach einem anderen Schema, mit dem Sie Unterscheidungsebenen dimensional unterscheiden (und zählen) könnten, auf denen Sie jeweils ihre (wie auch immer umfangreichen) Notizen eines neu sich erschließenden Bereichs zählend anordnen könnten. Die 0 steht hier (wie zuvor jener Ersetzungsstrich) für das, was sich von allem Zählbaren so unterscheidet wie die neu sich erschließende Qualität eines ganzen Bereichs von allem dort endlos Quantifizierbaren (für das dann jetzt die 1 stehen könnte). Auf einer Dimensionsachse zunehmender Komplexität (d) kann man dann statt der Null an bestimmter Position einen bestimmten Unendlichkeits- oder Dimensionswert markieren eintragen (d, 2d, 3d …), hinter der sich dann wieder endlos zählen oder erzählen ließe.

Im Heft könnten Sie Beobachtungen, Selbstreflexionen und Supervisionserfahrungen mit jeweils einer anderen Farbe kennzeichnen und diese so trotz ihrer Bezogenheit sowohl voneinander unterscheiden, als auch jeweils in sich zusammenhängend lesen. Was aber hat Ihre jeweiligen Berichte gekennzeichnet, was würde einen Abschlussbericht kennzeichnen oder gar ein Verständnis Ihrer Ausbildung als einer – möglicherweise prägenden – biografischen Episode? Zunächst einmal, dass in einer neuen Dimension plötzlich eine kohärente neue Erzählgestalt hervortritt mit noch unbekannten internen Eigenschaften, denen im Zeit- oder Prozessablauf auf einer dritten Achse ein (vorläufig ‚imaginärer‘) i-Wert zugeordnet werden kann (i, 2i, 3i …).
Alle messbaren i-Werte einer Erzählung auf dieser Achse beziehen sich auf ein konsistentes Narrativ. Aber sie könnten sich sowohl auf deren Anfang und auf deren Ende als auch auf eine Erzähl-Episode beziehen, der die jeweilige Messung gilt. Sie beziehen sich dabei sowohl auf eine bestimmte Erzählentscheidung wie auf ein bestimmtes Erzählereignis, sei es in der Wahrnehmung des Erzählenden oder in der Rezipienten. (So wie Sie berichten würden, wenn Sie das Lerntagebuch am Ausbildungsende in einem eigenen Bericht zusammenfassen oder wenn Sie Buch und Tagebuch beiseitelegen, um in Ihrer eigenen Geschichte eine neue Episode einzuleiten oder gar ein neues Kapitel aufschlagen zu können.) In diesem Erzählten selbst aber müsste wiederum ganz anders gezählt und von ihm müsste anders erzählt werden. Ein aktualisiertes Narrativ hat immer schon begonnen, ist immer durch aufeinander bezogene Anfänge und Schlüsse gekennzeichnet und daher auf allen seinen Ebenen fraktal organisiert.
‚Gezählt‘ wird ein kohärentes Ganzes, dessen Konsistenz durch digitale Entscheidungen: Wiederholen oder Kopieren, Ein- oder Ausschluss, Reihung oder Ebenenwechsel und damit durch hierarchische Zuordnung gesichert ist (1, 1.1, 1.1.1 … beziehungsweise i, i.i, i.i.i …).10 Dieses nichttriviale Verhältnis von 0 und 1, das überraschende Erscheinen sich plötzlich schließender (intern konsistenter, extern kohärenter) Gestalten auf einer resultierenden vierten (e-) Achse im dreidimensionalen Raum, nennen wir Emergenz . Auf dieser Achse könnte wiederum anders gezählt und unterscheiden werden (e, 1e, 2e …).

Dadurch wird Qualität als dimensionierte Komplexität, Quantifizierbares durch die punktuell messbare Funktionalität gegenseitiger Abhängigkeitsverhältnisse und verstrichene Zeit als Ereignisfolge neuer Anfänge (und konsistenter Abschlüsse) skalierbar.
- Auf der waagerechten n-Achse stellen sich einem Beobachter nach punktuellen Messungen auf ein und derselben Ebene die externe GESTALTFUNKTION als syntagmatisch normiert (orientiert) und skalierbar dar.
- Auf der senkrechten d-Achse selbst ist dann angeordnet, was sich einem Beobachter über Ebenen hinweg durch fraktale GESTALTÄHNLICHKEIT als paradigmatisch normierend (orientierend) erschließt und nur dimensional darstellbar ist.
- Als erste Resultante wird dann auf der i-(Kohärenz-) Achse die Emergenz neuer Netzgestalten als Ereignis beobachtbar, das die Beobachtung externer GESTALTVERNETZUNG zwischen Komplexitätsebenen ermöglicht (wo­durch sich in komplexeren Systemen neue Funktionalitäten erschließen).
- Als zweite Resultante zeigt sich dann auf der Emergenz- (Konsistenz-) Achse (e), dass das Gesamtmodell die Komplexität und Funktionalität neuer Netzgestalten in einem Netzereignis abbildet, in dem sich ein Netzpotenzial aktualisiert und durch den sich der Gesamtzustand des Systems verändert. Ein Beobachter (seiner selbst) schreibt diesem Ergebnis die Realisierung eines Potenziale erschließenden vorlaufenden Vernetzungs­entschlusses zu, in dem sich ein Muster durch stabilisierende Rückkopplung intern gestaltbildend reproduziert.

Abbildung I- 1: Digitalität und Emergenz

Durch die Unterscheidung zwischen Netzprozessen und Netzgestalten, die einen Unterschied machen und Netzprozessen und Netzgestalten, die keinen Unterschied machen, entsteht so innerhalb des uns vorgegebenen Weltbildes ein Rahmen möglicher realer Welten.

Noch ehe wir wissen oder auch nur darüber nachgedacht haben, was oder wohin wir wollen, können, ja müssen wir uns in diesem System orientieren. Es ist uns vorgegeben – allerdings in einer Weise, die wir gerade erst zu verstehen beginnen. Aber wie komplex diese jeweiligen Gestalten auch sind und wo immer sie in einem Prozess in Erscheinung treten – offensichtlich kann man sich selbst und andere in dieser Netzwelt mithilfe eines digitalen Schemas von 0 und 1 orientieren, das diese Gestalten als Muster im Kontext abbildet: so wie das auch unser Gehirn tut. An oder Aus, Entscheidungs- oder Entstehungsereignis, potenzieller Knoten oder realisierte Verbindung, interne oder externe Vernetzung, Netzgestalt oder Netzgrenze, dieser oder jener Ebene zuzuordnen, Original, Kopie oder Muster: so lassen sich ganze Welten digital abbilden – und benennen.

- Digitalität als Welten-Sprache

Digitalität verbindet Disruption und Emergenz. Sie verbindet auch Bezeichnendes und Bezeichnetes, indem sie beide unterscheidbar macht. „Triff eine Unterscheidung!“ - jene digitale Grundoperation, ist auch die Grundvoraussetzung von Benennungen. Vor dem Hintergrund universaler Vernetzungsmöglichkeiten trennt sie innen und außen so, dass die Innenseite zum Bedeutungsträger markierter Ereignisse und Gestalten werden kann. Hier und Da, Ja und Nein gewinnen Bedeutung. Selbst- und Weltbild konkretisieren sich, indem ein namenloses Begehren zu einem bestimmten Wunsch wird, eine Hypothese sich beweisen lässt oder verworfen werden muss, ein Projekt gelingt oder scheitert.

Im Aufbau möglicher Welten und in der Möglichkeit, sich auch in ihnen zu orientieren, erweist sich die Macht von Regeln, die über Digitalisierungen operieren. Zeichen- und Systemtheoretiker waren und sind fasziniert von der Eleganz und Stringenz, mit der sich (nach einer Anfangsentscheidung, die im Rücken gefallen ist) mit einigen Axiomen und einer rekursiven Funktion die Entstehung beliebig komplexer Welten durch Zeichen algorithmisch rekonstruieren lässt, durch eine bestimmte Sprache. Etwa so:

- Unterscheide System und Umwelt (und benenne das System)!
- Unterscheide Systemkontakte und Umweltkontakte!
- Unterscheide (und benenne) diese Unterscheidungen, bis du wieder System und Umwelt unterscheidest (und das System neu benennst, um neu unterscheiden zu können)!
Digitalität und Regelhaftigkeit gelten in allen denkbaren Welten, in der alte und neue, notwendige und mögliche Konstellationen neben-, hinter und übereinander angeordnet sind. Die digitale Verzweigungslogik erweitert sich dabei zu einer universalen Semantik. Ihr erster Bestandteil ist eine Topologie, bei der Raum und Zeit noch ineinander liegen.
Mit einer aktuellen Weltkonstellation im Rücken und einer möglichen vor Augen unterscheiden wir zunächst (digital!) zwischen Zentrum und Rand unseres Interesses und bei den Zuständen, die wir wahrnehmen, zwischen alt und neu sowie zwischen ideal und real. Und da sich aus alten Regeln neue ableiten lassen, nach denen Vorzugskriterien auch für Entscheidungen nach der Ur­unterscheidung gelten, können, ja müssen wir uns in denkbar möglichen Welten entlang von prinzipiell skalierbaren Achsen orientieren, Wertachsen (Axiologien) eingeschlossen.

Abbildung I- 2: Orientierung in möglichen Welten

Abbildung I- 2 11

Denn jene Regeln und diese Topologie entfalten sich in iterativen (geschlossenen) Benennungsprozessen narrativ. Die wiederholte Anwendung der Vorzugsregel auf Ja-Nein-Entscheidungen genügt, um in einer Rückkopplungsschleife jeweils den gesamten Raum des logisch Möglichen zu erfassen. Nachdem ein bestimmter Anfang gesetzt ist, wiederholt sich der Rücklauf so lange, bis er auf eine höhere Stufe springt – oder zurückspringt zum Anfang und zum Stillstand kommt. Erst als Narrative wirken Musterkonstellationen gestaltbildend und funktionieren systemisch.
In einem logischen Hexagon, das alle Beziehungsmöglichkeiten ausschöpft, treten dabei in einer festen Phasenfolge stabile Funktionsträger (Aktanten) hervor, die durch bestimmte Eigenschaften charakterisiert sind, und die Prozessergebnisse stehen in einem fraktalen Verhältnis zueinander. Unsere Innovationsformel integriert Struktur und Ergebnis dieser narrativen Prozesse, sodass ich diesen Aspekt universaler Semantik, der App-Darstellung vorgreifend, in folgender Anordnung und Beispiel-Besetzung wiedergeben kann:

Abbildung I- 3: Das ‚Zauberblatt‘ (integriertes Narrativ-Modell in der Aktanten-Zaubermärchen-Besetzung; Nethöfel nach Greimas/ Lévi-Strauss)

Abbildung I- 3 12

Nachdem in dieser Ausgangskonstellation das Subjekt sein Objekt begehrt, beginnt eine Transformationskette, in der eine Ausgangsbeziehung (Subjekt- Opponent : Objekt-Adressat) narrativ durch eine abgeleitete Beziehung ‚ersetzt‘ wird (Opponent-Adressat : Adjuvant-Adressant). Sie kommt erst zum Stillstand, wenn die Erzählung (als Subjekt einer möglichen neuen Erzählung) einen Ausdruck erzeugt hat, in dem die Verneinung der ursprünglich charakteristischen Subjekt-Eigenschaft einen Adjuvanten charakterisiert, für den die ursprüngliche Adressanten-Eigenschaft personkonstitutiv ist. Als App-Formel:

Fx (a) : Fy (b) ≙ Fx (b) : Fa-1 (y)

Und als Fazit der Beispiel-Erzählung: Prinz sein (oder: König werden) erweist sich als ganz andere Möglichkeit des Schweinehirten.

Wir sehen also: Die Digitalisierungserscheinungen der digitalen Transformation verweisen zurück auf die digitale Grundstruktur einer mächtigen formalen Sprache, die selbst noch die Überlagerung und die Transformation ganzer Weltbilder erfassen und davon erzählen könnte – wenn eine entsprechende Unterscheidung gemacht, eine Entscheidung getroffen und ein Anfang gesetzt ist. Und dieser Anfang liegt bereits hinter uns. Im Rückblick erscheint der linguistic turn um 1900 als Auslöser und Treiber einer Weltbild-Wende. So wie die Sprache am Anfang der Kulturentwicklung der Menschheit stand und wie die Erfindung der Schrift und des Buchdrucks jeweils für den Anfang einer neuen Epoche standen, so steht die IuK-Technik als Epochen-Leitmedium für unser neues Zeitalter.
Die Umorientierung orientierender Diskurse zur Sprache als Regelsystem von Sprachzeichen: die digitale Unterscheidung und Zuordnung von Bezeichnendem (Signifikant) und Bezeichnetem (Signifikat) lässt ‚System‘ zum Leitbegriff und elektronische Vernetzung zum Strukturaspekt unseres Weltbildes werden. In ihm lässt sich die Differenz zwischen Faktum und Bedeutung nicht mehr wie bisher durch getrennte Erkenntnis- und Orientierungsprozesse im Bereich der Natur- und Geisteswissenschaften verarbeiten, wie in der hinter uns liegenden Neuzeit, weil Wissen nur noch vor dem Hintergrund weltweit vernetzter Digitalisierung gespeichert und aktualisiert werden kann. Die neuen Möglichkeiten kollektives Wissen zu speichern und zu reproduzieren stehen auch jetzt für ein neues Weltbild, das alle vorangegangen Weltbilder überlagert und Neuorientierungen unausweichlich macht.
In den beiden voraufgegangenen Bänden habe ich auf historisch sich wandelnde gesellschaftliche und kulturelle Herausforderungen hingewiesen, die mit sich vollziehenden ‚tiefen‘ Transformationen an Epochenwenden verbunden sind: Religiöses hat sich nur scheinbar erledigt, ökologische Fragen sind neu hinzugekommen. Und solche Inhalte von Entscheidungs- und Neuorientierungsprozessen werden auch im Kontext dieses praxisorientierten Abschlussbandes wieder zum Thema werden, in dem die IuK-Technik als epochales Leitmedium überall vorausgesetzt ist. Im Kontext dieser Einleitung stehen allerdings aus ebenfalls praktischen Gründen strukturelle und formale Implikationen solcher Wendegeschichten im Vordergrund, um rasch in die Konzeption dieses Buches, in seine Gliederung und seinen Aufbau einzuführen.

Dass alle Weltbilder gemeinsame Eigenschaften haben, dass sie nicht nur sprachlich vorerschlossen sind, sondern ganz aus Sprache bestehen: Sprachwelten aus Sprachzeichen sind – das weist zurück auf die Grundlagen unseres eigenen Weltbildes nach dem linguistic turn. Jene ‚hinkende‘ Doppelunterscheidung entspricht genau dem paradigmatischen Stellenwert, den sie nicht nur bei Charles Peirce, Kurt Gödel und Ludwig Wittgenstein hatte, sondern auch bei Niklas Luhmann und bei dessen Gewährsmann George Spencer-Brown. „Triff eine Unterscheidung“, heißt es dort, um Anfang und Fortgang gleichermaßen zu qualifizieren: wie am Anfang der Bibel und anderen überlieferten Urerzählungen.
Nach dieser Wende hin zur Sprache als Zeichensystem, die sich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts vollzogen hat und mit der die Neuzeit zu Ende ging, müssen wir allerdings auch überall mit blinden Flecken rechnen, wenn wir versuchen, uns in einem digitalen Zeitalter zurechtzufinden. Beim späten Martin Heidegger ist jene mal vordergründig, mal hintergründig wirkende Anfangsspannung festgehalten durch die Gegenüberstellung (die eigentlich ebenfalls eine Erzählung ist) von ‚Sein selbst‘ und (Sprach-) ‚Ereignis‘ (in das hinein sich das Sein ‚lichtet‘). Heidegger thematisiert jenes ‚Sein‘ in einer Übergangszeit zwischen zwei Weltbildern allerdings so, dass er in das entsprechende Ereignis (A) nicht nur die Benennungspotenziale der Sprache hineinprojiziert, sondern auch das damals bereits sich abzeichnende nachneuzeitliche Weltbild.
In ihm sind Raum, Zeit und Kausalität in einer jeglichem Ereignis notwendige Bedingungen setzender Weise miteinander verbunden. Diese Ereignisse sind Bausteine als Elemente einer evolutionär sich entfaltenden vernetzten Topologie. Zugleich aber erscheinen sie als sprachlich bestimmte Weltbild-Bausteine.
Jeder Netzbaustein vor uns erweist sich dann als ein sich in Raum und Zeit verschiebender, aber als Konstellation stabiler Schnittpunkt eines Doppelkegels, in dem sich das, was immer war und immer sein wird (das Sein selbst), immer wieder neu aktualisiert: als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines bestimmten Welt-Ereignispunktes (A).

Abbildung I- 4: Netzbaustein als Welt-Ereignispunkt A

Das kennzeichnet unsere gegenwärtige Entscheidungssituation und wirft ein Licht auf Ihre Möglichkeiten, einen neuen Anfang zu setzen. Beiläufig haben Sie jetzt auch schon gelernt, wie App und Formel dabei funktionieren, auf deren Orientierungs- und Veränderungspotenzial ich weiterhin vertraue. Lassen Sie uns gemeinsam aufbrechen in die Gegenwart, in der unser Weltbild bestimmt ist durch Digitalisierung: als digitale Transformation …

2. … im Epochenzusammenhang.

Der wiederholte Blick über die Schultern unserer eigenen digitalen Gesellschaft ließ uns Umrisse und Strukturen einer bestimmten von vielen möglichen Welten erkennen. Er wird uns schnell auf die Spitze einer Evolutionsspirale versetzen und zugleich immer tiefer hineinblicken lassen in vernetzte Bezüge, die uns von allen Seiten umgeben: Paradoxien, von denen auch unser systemisches Weltbild nicht frei ist. Wir können sie nicht leugnen, aber auch in dieser Welt können wir uns orientieren und Wege erkunden, die uns und andere in ein gutes Leben und schließlich hinaus ins Freie führen. Die Zauberformel, die als Zauberblatt auch mögliche Welten mit Gestalten und Ereignissen füllen würde, wird uns als Zauberwürfel begleiten und sich dann in unserer Welt mehrfach als Sonde bewähren.
Die durchgehende Assoziierbarkeit mit bildgebenden Verfahren, mit denen Digitalität ins Medizinwesen Einzug hielt, ist kein Zufall. Genau im Kegelschnittpunkt zwischen Potenzialität und Aktualität, dort wo auch im Modell die resultierenden i- und e-Achsen auseinandertreten,13 treten Eigenschaften und Anwendungspotenziale Tiefer Innovation hervor, die uns immer wieder zurückführen werden zum Epochenprinzip digitaler Vernetzung. Mit Hilfe jener Sondenanwendungen betrachte ich im Folgendem zunächst die evolutionär bedingte tiefe Einbettung alles Digitalen in unserer Epoche. Ihr digitaler Pulsschlag lässt uns tiefe Vernetzung als tiefe Verstrickung empfinden. Aber wenn wir in einem Raum wirklicher Möglichkeiten voller schlafender Netzbausteine und ungenutzter Kulissen erwachen, erfahren wir, dass Innovation zwischen Kreativität und Schöpfung als ‚Tiefe Innovation‘ die Grundsituation innovatorischen Handelns im Epochenzusammenhang erhellt. Wenn Sie das Zeichen geben, hebt sich der Vorhang und die Avatare erwachen in unserer Welt: im digitalen Zeitalter. Es geht gemeinsam hinaus ins Freie!

- Tiefe Vernetzung als tiefe Verstrickung

Genetik und Systembiologie führen uns vor Augen, wie tief Informations- und Zeichenaustausch nicht nur in der Physik und in der sozialen Welt verankert sind. Sie erschließen die Evolution unseres Kosmos im Ganzen. Was wir als Innovation wahrnehmen, erfahren und gestalten können, ist eingebettet in ein Universum, in dem – gegen den Entropiestrom – unausgesetzt Neues emergiert. Zeichen vollziehen immer wieder jene eigentümlich hinkende Grundunterscheidung nach, die am Anfang von allem und jedem steht, das wir als Welt und in der Welt so erleben, dass wir es benennen und reflektieren können. So wie ein Schöpfer „am Anfang“ aus dem ununterscheidbaren und noch nicht unterschiedenen Chaos „Himmel und Erde (erschuf)“ und programmatisch benannte, dann weiter unterschied und neu benannte14, so unterscheiden wir zunächst einen Weltausschnitt von allem anderen und darin dann dieses von jenem, indem wir es für uns und andere benennen. Schließlich können wir sogar den (Meta-) Bereich sprachfähiger Beobachterinnen und Beobachter von jenem (Objekt-) Bereich unterscheiden, auf den wir und andere sprachliche Unterscheidungen anwenden.
Jene Urunterscheidung aber haben wir immer schon vollzogen, weil wir das, was wir nach unserer Geburt geworden waren, von Anfang an von unserer Umwelt unterscheiden mussten, um das zu bekommen, was wir zum Leben brauchen – noch ehe wir es benennen konnten.15 Wir sind schon als Gattungswesen Zeichen reproduzierende, wie sich zeigen wird: erzählende Tiere. Aber wir sind Mängelwesen, die ebenso nach Schutz und Nahrung wie nach Orientierung suchen, sobald sie erwacht sind und die Augen aufschlagen. Und dieses Erwachen ist unausweichlich, denn ein Anfang ist immer schon gesetzt, störendes Neues ereignet sich immer wieder in einem Universum, das offenbar einen gerichteten Ablauf hat und in dem stets ein Echo jenes gesetzten Anfangs nachzuhallen scheint: im tiefen Grundrhythmus der singulären Primzahlenfolge, der gedachte, mögliche und reale Welten durchpulst.
Unsere Zeichen reproduzierende Gattung verständigt sich auf der Grundlage einer universalen Semantik. Aber jeder Name, jeder neue Ausdruck, der nach unserem ersten Schrei ertönt, verdankt sich einer Störung vor dem Hintergrund geregelter Ordnung. Quer zu all dem gleichförmigen Neben- und Übereinander abstrakter Verknüpfungsmöglichkeiten lauern in allen Welten, lauern auch in unserer Welt an den Rändern des Abzähl- und Benennbaren stets Unterbrechungen und Störungen. Am Anfang und am Ende und zwischen digitalen Alternativen können sich überall Abgründe auftun – und sie lassen uns stets aufs Neue unsere tiefe Verstrickung ins Vorhandene spüren. Hinter der nächsten Kurve des neu Benannten ist Unvorhergesehenes fast erwartbar. Und es macht die Sache nicht einfacher, dass sich selbst zu exotischen mathematischen Konstruktionen physikalische wie soziale Entsprechungen finden lassen. Das gilt sowohl für die Paradoxien der Mengenlehre und des Unendlichen ‚drinnen‘ als auch für die unwahrscheinlichen Anfangsbedingungen ‚draußen‘, die offensichtlich gegeben sein mussten, um jene überkomplexen Zustände unseres sozialen Umfeldes und unserer natürlichen Umwelt zu generieren, von denen wir heute auszugehen haben. Ohne jene Störungen an allen Anfängen gäbe es weder das Vorhandene, das uns bedrängt, noch das Andere und Neue, das uns erlösen, wenigstens aus alltäglichen Verstrickungen befreien könnte.
Wir müssen nur den richtigen Knoten berühren, um uns sofort neu orientieren und sofort anfangen zu können.

Alle Innenseiten unserer vom Bedürfnis durchströmten Systemgrenzen können zum Bedeutungsträger eines damit bezeichneten Objekts ‚draußen‘ werden. Dann entscheidet sich, ob wir diese wiederum digitale Zeichenkonstellation von Signifikant und Signifikat intern kopieren, um unsere Wahrnehmung zu stabilisieren und zu differenzieren, oder ob wir sie als Kopie nach draußen senden: mit dem Rückmelderisiko, diesmal korrigiert und abgewiesen zu werden – aber auch mit der Chance, uns nach jenem schmerzhaften Erwachen dauerhaft aus unserer Zwangslage zu befreien, uns anders vernetzen und neu orientieren zu können, um so den Gültigkeitsbereich unserer neuen Wahrnehmungen und Erfahrungen zu erweitern.
Für Menschen, die Neues im Sinn haben, sind solche Zusammenhänge deshalb wichtig, weil wir als kommunizierende Körperwesen auf der Schnittlinie eines Doppelkegels existieren und dort stets zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit, notwendigen und hinreichenden Bedingungen vermitteln. Was wir und andere in unserer kleinen Welt tun und beobachten, ist zwar immer schon vorab sprachlich erschlossen. Aber wie wir gesehen haben so, dass in allen denkbaren Welten Ereigniszusammenhänge als Sprachzusammenhänge erscheinen und auf allen Beobachtungsebenen Aktionen zu Sprachhandlungen werden. Was wir und andere wollen, lässt daher unsere Körperoberflächen zu Sendern und Empfängern von Zeichen werden, die kommunikative Potenziale aktivieren oder blockieren, und das scheint zurückzuweisen bis hinein in die zeichenhafte Urverfassung unserer Welt und dort verankert zu sein. In einer gegen den Entropiestrahl schöpferisch expandierenden Welt setzen wir so oder so wirksame Zeichen.

Sie blicken auf etwas, und sie könnten auch auf etwas anderes blicken. Aber Sie sind erwacht, und Digitalität ist Ihnen in unserer, Ihrer Welt anschaulich geworden durch Haarrisse an den Rändern von allem, worauf Sie blicken. Es erschließt sich Ihnen als etwas, das in Ihrer Welt benannt oder doch benennbar ist, das sich aber auch anders erschließen könnte – und Sie könnten sich immer noch in dieser Welt orientieren. Ich lade Sie ein, sich dabei auf Modelle einzulassen, in denen sich die Innovationsformel als vom Zauberblatt in einen Zauberwürfel transformiert hat und Evolutionsspiralen als Stufenpyramiden durchsichtig macht. Dabei handelt es sich durchgängig um Versuche, eine Grundorientierung in einer sonst permanent verwirrenden Welt zu finden, die durchgängig vernetzt, sich unausgesetzt verändert und mit der wir durch rückgekoppelte, sich überlagernde Prozesse verbunden sind. Vor allem aber geht es dabei um Abkürzungen auf dem Weg zu praktischen Resultaten und unterwegs auch um die Herleitung von Tools, die sich bewährt haben. Auf deren ausführlicheren Begründungskontext und auf in den vorangegangenen Bänden werde ich hier und da verweisen.

Ob jener Ereignispunkt, der im Modell gleich berührt wird, überhaupt existiert, ob er entdeckt oder konstruiert wird, hängt von der Unterscheidung ab, die dem Modell zu Grunde liegt. Deren besondere Digitalität wird durch den Würfel wiedergegeben, der ihn dann im Modell umgeben wird – während sich ‚in Wirklichkeit‘ ein Ereignisfeld spontan in alle Richtungen, also eher kugelförmig ausbreiten würde. Diese Abstraktionslinie setzt sich dann fort, wenn jener evolvierende Prozesszusammenhang in einem nächsten Modellierungsschritt durch einen weiteren einem dimensionalen Schnitt als Spirale und schließlich als Pyramide dargestellt wird, in deren Schichten und Kammern wir uns hineinzoomen.

Jene Anfangsunterscheidung wirkt sich auf alle Benennungen aus, die uns unterwegs begegnen. Und wir verstellen stets erneut den blinden Fleck in unserem eigenen Rücken: egal ob wir alle Pyramidenstufen überblicken und benennen oder ob wir immer tiefer in eine ihrer Kammern eindringen, bis wir wieder vor einer jener vernetzten Ereigniskugeln stehen, die wir dann sogar wie von innen betrachten werden. Der Zauberwürfel erzeugt dabei eine bestimmte Pyramide von sich überlagernden Wissenschaftsgebieten, die man mit guten Gründen auch anders auflisten und nebeneinander darstellen kann: als eigene Anfangsunterscheidungen prozessierende gesellschaftliche Funktionssysteme.16 Aber in unserem Anwendungsfall: der Selbstfindung durch Selbstwirksamkeit am Anfang des digitalen Zeitalters, wird sichtbar, dass diese Bereiche in einer sehr bestimmten Weise aufeinander einwirken und dass sich vor diesem Hintergrund die desorientierende Verwendung überkommener Begriffe in unterschiedlichen Vernetzungskonstellationen besonders schnell erkennen und benennen lässt.
Das lässt sich meiner Meinung auch dann noch unterwegs auf seine Plausibilität ebenso wie auf seine Wirksamkeit überprüfen, wenn man sich auf mein Epochenwandel-Narrativ einlässt, sich wie vom Klang einer Zauberflöte verführen lässt und, wie in Trance und neugierig auf die versprochenen ‚Wunderdinge‘ der Folge der Modellbilder eine Zeitlang wie in einem Film folgt. Die Anwendung des Zauberwürfels dürfen Sie sich dabei so vorstellen, dass er wenig von seinen Möglichkeiten erkennen lässt, wenn er einfach irgendwo herumliegt. Er wirkt dann in seiner Weise, indem er in Vergessenheit gerät. Sobald Sie ihn aber dann mit irgendeiner, sei es auch noch so vagen Absicht aufnehmen und anwenden wollen, spüren Sie, dass sich in seinem Innern jener Transformationsalgorithmus, den die Formel wiedergibt, leise vibrierend in Bewegung setzt und unausgesetzt auf alles einwirkt, mit dem sie ihn in Berührung bringen: wie und so Sie ihn auch ansetzen. Er funktioniert dann als Sonde.
Das, worauf Ihr Auge fällt, wird Ihnen nun als sichtbare Spitze einer erahnbaren Pyramide von Alternativen erscheinen: als bestimmbarer Netzknoten, der zum Ansatzpunkt (A) real möglicher anderer Verknüpfungen und nicht beliebiger neuer Benennungen werden könnte. So wird er zum Netzbaustein potenzieller Veränderungen in Ihrer, unserer Welt. Sie werden einen neuen Anfang setzen, wenn Sie ihn berühren.

Abbildung I- 5: Netzbaustein als Ansatz von Vernetzungs- und Bezeichnungsmöglichkeiten

Was aber geschieht, wenn Sie sich nun doch inmitten unserer fest vernetzten Wirklichkeit auf einen dieser nun sichtbar gewordenen Netzknoten so zubewegen, als ob sich gerade dort ein wirklicher Weg hinaus abzeichnet? – Sie erinnern sich? Tatsächlich eröffnet sich mit dieser Entscheidung und mit ihren wirklich möglichen Folgen eine neue Perspektive, in der Sie sich neu und anders: vertieft orientieren können. Links Zur linken Seite hin öffnen sich vergangene, zur rechten zukünftige Alternativketten von Entscheidungen, die Sie hier hätten treffen können oder die Sie noch treffen könnten. Und vor wie hinter Ihnen erstrecken sich mit dem Netzereignis, das Sie ausgelöst haben, die Ereignishorizonte jener Entscheidungen, die sich Ihnen oder anderen so erschlossen hätten oder noch erschließen könnten.
Wenn Sie auf unserer Weltbühne die Rolle des Innovators einnehmen werden und dann durchhalten, stören Sie einen Potenzialraum in seinem (wie immer chaotischen) Gleichgewicht. Sie aktualisieren seine Potenziale. Was Sie jetzt noch vage als Gestaltumriss eines beliebigen und nahezu beliebig kombinierbaren Netzbausteins wahrnehmen, würden Sie unter einem Prozessaspekt genauer kennenlernen. Sie würden dann erfahren, wo sich rückgekoppelte alte Bindungen entkoppelt, starke Bindungen bewährt und neue, anschlussfähige schwache Bindungen neu herausgebildet haben.
Und von jedem sich in diesem Raum abzeichnenden Zentrum her wird sich dann bei allem, was dort aktualisiert werden wird, wieder von den Rändern her ergeben, ob und gegebenenfalls wie sich die topologisch vorgegebene Spannung zwischen real und ideal, gegeben und neu für Sie wir für jeden anderen Beobachter realer Welten beurteilend konkretisieren wird: als Skalierung zwischen den Polen Autonomie und Partizipation, Dauer und Wandel.
Der digitale ‚Strom‘, der jetzt bereits fließt oder nicht, wird sich später stets auf eine einzigartige Konstellation innerhalb einer durch ihren konkreten Verlauf bestimmten algorithmischen Transformation beziehen. Aber bereits jetzt ist durch jenen Rahmen und durch die Regel-Regeln dieser Abfolge jedem denkbaren Ergebnis sowohl ein unverwechselbarer Platz als auch die Leerstelle für einen spezifischen Inhalt zugesichert. Mit zunehmender Komplexität und erweiterter Funktionalität, die auf den Achsen jenes Rahmens abgetragen werden, werden auch die Konsistenz-Anforderungen messbar steigen. Und nicht nur diese.

Abbildung I- 6: Orientierungspotenzial des aktualisierten Netzbausteins A (‚Zauberwürfel‘)

Das Netz, das Sie und Ihre Mitspielenden umgibt, wird zunächst zum Resonanzraum, in dem Ihr Blick und Ihre Stimme: Ihre Intention das Potenzial vernetzter Weltbausteine aktualisieren wird, und das erzeugt schon vor dem eigentlichen Beginn Rückkopplungen, die im immer schon Vorgegebenen eine Anfangs- und Rahmenorientierung ermöglichen, von der Sie dann ausgehen können.

Übungsaufgabe I-3: Switch nutzt in unserem Zeitalter Digitalisierung als tief dringendes ‚Ping‘. Vorerst geschieht das für Sie noch wie hinter der Bühne. Und es funktioniert noch nicht als Lenkradar oder wie eine Filmkamera, die ein wirkliches Geschehen erfasst – aber immerhin vielleicht schon als Echolot, das Unbekanntes im Umriss erkundet.
Aber vorerst geht es um Konzentration, und um Geduld beim Ausprobieren Ihrer Werkzeuge. Je regelmäßiger und unaufgeregter jenes ‚Ping‘, ‚Ping‘ ist, das Sie aussenden, umso sicherer verankern Sie Ihre Position in dem, was (noch) ist, wie es ist, inmitten von all dem, was noch werden kann.

Wiederholen Sie die Ausgangsübung!

- Ein Raum wirklicher Möglichkeiten

In unserem Zeitalter bewegen Sie sich immer schon in einem Orientierungs- und Potenzialraum, in dem jede vorgegebene Vernet­zungsmöglichkeit jene ‚Stärke schwacher Bindungen‘ bezeugt, auf die der Vernetzungsguru Mark Granovetter fast erstaunt hingewiesen hatte.17 Wir betrachten so aber in jedem Fall Vernetzung als Epochenmatrix, und das ist wichtig, um gerade zu Beginn unserer noch jungen Epoche Verdrängungsversuche abzuwehren und Fluchtreflexe zurück in die vergangene Neuzeit leerlaufen zu lassen.
Allerdings nur innerhalb jener Großen Erzählung, die epochal gesetzt ist und die sich von den in unserem Weltbild überlagerten Epochenthemen wie dem vorneuzeitlichen Transzendenzbezug oder der neuzeitlichen Frage nach dem Sinn des faktisch Vorgegebenen und empirisch Überprüfbaren unterscheidet. Wir beziehen uns darauf, sobald wir mit anderen kommunizieren: selbst wenn wir die Grundzüge dieses neuen Weltbildes verdrängen, und gerade dann, wenn wir seinen Grundannahmen widersprechen. Denn dann erzeugen wir beim Blick nach vorn eine Weltbildvariante mit kopierten blinden Flecken, während wir im andern Fall beim Blick erkennen und benennen können, was in den hinter uns liegenden Epochen (einschließlich der Neuzeit) in der jeweiligen Innenperspektive verstellt war. Gerade diese privilegierte Beobachterposition sollte auch Skeptiker wenigstens davon überzeugen, dass überhaupt ein Weltbildwandel stattgefunden hat.
Aber es geht um mehr: Als epochaler Inbegriff notwendiger Beziehungen ist Vernetzung immer mehr als bloße Verdrahtung. Jeder für uns denkbare Systemzustand wird sich zwar immer auch als Vernetzungszustand rekonstruieren lassen. Aber unter einem dynamischen Aspekt zeichnet sich vor diesem Hintergrund immer auch ab, was in einer bestimmten Ausgangskonstellation unter bestimmten Bedingungen aktuell konstruierbar ist: in Potenzialraum jener systemischen Folgen, die später eintreten könnten. Zwar wird durch unsere vorgegebene systemische Eingebundenheit und durch unsere anhaltende systemische Abhängigkeit nur jene Grundresonanz, ein Rauschen erzeugt, das alle immer schon verbindet, die in unserer Welt miteinander kommunizieren. Wenn aber dadurch dann aus notwendigen hinreichende Bedingungen werden und Potenziale sich aktualisieren, wird das stets Folgen haben – erwünschte wie unerwünschte. Die Wertmotive für Unterscheidungen sind ebenfalls auf allen Stufen digital – und verweisen unter einem Doppelaspekt immer auch auf das Ganze der jeweiligen Konstellation, die wir wahrnehmen, konstruieren oder in deren Rahmen wir planen: Als hungrige oder begehrende Erdenbürger, als neugierige Zuschauer oder als unternehmungslustige Innovatoren.
Bei allem, was wir für uns und andere, allein oder gemeinsam mit anderen neu inszenieren wollen, fangen wir eben nicht bei Null an. Wir schaffen Neues, indem wir von überkomplexen Voraussetzungen und überlagerten Voreinstellungen ausgehen, die wir anfangs nur teilweise benennen und thematisieren können. Aus der (Selbst-) Beobachterposition erschließt sich so eine Leerstelle, die sich füllt, sobald die App angewendet wird. Hierfür stehen Begriffe und Konzepte aus der Zeit des sich abzeichnenden Epochenübergangs bereit, an denen wir uns vorab orientieren können: Es geht etwa um das eingangs erwähnte Nachhaltigkeitsprinzip. Wir dürfen erwarten, dass es sich bei der Anwendung agiler Verfahren und im Kontext Tiefer Innovation mitlaufend profilieren wird. Und das wird sich in besonderer Weise beim Erwachen der Avatare bezeugen: durch die spezifischen Rückmeldungen derer, mit denen sie vernetzt sind und die Sie mit Ihren Intentionen berühren – wenn es ihnen gelingt, sie erfolgreich zu irritieren. Dann zeigt sich, durch das, was Sie in Bewegung setzen, was das eigentlich ist, worauf Sie sich eingelassen haben. So lassen sich durch das Erkennen und Benennen schwach vernetzter Weltbildbausteine epochenspezifische Potenziale erschließen. – Lassen Sie uns den Entfaltungsraum dieser Möglichkeiten vorab gemeinsam erkunden.

Schon vor dem ersten Sondeneinsatz funktioniert das uns epochal vorgegebene Vernetzungsthema wie eine Reflexionswand. Sie wirft an den Natur-Kultur-Grenzen unserer Welt alle gesellschaftlichen Überlebensimpulse als Wissens- und Orientierungssignale zurück. So entsteht innerhalb dieser Grenze ein kultureller Resonanzraum, in dem die Evolution sich ihrer selbst bewusst wird. Für uns ist dadurch Natur als Umwelt, systemische Stabilität als Nachhaltigkeit nicht nur interpretierbar, sondern auch erfahrbar geworden. Innerhalb der weiterhin stabil erscheinenden Bereichsdifferenzierung Kultur vs. Natur lässt sich in diesem Rahmen die weltbildhaft vorgegebene Gegebenheit von Vernetzung überhaupt durch die Reflexion unterscheidbarer Vernetzungstatsachen abarbeiten, und überkommene Wissenszusammenhänge lassen sich von hier aus erneut in den Blick nehmen. Ich schlage daher vor, bei einer Modellbildung hier anzusetzen, jenen Rahmen ‚Matrix‘ zu nennen und die bisher thematisierten Modellansätze dort einzuordnen.

Mit dem Zauberwürfel in der Hand können wir das Geschehen, das uns umgibt und durchdringt, das auf uns einwirkt und an dem wir teilhaben, mit der professionellen Distanz eines spätneuzeitlich ausgebildeten Mediziners betrachten, der schon über die zukunftsweisenden bildgegebenden Verfahren unserer Übergangszeit verfügt und diese mit Bedacht einsetzten will. Aus dieser Perspektive betrachtet, verwandelt sich die dreidimensionale Evolutionsspirale, an deren Spitze wir zwar zur Ruhe kommen können, von der aus sich aber sich aber in alle Richtungen unendliche Denk- und Möglichkeitsräume eröffnen, in eine Stufenpyramide, die wir vor uns sehen. Deren Oberfläche lässt sich als Kulturgestalt unserer Gesellschaft beschreiben und deren Funktionen lassen sich einzeln und in ihrem Zusammenwirken überprüfen. Wir überblicken dann unsere gemeinsame Welt als ein geordnetes Gesamtsystem notwendiger, möglicher und hinreichender Vernetzungsbeziehungen. Gegen den Entropiestrom, das heißt: gegen alle Wahrscheinlichkeit haben sich im Zuge der Evolution rückkoppelnd schließende emergente Netzgestalten als Systeme wie von allein nach der Überdeterminierungslogik von Vernetzungsschichten zunehmender Komplexität organisiert.
Wir können nun den Zauberwürfel wie eine Röntgensonde verwenden. Wenn wir sie anlegen und einschalten, erzeugt sich ein zweidimensionales Schnittbild dieser Pyramide, das uns zunächst als Ruhebild die vernetzte Aufbaustruktur der Evolutionsspirale bewusst macht, in der wir uns befinden. Jede dieser Schichten thematisiert und interpretiert einen Ausgangsgegensatz und dessen Bearbeitung: was in der Folge unterschiedliche, aber niemals beliebige Zu- und Anordnungen ermöglicht.
Wenn wir die e- (GESTALTBILDUNGS-) Achse als Bildungsprinzip dieser Evolutionsspirale thematisieren (also die Sonde aktivieren), präsentieren sich die granular verfassten, fraktal aufgebauten und narrativ geschlossenen Netzgestalten als Ergebnisse der Evolutionsspirale in einer neuen Darstellungsform hierarchisch angeordnet und stufenweise: als Systeme systemisch geordnet. Ihr dynamisches Bildungsprinzip, von dem wir ausgegangen sind, ist jetzt

- einerseits durch vorgreifende Aufwärtsverbindungen zwischen diese Stufen darstellbar, die anzeigen, dass diese Netzgestalten (als Systeme) evolvieren, indem sie einander kopieren, konstituieren, sich voneinander abgrenzen und so etwas Neues konstituieren.
- Andererseits markieren rückkoppelnde Abwärtsverbindungen, dass solche Netzgestalten (als Systeme) schließlich abgegrenzte oder abgrenzbare Systeme auf der jeweils unteren Stufe reflektieren, regulieren und kontrollieren können.

Die Pyramidenstufen selbst ruhen als KULTUR-Bereiche überhaupt auf jener NATUR-Grundschicht von Vernetzungsprozessen, die sie auch von allen Seiten als Bedingungsraum ihrer notwendigen Voraussetzungen umgibt.
- Die Basis unserer Kultur ist auch in unserer Epoche das in der Neuzeit erworbene, theoretisch, methodisch und technisch bewährte Wissen der NATURWISSENSCHAFTEN geblieben: als gesellschaftlich Vernetzungswissen, das gesellschaftlich streng geregelt und intensiv vernetzt erzeugt wird.
- Es wird nach dem linguistic turn in unserer Epoche allerdings ständig überschrieben durch das neu regelnde vernetzte Wissen der INFORMATIK.

Auf den oberen Stufen setzt sich das durch die als gesellschaftliche Funktionsbereiche abgrenzbaren Wissenssysteme fort:

- SOZIOLOGIE für Bindung (als Vernetzung),
- VOLKSWIRTSCHAFT für die Koordination vernetzter Märkte,
- BETRIEBSWIRTSCHAFT für die Führung vernetzter Produktion,
- PSYCHOLOGIE für persönliche Netz-Orientierung18 - und schließlich
- PHILOSOPHIE für (Letzt-) Orientierungen in der (‚Netz‘-) ‚Matrix‘.

So zeichnet sich skizzen- und beispielhaft, aber immerhin, das systemische Weltbild vernetzten Wissens ab, das bereits zum Hintergrund unserer Weltorientierung geworden ist. Nicht nur in seiner funktionierenden Oberflächengestalt, sondern auch in einem Schnittbild: in seiner Aufbauorganisation.

Abbildung I- 7: systemisches Weltbild vernetzten Wissens (1. Sonde)

Innerhalb einer Gesamtanordnung lässt unsere erste (Röntgen-) Sonde also in unserem Digitalmodell emergenter Gestaltbildung kulturelle Wissensbereiche zunehmender Komplexität hervortreten und macht sie dadurch zunächst durchsichtig für ihre spezifische gesellschaftliche Funktionsleistung in Bezug auf die Genese und die Entfaltung dieses Wissens. Auch hier sind noch, je nach Perspektive, unterschiedliche Anordnungen möglich. Aber jede von ihnen sollte es uns als reflexhaft Kausalitätshypothesen formulierenden Beobachter ermöglichen, spezifische Überdeterminierungsverhältnisse benennen zu können (wie das bei unserer Rekonstruktion durchgängig der Fall war).
Sodann legt dieser sich wiederholende Blick nach unten nahe, sich bei einem interessanten, die Orientierung herausfordernden Ereignisfalls zunächst quasi naturwissenschaftlich auf ‚Störungen an den Rändern‘ zu konzentrieren und stets zu prüfen, ob und wie sich ein Ereignis abgrenzen, zählen und vermessen und auf stabile Eigenschaften und Funktionen überprüfen lässt. Ein so durch die kollektiv gespeicherte Erfahrung der vorangegangenen Neuzeitepoche geerdeter Blick wird dann, sobald er sich nach oben richtet, stets von dem ausgehen, was die Informatik als epochal leitende Vernetzungs- und Netzwissenschaft elektronisch speichert und durch Netzvorgaben als regelndes Wissen reproduziert oder speichern und reproduzieren könnte: als notwendige oder hinreichende Bedingung für die Reproduktion des Wissens in komplexeren Wissensbereichen.
Indem die Röntgensonde innerhalb komplexer Rückkopplungsverhältnisse Systemgrenzen und systemische Kontexte eines vernetzten Gesamtzusammenhang thematisiert, liefert sie ein grobes Schnittbild dessen, was als Zusammenhang überlebensnotwendigen Wissens im kollektiven Gedächtnis der Menschheit gespeichert ist. Es präsentiert sich nur als global vernetztes Wissen und ist nur als solches gesellschaftlich verfügbar. Ergebnis unseres ersten Sondengangs ist ein skizzenhaftes kulturelles Orientierungsbild einer vernetzten Gesellschaft, die gerade beginnt, sich ihrer epochalen Voraussetzungen und Möglichkeiten bewusst zu werden. Aber ausgehend von diesem groben Überblick lässt sich unser Erkundungsweg fortsetzen.
Unser wiederholtes Switchen hat sich als Voraussetzung für ein Schnittbild unserer vernetzten Welt erwiesen, das deren Aufbau so erkennen lässt, wie ein Röntgenbild die Strukturen unseres Körpers zeigt. Diese digitale Momentaufnahme bildet Ergebnisse des gesellschaftlichen Evolutionsprozesses ab, wie sie kulturell bewusst werden, lässt diesen selbst aber erkennbar außen vor. In einem zweiten Sondengang kann der Zauberwürfel als Magnetresonanz- (MRT-) Sonde immerhin eine Funktionsdarstellung erzeugen. Sie zeigt zunächst, dass sich diese Spirale durch evolutionär wirkende Lebensimpulse in und zwischen den Pyramidenstufen als komplexes Netzwerk weiterentwickelt.
Wir müssen in Analogie zu den bildgebenden Verfahren unserer heutigen Medizin ein Resonanzverfahren verwenden: unser Switch! durch ein Ping!, Ping! ergänzen, um zusätzlich interne Strukturen zu erkennen und schließlich zu Prozessbildern übergehen zu können. Lassen wir das Strukturbild vom Leben (‚Begehren‘) durchpulsen, zeigt der Zauberwürfel MRT-Sonde an, wo und wodurch es sich verändert. Auf dem Bildschirm erscheinen (wie frequenzmoduliert) funktionale Ableitungen. Sie zeigen, welche Vernetzungskonstellationen es sind, die dort von Veränderungsimpulsen erfasst werden. So werden die überdeterminierenden und überdeterminierten Pyramidenstufen unseres systemischen Weltbildes vernetzten Wissens durchsichtig. Als Projektion der sich dynamisch einfaltenden Evolutions- (und Erkenntnis-) spirale entsteht ein systemisches Weltbild, in dem sichtbar wird, dass Narrative als Muster in und zwischen Netzschichten neue Netzgestalten bilden: Systeme, die sich selbst netzförmig organisieren, durch Entkopplung und Neuverkopplung stufenweise auseinander hervorgehen und sich voneinander abgrenzen – bis sie dann entweder als Netzwerke in einer neuen internen Organisationsschicht aufeinander einwirken, oder diese Vernetzungsaktivitäten auf einer anderen Pyramidenstufe fortsetzen.
- Im Kulturbereich der NATURWISSENSCHAFTEN generieren Forschungsverfahren ein gesellschaftlich geregeltes Wissen, das sich (verbreitungs-) medial in wissenschaftlichen DISKURSEN präsentiert. Sie sind als Gesamtkonstellation geschichtet vernetzt und kopplungsfähig und beziehen sich durch regelbasierte (und für den vergleichenden Beobachter: enge oder weite) Vernetzungshypothesen auf orientierende Differenzen im jeweiligen Objektbereich.
- Im Bereich der INFORMATIK wird jenes naturwissenschaftlich regulierte (Vernetzungs-) Wissen technisch durch ALGORITHMEN gespeichert, die als Netz- und Vernetzungsnarrative regelnd zurückwirken. Sie wirken als epochales Basis-Funktionsmedium, weil dieses Wissen innerhalb von Netz-Systemen (i.e.S.) durch Netzwerke (i.e.S.) gespeichert, reproduziert und aktualisiert wird. Deren interne und externe Organisationsform sind (Netzwerk-) Protokollschichten.
- Im Bereich der SOZIOLOGIE wird Vernetzung als Streben nach Bindung durch INTERAKTIONEN dargestellt, die dadurch zum universellen Medium gesellschaftlicher Kommunikation werden. Dadurch entstehen – auf einem (Beziehungs-) Markt im weitesten Sinn – zunächst Netzwerke (i.w.S.), die als Institutionen (i.w.S.) durch den funktionalen Vorrang starker (formaler) oder schwacher (informeller) Bindungen gekennzeichnet und so von einander unterscheidbar sind.
- Im Bereich der VOLKSWIRTSCHAFT wird das gesellschaftliche Streben nach der Koordination vernetzter Produktion medial scheinbar noch neuzeitlich umgesetzt: durch die REGULIERUNG von Märkten (i.w.S.). Mehr oder minder schwache oder starke Regulierungen lassen unterschiedliche Typen von Haushalten (i.w.S.) hervortreten.
- Auch im Bereich der BETRIEBSWIRTSCHAFT scheint sich das gesellschaftliche Bedürfnis nach der Führung vernetzter Produktion neuzeitlich durchzusetzen. Ihr Umsetzungsmedium sind implizite oder explizite, mehr oder minder offene oder bindende VERTRÄGE. Sie lassen vor dem Hintergrund jeweils sich bildender (Kooperations-) Netzwerke (i.e.S.) ein Formenspektrum betrieblicher Organisationen erkennen.
- Im Bereich der PSYCHOLOGIE kann man im eigentlichen Sinn von einem Bedürfnis (‚Begehren‘) sprechen: nach Orientierung (im Netz). Ihr Wirkungsmedium sind NARRATIVE (i.e.S.), die zwischen selbst- und weltorientierter Netz-Identität durch personale Identitäts-Narrative vermitteln.
- Auf der oberen Pyramidenstufe, im Bereich der PHILOSOPHIE, generiert unser unausrottbares Streben nach Orientierung durch MATRIX-DISKURSE Große Erzählungen, vor deren Hintergrund Varianten von (Letzt-) Begründungs-Diskursen narrativ zwischen vernetztem Sein und vernetztem Sollen vermitteln.19
Weil die e- (GESTALTBILDUNGS-) ACHSE nun parallel zur senkrechten d-ACHSE fraktaler GESTALTÄHNLICHKEIT steht, zeichnen sich auf den Pyramidenstufen die emergenten Kulturgestalten vernetzten Weltwissens und ihre jeweiligen Funktionsmedien ab, und zwar zunächst in der Ausgangskonstellation: als Ruhebild.

Abbildung I- 8: emergente Kulturgestalten vernetzten Weltwissens und ihre Funktionsmedien

(2. Sonde: Ruhebild-Beispiel)

Schon dieses Ruhebild lässt auf jeder Modellschicht als Movens gesellschaftlicher Kommunikation ein funktionsspezifisches Kommunikationsmedium erkennen. Und es lässt ein dadurch jeweils ausgelöstes durchgehendes Bewegungsmuster erkennen. Der Übergang von starken zu schwachen Bindungen wiederholt sich auf jeder der sich überlagernden Funktionsebenen, indem er in jedem dieser Bereiche gestaltbildend wirkt. Auf die dadurch aufgeworfenen Anschlussprobleme der Kommunikation verweisen schon die Zusätze ‚im engen Sinn‘ (i.e.S.) und ‚im weiten Sinn‘ (i.w.S.) bei tragenden Systembegriffen.

Mögliche Antworten lassen Gestalt-Schnittbilder erwarten. Sie entstehen, wenn der Zauberwürfel als Computertomographie- (Röntgen-CT-) Sonde wiederholt in einer bestimmten Anwendungsperspektive wieder eingesetzt wird. Denn wir können jedes dieser Schnittbilder als Kontrastbild zu den MRT-Bildern verwenden und zusammen mit diesen unter einem Doppelaspekt auswerten.
Im unteren Teil der Bereichspyramide, innerhalb der naturwissenschaftlichen Wissensbasis unseres Weltbildes, würde uns die Sonde im funktionalen Gebrauch eine aktuelle topologische Zuordnung des jeweiligen Vernetzungswissens im jeweiligen Fachgebiet ermöglichen. Fachgebietsübergreifende Vernetzungsorientierungen erschließen sich dabei in der Regel nicht durch funktionale Überschneidungen, sondern eher durch die Überlagerung von Komplexitätsdimensionen, wie sie sich auch dem Laien durch die Unterscheidung physikalischer, chemischer und biologischer Sachverhalte erschließen. Beides kombiniert sich in den engen Rastern dieses Wissensbereiches. Und hier erschließen sich neue funktionale wie Sinnzusammenhänge geradezu exemplarisch durch das Vernetzungsverständnis der Informatik. Es ist über seinen unmittelbaren Geltungs- und Anwendungsbereich hinaus zum Basis-Orientierungswissen unseres Weltbildes geworden.
Auf den darüberliegenden Schichten dieser Pyramide überwiegen in den Kontrastbildern zunächst sek­torale Differenzierungen. Die Sonde zeigt dann auf, dass im Bereich der Grundformen nach und nach Gestaltbildungsbereiche entstanden sind, die sich überlagern, so dass zwischen ihnen Hybridformen zu erwarten sind.
- Im Bereich der Soziologie vermitteln gesellschaftliche Interaktionen als Bindungen (auf einem Markt i.w.S.) zwischen psychischen und gesellschaftlichen Teil-Systemen. Institutionen differenzieren sich als formelle oder informelle (Bindungs-) Netzwerke aus: von Bewegungen über Gemeinschaften zu Organisationen (jeweils i.w.S.).
- Im Bereich der Volkswirtschaft ließ die Koordination der Marktkräfte durch staatliche Regulierungen (als choice of rules) zunächst zwischen einem geregelten (Profit-) und einem regelnden (Staats-) Bereich als 1. und 2. Sektor unterscheiden, sodann zwischen diesen beiden und immer noch relativ starken Vorgaben im Not-for-Profit-Bereich (3. Sektor) – bis schließlich ein in seiner volkswirtschaftlichen Bedeutung lange verkannter informeller ‚4.‘ Sektor gleichsam wiederentdeckt wurde. In diesen Marktsegmenten differenzieren Haushalte sich aus in Märkte, Netzwerke (jeweils i.e.S.) und ‚Hierarchien‘.
- Im Bereich der Betriebswirtschaft charakterisiert Führung hingegen den Bereich geregelter Entscheidungen im Ganzen (choice within rules). In Analogie zu den volkswirtschaftlichen Regulierungssektoren treten hier auf dem Markt i.e.S. Bereiche hervor, in denen mehr oder minder offene oder bindende Vertragsnarrative Führungsimpulse als Zielvorgaben institutionell wirksam werden lassen, und zwar durch Selbst- und Vertragsbindung überhaupt, in vertraglich konstituierten Unternehmungen, funktional ausgerichteten Organisationen oder regulativ ausgerichteten Körperschaften. Dadurch lassen sich Formen von Netzwerken (hier: i.e.S.) unterscheiden, die sich im Zuge ihrer Gestaltbildung zunehmend verdichten (und dabei verkrusten): Gemeinschaft, Organisation und Institution (jeweils i.e.S.). (Unter dem Differenzierungsaspekt vertraglich fixierter Transaktionskosten lassen sich in diesem Schema auch intern Profitcenter, extern Joint Ventures, Lizenz- und Franchise-Verträge anordnen.)

Im oberen Teil der Bereichspyramide werden dann Schichten thematisiert, und zwar als sich ausdifferenzierende Stufen- oder Außengrenzen. In einem perspektivisch ausgerichteten Sondenansatz, bei dem fraktale Ähnlichkeiten und Hybridbildungen hervortreten, kann daher im entstehenden Kontrastbild Psychologie auch fehlen und Philosophie kann durch Theologie repräsentiert beziehungsweise funktional ersetzt werden. Ich erläutere solche Kontrastbilder an einem Beispiel aus einem aufschlussreichen Anwendungszusammenhang:

Abbildung I- 9: emergente Kulturgestalten vernetzten Weltwissens: fraktale Ähnlichkeiten und Hybrid-Verbindungen (2. Sonde: Kontrastbild-Beispiel)

Abbildung I- 9 20

Wenn wir bei einem Vergleich mit dem funktionalen Ruhebild in diesem oberen Modellbereich mit seiner jetzt fast exotisch anmutenden oberen Theologie-Besetzung ansetzen, dann zeigt sich:
- Eine Abschlussbesetzung mit Letztbegründungsdiskursen ist vom Modell gleichsam vorgezeichnet. Ein leeres oberes Feld würde die Abgrenzungen unterer Bereiche gefährden und auf soziokulturelle Risiken verweisen. Unser Beispiel würde dann Hypothesen nahelegen, mit denen sich die ideologische Aufladung soziologischer Erkenntnisse überprüfen ließen.
- Eine Theologie, die sich in diesen Modellrahmen einfügt, könnte eine solche kritische Funktion übernehmen. Ihre hier eingezeichneten Leitbegriffe und deren Beziehungen untereinander wären theoretisch wie methodisch prinzipiell anschlussfähig an die Ergebnisse und Verfahren der unteren Pyramidenbereiche, vor allem an die Grundannahmen unseres gegenwärtigen Weltbildes, wie sie nach dem linguistic turn in die Metasprache der Informatik eingegangen sind. Hierauf verweist neben der plausiblen Anordnung tragender Begriffe von starken hin zu schwachen Bindungen die Möglichkeit, diese Anordnung insgesamt auf die analog verlaufende Letztbegründungslogik der Philosophie zu beziehen, die ebenfalls von einem sich als vorgegeben erschließenden Sein auf das menschliche Sollen, mindestens auf ‚Weisheit‘ zielt. („Wie soll ich mit dem sich erschließenden Weltwissen umgehen?“)
- Hierauf verweist sodann die Möglichkeit, der oberen Feldbesetzung im Kontrastbild Orientierung als theologisches Bereichsmedium zuzuordnen. Im Ruhebild generierte das gesellschaftliche Bedürfnis nach Netzorientierung im Objektbereich der Psychologie immerhin Identitätsdiskurse. Dabei ging es um Selbstbegründung als vorlaufende und vorläufig gültige Letztbegründungen im Bereich der Person. Sie können jetzt als notwendige Voraussetzung für die authentische Formulierung von Letztbegründungsfragen im Bereich der Philosophie betrachtet werden, in denen ‚Matrix‘ die Orientierungsfunktion der Antwort repräsentiert.
- Und schließlich: Eine aktuelle Besetzung im Bereich Psychologie, der in einem Sondenansatz aus heutiger Perspektive sicher wieder sichtbar würde, lässt sich vor dem Hintergrund des betreffenden Kontrastastbildbereiches rekonstruieren: Netzidentität reproduziert sich im Netzzeitalter durch vernetzungsbasierte Ausdifferenzierung von Identitäts- als LGBTQ+-, Minderheits- oder Betroffenen-Narrativen. In unserer epochalen Übergangssituation werden diese noch notwendig wahrgenommen als irritierende Differenz zu Ich-Narrativen, die spätneuzeitlich Überich- und Es-Narrative integrieren.

Eine erste Zusammenfassung dieses erstaunlich ertragreichen zweiten Sondengangs sollte daher den Akzent nicht auf eine sich vortastende theologische Relativierung des philosophisch etablierten Letztbegründungsbereiches legen. Vielmehr ist auf die erstaunliche Zähigkeit zu verweisen, mit der sich diese kulturell und gesellschaftlich stabilisierende Funktion auch in unserem gewandelten Weltbild immer wieder etabliert. Auch dann, wenn sich das Gesamtsystem in einer anderen Perspektive in einem anderen systemischen Arrangement repräsentiert. Als Echo der mathematisch-naturwissenschaftlichen, durchgängig informationstheoretisch reproduzierten Basis unseres Weltbildes sichert diese Funktion dann immer noch die Möglichkeit eines distanzierten wissenschaftlichen, und das heißt (ideologie-) kritischen Zugriffs auf vorliegende und vorgelegte Letztbegründungen. Das ist die Chance dieser Konstellation. Sie lässt als ihren dunklen Hintergrund aber auch die latente Bedrohung einer Gemeinschaft durch Letztbegründungen erkennen, die offensichtlich den Wandel der Weltbilder überstanden hat: Die Ideologisierung, die mit der Verabsolutierung des Vorletzten einhergeht, kann die Gewaltbereitschaft gegenüber Mitgliedern einer Gemeinschaft, die sich einer Universalisierung partikulärer Ansprüche nicht beugen wollen, zugleich entflammen und enthemmen.
Im vorliegenden Beispiel darf die skizzierte theologische Besetzung des Philosophiebereichs dann eben nicht als Rücknahme der neuzeitlichen Säkularisierungsbewegung missverstanden werden. Sie ist vielmehr als Pendant oder Ergänzung einer funktionalen Ausdifferenzierung dieses Bereiches zu verstehen, in dessen Objektbereich aktuelle Diskurse mit Letztbegründungsanspruch als Ideologien analysiert und klassifiziert werden könnten. Mit genau diesem Anspruch weitet sie lediglich das Verfahren kritischer Rekonstruktion auf eine bereits vorliegende historische Besetzung des Diskursfeldes aus. Im Objektbereich stehen Theologien, deren Letztbegründungsfunktion in einer kirchlichen Sondersprache formuliert werden, die stärker noch als in anderen Wissenschaftsbereichen traditionsbestimmt ist. Genau das ist durch das Beispiel belegt.
Ich habe es ausgewählt, weil es wie von selbst den anderen zusammenfassenden Aspekt hervortreten lässt, unter dem die Ergebnisse der bisherigen Sondengänge zu betrachten sind. Das Kontrastbild zeigt: Unsere Diskurssonde ist terminologisch geeicht und ausgerichtet. Gerade weil dann bei der Auswertung immer mehrere Teilbereiche des Kontrastbildes ins Auge zu fassen sind, empfiehlt es sich, abermals bei der Pyramidenspitze einzusetzen.
- In den Diskursen des oberen Bereiches finden sich zum einen mythologische Reste, die sich in den Diskursen anderer Bereiche metaphorisch auf schöpferische Anfangsprozesse, erlösende oder befreiende Taten oder befreite und erlöste Zustände beziehen – die sich aber auch in gefährlicher Weise wieder ideologisch verselbständigen könnten. Hier sind sie jedoch, wie die in dieser Besetzung notierten Abfolgen im oberen Bereich zeigen, als theologische Narrative klar rekonstruierbar.
- Zum anderen finden sich hier Fachausdrücke mit der ältesten Vorgeschichte: gerade wenn sie (wie Schöpfer) eingedeutscht verwendet werden. Die binnentheologische Gefahr von Fehlschlüssen vom Sein auf das Sollen, wie sie sich im katholischen Naturrecht manifestiert, ist aber identisch mit der entsprechenden philosophischen. Sie gehört in beiden Bereichen zu einer klar benennbaren Standardherausforderung, die sich in beiden Fällen angemessen verorten und bewältigen lässt.
- Ganz anders verhält es sich, wenn hier anzusiedelnde Ausdrücke wie Hierarchie auf anderen Ebenen benannt, aber nicht in ihrem mitlaufenden vorneuzeitlichen Begründungskontext gedacht werden. Dann müssen diese Letztbegründungsansprüche als Immunisierungsstrategie klar erkannt und benannt werden.
- In den mittleren Segmenten bezeugen Begriffsverwendungen über die Ebenen hinweg die religiöse Überhöhung des Marktbegriffs als durchlaufende Neuzeitgefahr. Außerhalb der engen terminologischen Einbettungen in den Bereichen der Volks- und Betriebswirtschaft, in denen die Eigengesetzlichkeit des Marktes vor dem Hintergrund unreflektierter traditionaler Privilegien hervortrat und hervortritt, indiziert ihre Verwendung regelmäßig eine neoliberale Marktideologie.
- Die Soziologie als Grenzbereich wird je nach Perspektive sowohl von (Beziehungs-) Marktbegriffen als auch von System- und Strukturbegriffen besetzt. Das verweist auf die Überschreibung aller Bereiche durch die Informatik-Metasprache unseres gegenwärtigen Weltbildes nach dem linguistic turn, für die neben Netz und Netzwerk auch Begriffe wie Diskurs und Narrativ kennzeichnend sind. Die damit einhergehende aktuelle Gefahr einer allumfassenden neuen ideologischen Überdehnung darf nicht übersehen werden. Sie wäre nicht nur der klar diagnostizierbare (und methodisch einhegbare) blinde Fleck der eigenen Beobachterposition, sondern – biblisch – der Balke im eigenen Auge.

Der im Modell sich immerhin abzeichnenden allgegenwärtigen Ideologisierungsgefahr begegnet man am besten durch die praxisorientierte Anwendung dieses diagnostischen Instrumentariums in einem therapeutischen Kontext, aus dem heraus es auch entwickelt wurde.
Ich hatte das Glück, als neugieriger, schließlich praxissüchtiger Theologe mit dem Konzept vernetzter Systeme im Kopf schon früh (um die Jahrtausendwende) auf ein praxisorientiertes ‚Netzwerk Kirchenreform‘ zu stoßen. In dieser Gemengelage nach dem linguistic turn entwickelte ich gestufte Vernetzungstableaus – zunächst um vor diesem Hintergrund die missbräuchliche Verwendung von Begriffen klären zu können, mit denen man unsere Veränderungsvorschläge ins Leere laufen ließ. Denn innerhalb eines solchen Tableaus konnte man die mehrfache Verwendung von Sprachzeichen in ihrem jeweiligen Kontext unterscheiden und ihre jeweilige Funktion rekonstruieren. Das galt besonders für auf Abgrenzung angewiesene Begriffe wie ‚Institution‘, ‚Organisation‘, aber auch etwa für ‚Hierarchie‘, die sich auf ganz unterschiedliche Vernetzungskonstellationen beziehen können. Und es galt auch für die prinzipiell hilfreiche Identifizierung von Hybridformen. Diese sind charakteristisch für die Gestaltbildung in Übergangsprozessen. Eine entsprechende Doppelbenennung bliebe aber blind und leer zugleich, ohne die bewertende Zuordnung der neuen Funktionen, die auf einer höheren Organisationsstufe den rückwärts identifizierten Elementen der alten Vernetzungsgestalt zugeschrieben werden müssen. Innerhalb unseres Weltbildes kommt also der Analyse von Netz-Operationsbegriffen, mit denen die den Komplexitätsstufen zugeordneten Wissenschaften ihre jeweiligen Beobachtungsergebnisse generieren, eine Schlüsselrolle zu: insbesondere ‚Netz‘, ‚Netzwerk‘ und ‚Vernetzung‘, aber auch ‚System‘. Von ihnen her erschließt sich innerhalb laufender Vernetzungsprozesse eine Klassifizierungsskala, die sowohl relative Zuordnungen als auch die zusammenfassende Abgrenzung von Beobachtungsergebnissen erlaubt.21
Dieser Gesamtüberblick war für uns damals ein Ansatz, mit dem sich im Kontext kirchlicher Reformprozesse Missverständnisse klären, ideologische Blockierungen überwinden und machtpolitisch motivierte Attacken enttarnen ließen – in den Grenzen dessen, was sich jeweils als möglich erwies. Aber das, was wir dort lernten, ließ sich auch in anderen Innovationskontexten anwenden. Exemplarisch engagierte ich mich im Bereich der Nanotechnologie, um Konzepte vorauslaufender Regulierung als ‚integrierter Innovation‘ zu entwickeln und zu erproben. Handwerklich musste ich lernen, dass ausgerechnet in diesen naturwissenschaftlich dominierten Bereichen bei der praktischen Kooperation von Physikern und Chemikern, Ingenieuren und Ärzten terminologische Missverständnisse nicht auf verschleierte Interessengegensätze verwiesen, sondern zunächst einmal auf den völlig unterschiedlichen Fachkontext derselben Grundbegriffe im Anwendungsalltag. Ich lernte, nicht nur die Definitionen, sondern auch die Verwendungskontexte von Begriffen zu beachten – und mir selbst dabei immer wieder über die Schulter zu blicken.
In jenen kirchlichen Reformprojekten ging es praktisch immer um die Frage, ob die ‚Stärke schwacher Bindungen‘ im jeweiligen Netzwerk etwas zur Bildung oder Entwicklung einer funktionierenden Organisation beitragen kann oder ob und in welchem Sinne sie ‚Institution‘ (oder gar ‚Hierarchie‘) ist und daher (gelegentlich, überhaupt?) abgekoppelt vom Markt (von welchem?) geführt werden muss. Hier zeigte sich allerdings auch erstmals, dass nachneuzeitlich geprägte Begriffe wie System und Netz, Vernetzung und Netzwerk bei der aktuellen Beschreibung gesellschaftlicher Prozesse auf fast allen Ebenen unvermeidlich sind. Zwar ist auch hier diskursiv entscheidend, was sie im jeweiligen Kontext bedeuten und was nicht. Aber sie bezeugen durch ihre zugleich allgegenwärtige und unendlich differenzierbare Anwendbarkeit die durchgängige Überschreibung aller bisher verwendeten Metasprachen durch den linguistic turn, der sich für uns immer schon vollzogen hat. Mein eigenes Switchen zwischen den Fachkulturen half mir, die strategische Funktion der Informatik für unser noch junges Weltbild auch genetisch zu verstehen. Als Theologe, der als Literaturwissenschaftler und Therapeut auch zum ‚Strukturalisten‘ geworden war, sah ich schon früh, dass die elektronische Vernetzung nun ebenso Weltbild prägend wirkte, wie in unseren Breiten einst die Schriftkultur (erst durch die antike Philosophie und dann durch mittelalterliche Theologie) und zu Beginn der hinter uns liegenden Neuzeit dann der Buchdruck: eben weit über die Naturwissenschaften hinaus. Im Übergang ergeben sich jedes Mal notwendige Metaphern, bei denen neu sich erschließende Sachverhalte vorläufig durch bekannte Ausdrücke benannt werden mussten. Als Begriffe, so forderte auch ich jetzt in meinem eigenen Praxiskontext, sollten sie dann aber regelmäßig durch Zusätze vor Missverständnissen geschützt werden, die entweder auf einen paradigmatisch erweiterten oder auf den ursprünglichen, jetzt engeren Sinn verweisen.

Diese Notwendigkeit verweist aber auch zurück auf das durchgehend wirksame menschliche Lebensinteresse, das das gesellschaftliche und kulturelle Leben durchpulst und vorantreibt, als ob sich in ihm die natürliche Evolution fortsetzen wolle. Beides zusammen zwingt spätestens bei einem Weltbildwandel nicht nur zu einer Neubestimmung und -benennung jener Sachverhalte, sondern auch zu einer Neubewertung gesellschaftlicher und kultureller Orientierungschancen und -risiken, die sie voraussetzen. Auf jeder Vernetzungsebene unseres Weltwissens wird spürbar, dass dieses Wissen stets erfahrungs- und praxisbezogen ist und sich – getrieben von unserem Drang nach gemeinsamem Überleben – beständig aktualisiert und anpasst: Selbstkritik und -korrekturen eingeschlossen. Dass dieses Wissen auch irrtums- und ideologiegefährdet ist, zeigt sich am ehesten beim Vergleich über mehrere Stufen hinweg: wenn dieselben Begriffe in unterschiedlichen Zusammenhängen auftauchen und unterschiedlich interpretiert werden können. Der Blick auf das Gesamt­tableau zeigt dann gerade durch Kontrastbilder, dass uns trotz dieser beständigen Gefährdung und trotz jener dynamischen Entwicklung die Grundzüge unseres Weltwissens als Weltbild vorgegeben bleiben: Es scheint im Ganzen darauf angelegt zu sein, sich über einen längeren Zeitraum gesellschaftlich zu bewähren. Genau deshalb schlägt es auf jeder Ebene vor, gereihte Unterscheidungen (die Syntagmen bilden) von solchen (Paradigmen bildenden) Unterschieden zu unterscheiden, die in einem neuen Kontext einen Unterschied machen: diesen allererst strukturieren und gestalten. In Analogie zu den naturwissenschaftlichen Basisverfahren unseres Wissenserwerbs lassen sich diese definitorischen Vorgaben vorab auf ihre Konsistenz und anschließend in ihrer Anwendung überprüfen: unabhängig davon, ob uns die jeweiligen Weltbild-Implikationen gefallen oder nicht oder ob sie uns auch nur bewusst sind.
In diesem Kontext funktioniert der Zauberwürfel als Diskurssonde. Ihr klassischer Anwendungsfall öffnet die Labortür und lässt frische Luft hinein. Wie jener dokumentierte Besuch einer Ethnologin, die vor Ort rekonstruierte, wie das veröffentlichte Ergebnis wirklich zustande kam, lenkt sie den Blick auf das kulturelle und gesellschaftliche Umfeld von Hypothesenbildung und Anwendung. In der Praxis konfrontiert uns eine gesellschaftlich vernetzte kulturprägende Begrifflichkeit stets mit dem Risiko ihrer irrtümlichen oder missbräuchlichen Anwendung auf das, was in einem evolutionär sich entfaltenden Weltsystem vernetzter Gestaltbildung jeweils ‚der Fall ist‘.22 Sie kündet auf jeder Stufe von dubiosen Netzwerkerfahrungen und umstrittenen Netzbeobachtungen, von Unkenntnis, Irrtümern und Überraschungen angesichts von Vernetzungserscheinungen, von interessengeleiteten Vernetzungsversuchen und deren Verhinderung, von ideologischen Benennungsverboten und Begriffstabuisierungen, von missbräuchlicher Begriffsverwendung ebenso wie von verzweifelten hybriden Begriffsbildungen.
Genau hier engagieren wir uns aber auch wie von selbst: in jener Spalte, die sich öffnet zwischen diesen Vorgaben und unseren Möglichkeiten, etwas zu verbessern oder Irrtum und Lüge wenigstens zu benennen. Das ist wichtig, denn neben kulturgeprägten inhaltlichen Ausdifferenzierungen werden dabei Ausdifferenzierungsbereiche sichtbar, die gesellschaftlich strukturbildend wirken. Auf den Zusammenhang beider Aspekte gesellschaftlicher Entwicklung verweist ein weiterer Sondengang.

Vor dem Hintergrund jener kritisch betrachteten Gesamttableaus erzeugt der Zauberwürfel als Ultraschallsonde zoombare Kontrastbilder dieses pulsierenden Lebensprozesses selbst. Für mich erwies es sich bei dieser dritten Anwendung der Sonde ebenso wie bei der Auswertung ihrer Ergebnisse als hilfreich, bei der praxisorientierten Anwendung des systemischen und linguistischen Ansatzes als kirchlicher Berater unterwegs gewesen zu sein. Denn dadurch hatte ich schon früh eine anschlussfähige Metasprache entwickeln können, durch die nun Eigenschaften und Anwendungspotenziale Tiefer Innovation schnell hervortraten. Daher kann sie auch in diesem Sondengang den Letztbegründungsbereich im Ganzen repräsentieren. Und zwar nicht nur von einem Anwendungsbeispiel aus.23
Nachdem ich damals formuliert hatte: „Arbeit (ist) die Orientierung an syntagmatischen, Religion die Orientierung an paradigmatischen Beziehungen“, ließ und lässt sich in Modellen schnell ableiten (und anschließend plausibilisieren):
- Nur eine durch Können, Wissen und Moral bereits religiös orientierte Arbeit 1 kann gesellschaftliche Störungsimpulse auslösen, wenn syntagmatische Orientierung an ihre Grenzen stößt. Paradigmatisch neu orientierende kulturelle Signale können nur vor dem Hintergrund dieser Orientierungsgestalt als Zeichen gedeutet werden. Und im Gegenzug:
- Nur die latente Präsenz alternativer Orientierungsmuster von Arbeit 2 im Bereich der Kultur (als medialem Bereich möglicher Formen) kann solche belebenden Signale auslösen: durch theologische Neuorientierungsimpulse in Kunst, Wissenschaft und Ethik.

Genau das zeigt das Bild im Routinemodus:
- Auf der d-Achse markieren die Orientierungsimpulse die problematischen Zwischenbereiche der Stufen mit ihren Innovations-Orientierungsproblemen: die Spalten zwischen den Schichten, die sich zwischen Vernetzung und Netzwerken öffnen sowie zwischen ihnen und den jeweiligen Akteuren, die sich in Organisations- (oder eben Institutions-) zusammenhängen auf dem einen oder anderen Markt bewähren müssen.
- Sie tun dies in ihrem jeweiligen kulturellen Umfeld mit seinen Veränderungspotenzialen und in einer Umweltkonstellation, die immer auch für deren natürliche Bedingtheit steht – und für die Gesamtkonstellation, wie sie sich einem Beobachter darstellt.
- Impuls und Antwort markieren die Orientierungsgrenze zwischen Natur- und Kulturbereich im Gesamtmodell, weil die Resonanzen zunächst auf die als Arbeit 2 schattenhaft vorliegenden intuitiven Rahmengewissheiten des Routinehandelns zurückgeworfen werden.
- Das sukzessive Abrufen solcher kulturellen Gewissheiten lässt sich auf der n-Achse gut repräsentieren durch knowledege & skills als Voraussetzungen, facts, objectives, milestones und goals als mitlaufende latente Orientierungen im herkömmliches Produktmanagement.
- Alle Rückmeldeimpulse aus dem Letztbegründungsbereich wirken dann als einhegende Rahmenorientierungen.

Abbildung I- 10: Erst- und Letztorientierung (3. Sonde: Ruhebild)

Theologie hat im Gesamttableau eine doppelte begriffliche Funktion. Sie steht zum einen für Sonntagsreligion als Bereich oder Inbegriff neu orientierender Muster im Kontrast zur Alltagsreligion als Inbegriff oder Bereich orientierter Muster (statt Arbeit vs. Religion). Sie steht zum anderen im Bereich der Philosophie als Platzhalter dafür, dass Letztorientierung immer durch traditional geprägte Narrative besetzt ist. (Wobei ‚Theologie‘, wie wir gesehen haben, auch für Letztbegründungsdiskurse stehen kann, die diese narrative Voraussetzungskette reflektieren.) Im Schnittpunkt beider Funktionen entstehen nun im Modell fokussierte, aber zoombare Kontrastbilder mit holografischen Eigenschaften, sobald die alte Form ohne syntagmatische Rückmeldung bleibt. Während sie nun ihrerseits in einen Potenzialstatus zurückfällt, löst sie innerhalb dieser Musterkonstellation einen Störimpuls aus.

­­Charakteristisch für die spezifische Funktionsleistung dieses dritten Sondengangs ist ein gezoomtes Kontrastbild, das sich innerhalb des Kulturraums auf den Marktraum fokussiert, in dem sich ein neues Produkt durchsetzt.24 In Routineprozessen hergestellte Produkte 1 und 2 würden innerhalb der Markt-Kulturgrenze
- auf der d-Achse eine Verschiebung der Marktregeln von einer Marktanpassung zur Marktveränderung bewirken,
- auf der i-Achse unterschiedliche Marktschwerpunkte zwischen Kostensenkung und Differenzierung bei der Produktherstellung markieren und
- auf der n-Achse den Marktort vom Nischen- hin zum Kernmarkt bewegen.

Stattdessen bleiben nun die Achsenbedeutungen des Kulturbereiches stabil. Dessen Konstellationen werden aber nun als (kulturelle) Narrative in den Marktraum projiziert und lösen dort Resonanzprozesse aus, dessen Ergebnisse im vergrößerten Rahmen des Kontrastbildes sichtbar werden. Zunächst zeichnen sich der n-Achse als erstes Ergebnis die Stationen agiler statt herkömmlicher Produktionsprozesse ab:
- zunächst der Start (von Initiative, Epos, Story),
- sodann die Phasen Einfühlung, Verstehen, Beobachten I und II und,
- nach dem Wendepunkt (x) vom Problem- (oder Erkenntnis-) zum Lösungsraum:
- die Phasen Entwerfen, Entwickeln, Prototypen I und II (Testen) – bis dann schließlich
- das Stopp-Signal (von Story, Epos, Initiative) das Ende des Prozesses markiert.
Dieser Prozess kann nur von den (gemessen an Produkt 1) paradigmatisch veränderten: prinzipiell innovativen Vorgaben des intendierten Produktes 2 her verstanden werden, das nun im Zoom-Kontrastbild als Prozessergebnis hervortritt. Und das ist das eigentliche Ergebnis dieses dritten Sondengangs: Am Beispiel einer Markt-Produktfolge zeichnet sich unter den Epochenbedingungen unseres digitalen Zeitalters die Evolutionsspur Tiefer Innovation ab. Der Zauberwürfel mit der Innovationsformel zeigt hier noch einmal exemplarisch (und immer tiefer dringend), wie sie – überdeterminierend und systemisch – zwischen Erst- und Letztorientierung (Kreativität und Schöpfung) vermittelt.

Abbildung I- 11: Erst- und Letztorientierung (3. Sonde: Zoom-Kontrastbild)

Was sich hier jeweils im Detail zeigt, charakterisiert Potenziale der systemischen Gesamtkonstellation. Innerhalb des gesellschaftlichen Kulturbereichs generieren in einem von kulturellen Innovationsimpulsen durchdrungenen Marktbereich kulturelle Muster als Narrative neue Glieder in einer Kette gesellschaftlich implementierter (und regulierter) Innovationsgestalten. Sie stehen für Agilität als Vorgabe einer prinzipiell anderen Produktionsweise im neuen Zeitalter (deren Standards man messbar erfüllen oder verfehlen kann) und markieren zunächst auf der resultierenden i-Achse Verzweigungen als Vernetzungskonsequenzen des orientierten Projektrücklaufs. Als Wirkung vorlaufender, aber immer auch letztorientierter Orientierungsimpulse verzeichnet sie die sich aus bloßer Potenzialität herauslösende und sich realisierende kulturelle Herausbildung immer neuer Orientierungsgestalten im gesellschaftlichen Produktionsprozess.
Im Rückblick auf das Ruhebild zeigt sich an jenem Beispiel, wie eine Reproduktionsstörung des alten Musters, rückgekoppelt mit dem Naturbereich der Notwendigkeiten, zum Auslöser einer Gestaltbildung auf einer neuen paradigmatischen Ebene wird. Tiefe Innovation ist der Inbegriff einer Sonntagsreligion, die sich in einem Veränderungs-Alltag bewähren muss und bewähren kann. Theologie als Reflexionsgestalt dieses Orientierungsvorgangs steht im Kulturbereich (parallel zu Religion) als Inbegriff eines jeweils narrativ besetzten (philosophischen) Letztbezugs der Reflexionsgestalten Kunst, Wissenschaft und Ethik.
Unterhalb (beziehungsweise: innerhalb!) der Natur-Kulturgrenze zeichnet sich dann Kultur in einem präzisen Sinn ab als medialer Bereich möglicher Formen, und Kunst kann dann als deren Vorlaufbereich verstanden werden, indem die Kohärenz jener Formen narrativ erprobt wird. Mit Blick auf den Innovationsprozess im Ganzen zeichnet sich hier im Modell ab, dass gerade die von externer Verzweckung abgekoppelte Vielfalt des Ästhetischen gesellschaftlich von enormer praktischer Bedeutung ist.

Abbildung I- Theologisch herausfordernd im mehrfachen Sinn interpretiert dann das Ergebnis der ersten drei Sondengänge Innovation als Fortsetzung eines uranfänglichen Übergangs von der Potenzialität in die Aktualität. Wie der gemeinsame Untertitel der drei Bände als Kontext dieser Darstellung ‚Tiefer Innovation‘ festhält, ertönt das Echo des Urknalls ‚zwischen Kreativität und Schöpfung‘. Das sich abzeichnende Gesamttableau verzeichnet allerdings quer dazu den durchgehend dynamischen Aspekt einer Gestaltevolution in einem hierarchisch nach Komplexitätsebenen geordneten Netzwerkspektrum. Das zeigt, wie tief Netzwerkorientierungen unser Weltbild durchdringen. Wie wir bereits gesehen haben, treten hier Verzweigungen als Konsequenz oder als der andere Aspekt einer Neuvernetzung hervor. Hier kann und muss der Zauberwürfel als Sonde noch einmal angesetzt werden, um uns zu zeigen, wo und wie wir selbst ansetzen können, um uns als Orientierte zu engagieren. Es geht in einem vierten Sondengang um Vernetzung selbst.
Vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen Gesamttableaus, so skizzenhaft sie die Aufbauorganisation des Evolutionsgeschehens wiedergeben mögen, zeichnet sich schließlich im überall präsenten Zentrum dieses Geschehens die narrative Grundstruktur seiner Ablauforganisation ab. Denn der Zauberwürfel erzeugt schließlich durch lokal ausgelöste, aber auf das Ganze bezogene Doppler-Effekte Bewegungsbilder ganz eigener Art: als Raster-Elektronenmikroskop- (REM-) oder Nano-Sonde. Entwicklung und erste Anwendungsbeispiele verdanke ich jenem erwähnten anderen Praxisbereich, in dem dieses Messinstrument gleich als Werkzeug zum Einsatz kam: Es erzeugte, was es maß.
Im Schichtenüberblick sehen wir ja, dass sich auf jeder Stufe bei der Interpretation eines jeden einzelnen Elements ein Zwischenbereich öffnen kann, der anders ist als der Abstand zwischen zwei abzählbaren Elementen derselben Art und der selbst nur durch einen Vor- oder Rückbezug auf die ganz andere Skalierung zwischen den Stufen interpretierbar ist. Diese spezifische 0-1-Differenz können wir thematisch zum einen im Bereich der Informatik lokalisieren. Sie stellt dort die vernetzte Präsentationsform aller Wissensmuster sicher. Sie verweist aber zum anderen über alle Stufen hinweg auf die Letztbezüge der oberen Pyramidenstufe. Und hier ist diese Differenz nicht nur lokalisierbar, sondern durch überlagerte Vorstufen des jetzigen Weltbildes auch genetisch rekonstruierbar: durch alte wie neue ‚Matrix‘-Bezüge in Großen Erzählungen. Das rief mich als Theologen zwar auf den Plan, ließ mich dann aber zunächst ratlos zurück. Denn das dadurch damals wie heute heraufbeschworene Ganze als thematischer Resonanzraum bezeugt in seinen Teilen ja nur, dass jene Leerstelle auf der oberen Stufe nie unbesetzt bleibt – und dass das inspirierende wie irritierende Folgen haben kann.
Wie aber ist dieses Verhältnis näher zu bestimmen?
Bei der Nanotechnologie wird die Erkenntnis praktisch, dass Quantenmechanik und Relativitätstheorie je für sich funktionieren – und dass es danach spannend wird. Ob Welle und Impuls im Kleinen so zusammenwirken wie Zeit und Raum im Großen, durch Quantengravitation: so kann und muss man im Rahmen unseres Weltbildes wohl auch im Sozialen fragen. Und man kann wissen, dass wir darüber nur etwas in exemplarisch betrachteten Grenz- und Zwischenbereichen erfahren. Wenn wir mit einer 0-1-Brille bewaffnet zoomend auf eine Oberfläche, eine Grenze zufliegen, wird ein lokal ausgelöster Doppler-Effekt Kontrastbilder erzeugen, die wir unter einem Doppelaspekt zusammensehen können. Und wenn wir wissen, wo wir diesen Impuls ausgelöst haben, werden wir sehen, wie sich dort die Abläufe organisieren oder genauer: organisieren lassen.
Vor uns öffnen sich dann plötzlich riesige Bereiche unendlicher Mannigfaltigkeit, in denen aber Zwei-Komponenten-Modelle gültig bleiben und Neues erschließen. Auch das hatte ich als interdisziplinär tätiger Sozialethiker von den Nanowissenschaftlern gelernt. Im Gegenzug konnte ich in diesem Anwendungsbereich ein Modell erproben, mit dem Theologie auch nach der Epochenwende praxistauglich bleiben sollte: als Orientierungswissenschaft, die sich ihrer Narrative als im Bereich der Philosophie wirksamer Traditionsmuster bewusst ist. In diesen Speichern kollektiver Erfahrungen bricht sich das Licht von Letztorientierungen, färbt sie ein und überträgt sie über alle Stufen des Wissens hinweg in alle Lebensbereiche.

Als (Video-) Rastertunnel (RTM-) oder Nano-Sonde induziert der Zauberwürfel einen Tunnelstrom und erlaubt so Blicke hinein in die zunächst glatt erscheinenden Gestaltoberflächen, die – wie das große Ganze, das die Allquantoren thematisieren – zunächst den Blick abprallen lassen. Nun öffnet sich diese Grenze jedoch und zeigt, dass sich in der unendlichen Tiefe und Weite ihrer Zwischenräume eine unabsehbare Fülle vernetzter Gestalten entfaltet. Wenn wir uns mit Hilfe unseres vibrierenden Instruments annähern, sehen wir, dass auch dort überall der Granovetter-Operator sein Werk verrichtet.25 Das Netzstrukturbild eines Gestalten bildenden narrativen Prozesses verbindet in unserer Welt das Ganze mit seinen Teilen und das Gegenwärtige mit seinem Ursprung – und so scheint auch die Zukunft als Ende vorgezeichnet zu sein.
Wenn wir den Zauberwürfel fest auf einen jener Ereignispunkte drücken, an dem sich Objekt- und Metasprachen unserer Modelle am engsten berühren: dorthin, wo sich Impuls und Welle im unendlich Kleinen überschneiden und die zeitlichen und räumlichen Abgründe ringsumher immer nur gelegentlich so überwunden werden, dass aus anderer Perspektive Vernetzungsrealitäten und Vernetzungspotenziale sichtbar werden – dann beginnt er selbst zu vibrieren und markiert dort einen neuen Anfang, so wie wir ihn nach jedem Epochenwechsel neu hören – und vielleicht auch neu erinnern. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“, hieß es früher, aber das war nur die Überschrift. Auf dieser Seite der Großen Unterscheidung vom Weißen Rauschen (wo es „wüst und leer“ zugleich ist), steht auch nicht jenes Alpha (das mit einem Omega zusammen gehört werden will), sondern wir sehen, dass A(lice) vernetzt ist mit B(ob), der immer wieder dasselbe Signal erwartet (foo), um sich von diesem Rauschen zu unterscheiden. Oder Alice tauscht dieses Signal mit C(arol) aus. Tik-Tok. Null – Eins.
Und ewig so weiter? So ist unsere vernetzte Welt nicht, dieser (paradiesische) Anfang hat eine Scheinstabilität; er kennt seine Regeln nicht, wie die Netzwerk-Sonde zeigt. „Wenn A(lice) sowohl B(ob) als auch C(arol) kennt, dann wird über kurz oder lang auch B(ob) C(arol) kennen.“ Im Modell erscheint dann ein Netzdiagramm, das in seiner grundlegenden: epochalen Bedeutung häufig verkannt wird. Ich habe es Granovetter-Operator genannt und verwende es als vierte Sonde:­­­

Abbildung I- 11: Granovetter-Operator I (Anfang) (4. Sonde)

Anschließend sind zunächst neue Netzknoten wie Dave und Fred zu erwarten: als naive neue Beteiligte – und als Hintergrund für eine wie Eve, die eine vertrauliche Adresse weitergibt und so dass sich Netzwerk in der nächsten Netzgeneration für eine Mallory öffnet: die das ganze Netzwerk verraten kann und will. Das ruft aber schließlich Merlin, den guten Zauberer (und Netzwerk-Hüter der impliziten Regeln), auf den Plan26 – der alle Adressen an (den weisen Netzwerk-König) Arthur übergibt, der diese auf einer anderen Protokollschicht (mit neuen Regeln) diese zurück- oder aber einem neuen Merlin übergeben könnte: so dass eine andere Alice (warum nicht mal ein Ali?) neu beginnen könnte.27

Abbildung I- 12: Granovetter-Operator II (Aufgabe) (4. Sonde)

Der Zauberwürfel: die Formel, aus der sich diese Sondenfunktion ableiten lässt, macht deutlich, dass es hier um mehr geht, als um „die Stärke schwacher Bindungen“. Es geht um die Verankerung einer narrativen Grundstruktur, die sich in Quantensprüngen entfaltet, in der tiefsten Schicht unseres Weltbildes: allen denkbaren Diskursen vorgegeben, in realen Welten oszillierend zwischen Primzahlrhythmus und Planck-Einheiten. Denn das Netzdiagramm bildet als Strukturbild nicht nur den anderen Aspekt einer Nachrichtenübermittlung ab. Es impliziert mit der Störung auch einen Prozess, in dem sich ein Lösungsmuster Schritt für Schritt, Netzgeneration für Netzgeneration entfaltet und neue Agierende (Aktanten!) ins Spiel bringen wird. Das sind, nach einer vollzogenen Anfangsunterscheidung, benennbare Netzknoten-Punkte mit erwartbaren Eigenschaften und Funktionen, wodurch neue Ereignisse und Episoden gesetzt sind, bis schließlich ein Ende unausweichlich wird – mit der Möglichkeit eines neuen Anfangs.

Abbildung I- 13: Granovetter-Operator III (neuer Anfang) (4. Sonde)

Wir sehen hier das Netz-Strukturbild eines Unterschiedes, der einen Unterschied macht, indem er innerhalb einer Protokollschicht eine einfache Folge als Störung unterbricht: Aufladen, verdichten und wachsende Spannung als Vorgeschichte, der springende Funke der befreiende Blitzschlag, der das ferne Donnergrollen ankündigt. Die Folge von Verzweigungsbildern markiert dann zugleich den veränderten Ablauf des künftigen Informationsflusses, der sich auf einer höheren Protokollschicht fortsetzt und damit einer narrativen Lösung den Weg bahnt: netzverändernd und gestaltbildend. So repräsentiert und interpretiert das Netzprinzip das digitale Epochenprinzip. Nicht als Alpha, das mit Sicherheit ein Omega erwarten lässt, aber immerhin so, dass mit einem gesetzten A auch irgendein ein Zet gesetzt ist – und damit auch die Möglichkeit eines Innehaltens: eines begründeten Abschlusses oder einer bedingten Neuanfangs und eines neuen kreativen Engagements auf einer anderen Ebene der Gestaltbildung oder in einer neuen Projektphase.

- Innovation: zwischen Kreativität und Schöpfung

Der Zauberwürfel zeigt, dass und wie die App funktioniert – aber sie wirkt oft anders als gedacht! Ich muss noch einmal vor ihrer Anwendung warnen. Während ich wenigstens die Einleitung dieser Online-Handbuch-Version fertigstellen sollte (wir basteln noch an den Grafiken), brummt und summt es wieder um mich herum, sooft ich etwas mit dem Zauberwürfel berühre. Das Verfahren kenne ich von den vorigen Bänden.. Vor dem Abschluss eines Teils heißt es, sich an den liegengebliebenen Resten abzuarbeiten: ob sich nicht die Modellhypothesen vielleicht doch noch falsifizieren lassen. Nun denn: die folgenden Einleitungsabschnitte über den inneren und den äußeren Aufbau des Buches und der eigentliche Handbuch-Abschnitt der Einleitung liegen bereit; statt eines Kapitelanhangs mit zusätzlichen Anwendungs- und Übungsmaterial genügt hier in jedem Fall ein Netzhinweis. Was also hat sich als störend bemerkbar gemacht und liegt da immer noch herum?
Die hastige Überschrift über dem Lektüre- und Notizenstapel klingt jetzt fast ironisch: „Chancen und Risiken theologischer (Letzt-) Orientierung“. Aber ich war ärgerlich, als ich das schrieb. Denn in der Langfassung hätte ich ergänzen müssen: „innovativen Handelns im Epochenwechsel“. Und hatte gleich hinzugefügt: „Wen interessiert das?“ Ich wollte mich als Guru hinter die funktionierende App zurückziehen. Jetzt legt dieser unerledigte Rest zunächst einmal nahe, dass ich mich vorab als Theologe outen sollte.
Ein konkreter Anlass, ‚innovativ‘ weiterzudenken und zu forschen, war ja die stillschweigende oder theologisch verbrämte Verweigerung einer Verständigung über Führungsziele kirchlichen Handelns in Reformprozessen. Sie betraf damals nicht nur uns, sondern auch Aufgabenstellung und Auswertungsdimensionen aufwendiger Kirchenmitgliedschaftsstudien, an denen der Theologe und Religionswissenschaftler Detlef Pollak beteiligt war. Zusammen mit Gergely Rosta hat er schließlich im Rahmen des ‚Exzellensclusters‘ „Religion und Politik“ eine umfangreiche Studie über ‚Religion in der Moderne‘ vorgelegt, die gerade in einer erweiterten und aktualisierten Neuauflage erschienen ist. Im Ergebnis scheint sie die Ausgangshaltung der (damals?) Kirchenleitenden auf einer erweiterten und stabilisierten Basis zu bestätigen: Man kann eh‘ nichts machen! Mit dem weltweiten Siegeszug der Moderne geht ein Rückgang an Religiösität und mit dieser Entkirchlichung einher. Die Säkularisierungsthese hat sich bestätigt. Ihre angebliche Widerlegung durch das Wieder- oder Neuerwachen religiöser Bewegungen beruht entweder auf einer falschen Deutung einzelner Beobachtungen oder auf unplausiblen theoretischen Annahmen oder – meist – auf einer Kombination aus beiden.
Für mich ist heute spannend zu sehen, dass im Ansatz dieser Studie nicht nur eine funktionale und eine substanzielle Definition von Religion (und Moderne) kombiniert werden. Es wird ein triadischer Forschungsansatz konstruiert, in dem sich plausible (religiöse) Erfahrung, empirisch Messbares und alltägliche Bewährung gegenseitig verstärken, aber auch einander korrigieren sollen. Der Transzendenzbezug, der für die religiöse Substanz steht, geht ein in einen Diskurs, mit dem der „Bereich des Unzugänglichen kommunikativ zugänglich, anschaulich, fassbar, verstehbar gemacht wird und damit alltagsweltliche Relevanz erhält“. Er ist aber auch gegenwärtig in unserem „vorrangigen Bild von der Wirklichkeit“, von dem her wir diesen Bezug rekonstruieren: n jenen ‚Meistererzählungen‘ der Moderne, zu denen auch die Säkularisierungsthese zu zählen ist und zu deren fortdauernder Gültigkeit Pollaks großes Forschungsprojekt nun gute (empirische!) Argumente beizutragen scheint.
Was sagt diese Studie heute? In einem aktuellen Artikel, der ihre Ergebnisse in den Kontext des anhaltenden Rückgangs der Kirchenmitgliedschaftszahlen stellt, fallen vor allem die wechselnden Hintergrundbezüge ins Auge, zu denen die Rezipienten gezwungen werden. Worum geht’s, was eigentlich geht (hierzulande) zurück? Zahlungsbereitschaft für oder Interesse an Kirchenmitgliedschaft (bei wachsender Kirchenkritik)? Das religiöse (Bindungs-) Interesse überhaupt – oder nur das am kirchlich gebundenen Christentum? Und wie sind jene Orientierungsangebote einzuordnen, die Kirchen auch abgesehen davon als konkurrierend empfinden könnten oder sollten, wenn sie weitermachen wollen?28
In der Pollakschen Modellvariante seines Großprojekts, das alle oben angeführten Modellmodule enthält, gibt es auf alle diese Fragen plausible Antworten. Und zudem, das machen die einleitenden Überlegungen und das macht die Untersuchung auf ihrem „Weg zu einer multiparadigmatischen Theorie“ deutlich, scheinen sich die kombinierten unterschiedlichen Ansätze in einem starken Überlegungsgleichgewicht zu befinden, wie Rawls das für seine Moraltheorie geltend macht – als ob eine App im Hintergrund funktioniert. Ich kann alle diese Module in unser Modell transponieren. Aber wenn die Moderne mit ihrem Fortschrittsnarrativ dann auf die Letztbegründungsstufe rückt, dann würde sie dort von der zitierbaren Meistererzählung zum unhinterfragbaren Mythos werden. Das verändert sofort den Stellenwert von störenden intuitiven Eindrücken im Forschungsfeld einerseits, mehr oder minder aufwendigen Einzelerklärungen im Kontext der Fallstudien andererseits. Nach-Neuzeitliches tritt dann in interessanter Weise zusammen: medial dramatisierte religiöse oder quasi-religiöse Inszenierungen, die neue Kombination von archaischen Verhaltens- und Beziehungsmustern und deren Reproduktion in Sozialen Medien. Es wird fraglich, wofür die weltweite Gefährdung jener vorausgesetzten Neuzeit-Konvergenz von technischer Entwicklung, sozialen Errungenschaften und demokratischer Entwicklung wirklich steht – und was empirische Verfahren in diesem Bereich überhaupt messen oder messen könnten: Ich denke hier natürlich an meine Befragungsstudien und Innovationsprojekte.
Aber das hat eben seinen Preis. Auch meine eigenen Religions- und Theologiekarten müssten auf den Tisch, um die eigenen blinden Flecken, methodischen Schwachstellen und ideologische Gefährdungen wenigstens für Dritte sichtbar zu machen. Wie interpretiere ich die ‚Matrix‘, was setzt die App voraus: welche Traditionsmuster sind wie im Spiel? Denn davon hängt ab, was gemessen werden und was erklärt werden kann. Vor allem fallen so Vorentscheidungen darüber, was hinzunehmen ist und was verändert werden kann.
Wie notwendig es überhaupt ist, in einem Prozess gerade die Letztbezüge zu thematisieren und hier notwendige Beziehungskonstellationen und messbare Größen benennen zu können, wurde mir anlässlich einer Variante deutlich, die ich fast übersehen, genauer gesagt überhört hätte, wenn sie sich nicht ebenso herausfordernd wie verführerisch präsentiert hätte: in einem Radiobeitrag „Warum ich katholisch geworden bin“ von Beatrice von Weizsäcker. Der Zauberwürfel schnurrte behaglich bei ihren eindrucksvollen Antworten, in denen sie auf Unterschiede zwischen dem Wesen der Kirche (die Präsenz Gottes in der Welt erfahrbar zu machen) und ihrem Erscheinungsbild hinwies – bis sie aus ihren Antworten eine paradox-theologische Maxime machte: „Katholisch zu sein ist eine Frage des Glaubens an Gott und nicht an Kirchenpolitik.“ – Hier ertönte ein mir wohlbekanntes Alarmsignal: Was kann man in diese Alternative noch alles einsetzen – was ist da nicht schon alles eingesetzt worden? Einzelne können irren, heißt es dann zunächst, aber nicht die Partei (die zur Chiffre für die Umsetzung des ‚objektiv richtigen‘ Klassenstandpunktes wird). Und dann droht als Schwundstufe, wenn nicht mehr die Organisation der politische Hegemon ist: „Wenn (und hier kann man dann einen allwissenden, allmächtigen und wohlwollenden Führer einsetzen) … das wüsste!“ Stattdessen kann ja nur die praktische Gegenmaxime gelten, die ich als Sozialethiker meinen Studierenden auf den Weg gab: Beurteilt stets die Taten – Begründungen sind nur deren Begleitgeräusch! Oder kurz: Wer vor dem Gewehrlauf steht, hat immer recht.29

Noch zwei dicke Brocken, denen ich während der Arbeit an diesem Schlussabschnitt begegnete: schön gestaltete umfangreiche politische Bücher, von Kollegen im Ruhestand geschrieben, bei denen ich zunächst einmal neidisch war, dass sie das überhaupt geschafft hatten. Beide rekonstruierten in der gegenwärtigen ‚postmodernen‘ Übergangs- und Krisensituation jedenfalls keine Kontinuitäten, an denen man sich trotz allem weiterhin orientieren könne. Nach meiner Diagnose dramatisierte Wolfgang Streeck diese Situation allerdings apokalyptisch. Schon im Titel seines eindrucksvollen Buches voller Fallstudien gefährdeter Nationalstaatlichkeit baute er eine Entscheidungsalternative auf. Im EU-Kontext werde nur besonders deutlich, dass Nationalstaaten heute zwischen Globalismus und Demokratie zu wählen haben. Weil sonst … ? Meine zur Vorbereitung auf ein Symposion schnell skizzierten Diskursanalysen verzeichneten ein mythisches Rekonstruktionsmuster, das auf der Letztbegründungsebene verankert war, aber politisch bedenkliche Alternativen nahelegte. Der neuzeitliche Nationalstaat war dort als zwar skalierbare, aber naturwüchsige Größe mit einem gesunden inneren Maß dargestellt, das von finsteren (EU-) Mächten im Bündnis mit korrupten nationalen Eliten aufgelöst werden soll in ein diffuses Superstaat-Gebilde hinein. Der ideologische Sieg einer Gruppe von Neoliberalen sei bereits erfolgt, so dass nationalstaatlich verantwortete Regulierungen einer entfesselten Wirtschaft ständig durch Brüsseler Lobbyarbeit ausgehebelt werde. Dort seien aber in der Verwaltung gleichzeitig politische Notfall-Putschisten am Werk, die in Carl-Schmitt-Manier die Handlungsfähigkeit der Exekutive gegen parlamentarische Lähmungen sicherzustellen versuchten. Dass diese verwirrenden Analysen in alarmistischer Manier zugleich mit der scheinbar resignierten Behauptung vorgetragen wurden, politische Analysen seien eigentlich wirkungslos: das veranlasste nicht nur mich zu Rückfragen an den Autor nach seinen (quasi-religiösen, ideologischen?) Intentionen. Das Epochenwende-Modell versorgte mich dabei mit diskurskritischen Entmythologisierungs-Argumenten, die auf der Letztbegründungsebene ansetzten und – sondierend – hinunterreichten in die Vernetzungsrealitäten von Regulierungsdiskursen unter den Rahmenbedingungen nachneuzeitlicher Staatlichkeit. Die Alternative, die sich abzeichne, sei eigentlich lokale wie globale Koordinierung, nicht die von Streeck nahegelegte abschottende Ausweichbewegung ‚nach unten‘.30
Damals war ich fast versucht, den zweiten Autor, der mich beschäftigte, als nächsten Themengeber dieser Runde vorzuschlagen. Ingolf U. Dalferth hatte sich schon in der Festschrift für meinen theologischen Lehrer Eberhard Wölfel durch einen Beitrag mit dem damals wegweisenden Titel Zeit der Zeichen von einem neuzeitlichen Epochennarrativ entkoppelt.31 Als Krise der öffentlichen Vernunft diagnostizierte er nun deren ‚ochlokratische‘ Bedrohung durch die neuen Medien – und schlug eine Lösung vor, die ich allerdings zunächst nur als neuzeitlich-kantianisches Narrativ rekonstruieren konnte. Die gesellschaftliche Freiheit werde bewahrt, wenn man ihren privaten religiösen Gebrauch und deren theologische Reflexion entkoppelt. Der institutionelle Fortbestand theologischer Fakultäten sichere dann den doppelten Gebrauch dieser Freiheit durch ideologische Enthaltsamkeit, denn ein sachgemäßer Vernunftgebrauch schließe genau dort die Verzweckung des Gottesbegriffs aus: „(D)as Offenhalten dieser Lücke im wissenschaftlichen Diskurs ist die Aufgabe der Theologie an der Universität … Denn Gott erklärt nichts, aber alles impliziert seine Wirklichkeit.“
Dalferth landet dort, wie eine Rezensentin schrieb, „nach gefühlt 5300 Einzelunterscheidungen“, in denen er sich wie von Weizsäcker jeweils auf die andere Seite der institutionellen Praxis begibt, aber wie Pollak auch bei seinen Anschlussunterscheidungen argumentativ stets vor jener Forschungstriade verbleibt, in der die immer schon gegebenen Voraussetzungen jener Disktinktionen in den Diskurs eingehen. Was aber geschieht, wenn auf diese Weise Vernetzungsaspekte wiederholt, gar dauerhaft ausgeblendet werden? Auch das wird hier dauerhaft eindrücklich demonstriert. Nicht nur Rezensierende reiben sich die Augen, wenn sich in den semantischen Zwischenräumen jenes großen Diskurses zielstrebig ein Narrativ entfaltet, das im fälligen Streit der Fakultäten weder bei einer quantitativ messenden oder qualitativ nachfragenden Religionssoziologie landet noch beim eigentlich Dalferthschen Metier einer Religionsphilosophie oder bei einer philosophischen Ethik. Stattdessen legt sich ein sehr voraussetzungsreiches religionspolitisches, wenn nicht kirchliches Rettungsprojekt nahe. Neuvernetzung aus dem Nichts! Kopien des Dalferthschen Lösungsmusters, die ideologisch sterilisiert ohne dauerhaft immunisieren zu können, müssten in den institutionellen Überschneidungsbereichen einer hierzulande noch universitär ausbildenden Kirche ihren institutionellen Sitz im Leben erst noch finden, um den in Aussicht gestellten gesellschaftlichen Beitrag tatsächlich leisten zu können. Hier zeichnete sich auch keine Zwischenlösung ab, sondern eine asketische Überforderung, die mich damals verstummen ließ.32
Stattdessen habe ich mich dann entschlossen, mein eigenes theologisches Narrativ nicht nur offenzulegen, sondern schon in dieser Einleitung als App-Kontext zu dokumentieren. Ich testete das hier vorgestellte Modell damals im Zusammenhang eines Corona-Diakonie-Projekts, als die Ukraine-Krise eine ‚Zeitenwende‘ zwar nicht wirklich bewusst, aber zum Thema des öffentlichen Diskurses machte.33 Dass und wie dabei Letztbegründungen und Digitalität gleichzeitig zum Epochenthema werden sollten, hatte ich aber schon vor jener Krise in einem Beitrag ausgerechnet zur Militärseelsorge darzustellen versucht, aus dem ich jetzt einfach zitieren kann: Die Leitparameter eines neuen Weltbildes bestimmen Tiefenschichten unserer Kommunikation mit uns und mit anderen: ob wir wollen oder nicht. Schon der moderne Theologe Rudolf Bultmann warnte davor, dass man sich einer solchen Verschiebung nur um den Preis kognitiver Dissonanzen entziehen kann. Wo finden wir Halt, was trägt uns heute?
Auch für den jüngsten Versuch von Jürgen Habermas, unsere gegenwärtige Situation immer noch von der abendländischen Philosophie her zu verstehen – als Konstellation von Glauben und Wissen34 – gilt noch die Diagnose des Systemtheoretikers Niklas Luhmann: Das sind Varianten eines historischen Narrativs wie die Sagas vom „Kampf der Kulturen“ (Samuel Huntington) oder vom „Ende der Geschichte“ (Francis Fukuyama).35
Erschließt sich dann „Alles unter dem Himmel (Vergangenheit und Zukunft der Weltordnung)“ wieder hierarchisch geordnet als universales Gleichgewicht: ‚Tianxia‘, als Sein, aus dem sich das Sollen ablesen lässt – wie der chinesische Philosoph Zhao Tingyang vorschlägt?36 Diesmal von der Partei, statt von der Kirche vorgelegt: nur damit ringsum und überall Frieden herrscht, möglichst auch mit der Natur? „Vernünftige Freiheit“, das normative Fazit von Habermas, lässt sich auch anders begründen, erschließen und leben.
„Siehe, es ist alles neu geworden“ (2. Korinther 5, 17), ist eine christliche Grunderfahrung, die sich in der Reformation neu erschloss. Sie verlängert die antitraditionale Traditionslinie jener Philosophen und Propheten, die als Reaktion auf das epochale Leitmedium Schrift das mythische Weltbild blinder Traditionsbefolgung überwunden hatte. Sie ist die Außenseite einer Gotteserfahrung, die sich stets von unten und von den Rändern her erschließt. Stallgeburt und Kreuzestod Jesu verlängern jene verdeckte Siegeslinie des jüngeren Sohnes, den die verworfenen, ausländischen, missbrauchten Frauen im Stammbaum Jesu repräsentieren (Matthäus 1,1-17) und an die Paulus wieder anknüpft, wenn er diese Botschaft uns – den Heiden – bringt. Dieser kreative, ja revolutionäre Algorithmus aller Schriftreligionen (der in den Mythen und Gutenachtgeschichten der Kinder schlummert) bewährt sich auch in säkularen Kontexten, aber er muss immer wieder neu entdeckt werden. Wir können uns selbst in Begegnungen mit anderen neu erfahren, weil wir von einem tiefen und vorgängigen Ja zu uns leben. Gott, der sich früher oben, dann als ‚Tiefe des Seins‘ erschloss, bleibt nicht als Inbegriff abstrakter Allmacht bei sich selbst, sondern geht mit uns durch die Zeiten. So legt das auch Alfred North Whitehead nahe – eine der Gründergestalten unseres digitalen Zeitalters, dessen Prozessphilosophie auch eine zeitgenössische Prozesstheologie inspirierte. Sie ergänzte jene abendländischen „Fußnoten zu Plato“, die Gottes Wesensnatur thematisieren, durch die Orientierung an jener „galiläischen Vision der Demut“, die wie im Hymnus des Paulus (Philipper 2,5-11) Gottes sich mitteilende ‚Folgenatur‘ als Ursprung und Prinzip unserer Welt im Ganzen erschließt. Er ist „der große Begleiter – der Leidensgefährte, der versteht.“37 In unserer Welt werden Nationalstaaten noch lange die wichtigste regionale Regulierungsinstanz bleiben. Aber an Bord des Raumschiffes Erde werden sie alte wie neue Aufgaben nur gemeinsam – vernetzt – lösen können. Und auch die Landeskirchen und Bistümer werden sich von ihren inneren und äußeren Rändern her neu vernetzen müssen, wie netzvermittelte Gemeinschafts- und Gemeindeformen zeigen. Aber wenn sie so wie die anglikanische Kirche im Netzzeitalter nach ‚fresh expressions of church‘ suchen, können sie wie wir alle darauf vertrauen, dass dieses Netz uns tragen wird. Es ist zwar nicht selbst die Botschaft (gegen McLuhan). Aber zwischen seinen Maschen werden wir erwartet.38
Für mich rundet sich das so, dass ich den ganzen Controllingcard-Stapel beiseitelegen kann. Mit einem immer noch respekt- aber kaum noch neidvollen Blick auf komplexe Forschungsleistungen, eindrucksvolle Darstellungen und präzise Argumentationen. App und Zauberwürfel lassen an diesen Beispielen besonders deutlich hervortreten, dass Theologie wie Philosophie im Letztbegründungsbereich des Modells Fragen des Weltbildwandels thematisieren und bearbeitbar machen können. Im systemischen Kontakt zu empirischen und praxisorientierten Fragestellungen, orientiert an naturwissenschaftlicher Methodik und empirischen Fragestellungen, reflektieren sie in Theorie, Praxis und Verarbeitung immer nur denselben Anfangsimpuls und generieren immer aufs neue radikale und nur scheinbar banale Rückfragen. Was ist es eigentlich, worauf die Datenkonstellationen der verwendeten Modelle verweisen (die religiös oder politisch engagiertes Verhalten messen) – gerade durch ihre interessanten Störungen? Und wie können wir unsere Nachfragen und unsere Modelle weiterentwickeln, statt in unseren Routinen zu verharren? Was ist es eigentlich, was wir dabei selbst gerade erfahren, erstreben, tun – und mit und für wen tun wir das eigentlich? Und last not least: Welche Basisunterscheidung haben denn die Forschenden getroffen oder umgekehrt: Welche Grundannahmen setzten sie weiterhin ungeprüft voraus, wenn sie nicht von einem Weltbildwandel beim Übergang ins Netzzeitalter ausgehen? In einem Forschungsrojekt hat Gabriele Dürbeck das Spektrum möglicher Letztbegründungs-Narrative im Epochenwandel für das ‚Anthropozän‘ aufgezeigt. Es umfasst neben diesem Deutungsversuch von Paul Crutzen und anderen auch die Gaia-Theorie des ‚Novozäns‘ von Paul Crutzen und philosophisch-ethische Versuche wie die von Markus Gabriel – und das in der nachwirkenden Tradition von ganzheitlichen Theorien aller Art.39 Sie sollten stets kritisch sowohl auf ihre mitlaufenden Voraussetzungen als auch auf ihre Anwendungstauglichkeit überprüft werden. Bei ihrer Anwendung sollten jene Voraussetzungen benannt werden und erkennbar bleiben, damit sie nicht desorientierend und gemeinschaftsgefährdend wirksam werden. Besonders dann, wenn sie dann mit einem tief ansetzenden und machtvoll wirkenden Umsetzungsmodell verwendet werden. Als Bemerkung zu meiner eigenen Cyberreligion möchte ich daher noch hinzufügen: Die theologische Pointe des Whitehead-Ansatzes ist, dass mit den Intentionen unserer Entscheidungen auch wir selbst aufgehoben bleiben im Gedächtnis Gottes. Daran gemessen ist ‚Evolution‘ keine Lösung des Anfangsproblems: Es ist so nur anders benannt. Das gilt aber ebenso für einen ‚Kreationismus‘, in dem Gott auch nach jener anfänglichen Setzung noch gestaltend in den Ablauf des Weltendramas eingreift. „Durchbrechen der Naturgesetze?“, fragte mein theologischer Lehrer Eberhard Wölfel, als fromme Studierende ihn zum Bekennen eines naiven Wunder- und Auferstehungsglaubens bewegen wollten: „Soweit ich ihn kenne, ist das nicht sein Stil.“40
Aber selbst ein allmächtiger, allwissender, ewiger Gott kann nur Erfahrungen machen, wenn er sich ganz auf uns und unsere Welt einlässt. In seiner Schöpfung gilt es nicht nur, Kreativität und Solidarität zu bezeugen, sondern auch Leid, Schuld und Versagen zu ertragen – die uns sonst auch zu Recht an seiner Güte zweifeln lassen müssten. In unserem Weltbild sehen wir das expandierende Weltall auf den physikalischen Wärmetod zulaufen, während sich gleichzeitig immer komplexere Strukturen ausbilden – wie die unseres Gehirns, das jenem allgemeinen Ende und seinem eigenen Tod entgegensehen kann und muss.
Bis dahin treffen wir im Schnittpunkt eines raumzeitlich definierten Ereigniskegels Entscheidungen unter prinzipiellem Informationsmangel – im Wissen, dass deren nicht intendierte Nebenfolgen früher oder später den Systemzustand bestimmen werden. Wir können uns dabei aber auch mit dem Ursprung jener Kreativität, die uns möglich ist, verbunden fühlen und uns an jener sachgebundenen Freiheit orientieren, die sich dabei entfaltet. Auch so lässt sich ‚Digitalität‘ verstehen.

- Die Grundsituation innovatorischen Handelns im Epochenzusammenhang (Hinaus ins Freie!)

Ring. Ring! RING-RING!! – In der Matrix weckt das Telefon und jetzt stellen Sie fest: Sie sind gemeint! Eingesponnen in die die Netze, die Sie umgeben, schwimmt Ihr erwachendes Bewusstsein einem fernen Licht entgegen, aber Ihre Arme greifen ins Leere und Ihre Beine bringen Sie nicht voran, weil Sie sich noch in einer Traumwelt orientieren. Jetzt haben Sie den Ruf gehört und müssen hinaus ins Freie: in die Welt und zu den anderen, um sich am Ende des Tages wirklich frei und wirklich geborgen fühlen zu können. Wie ein Echo des Urknalls wiederholt sich das Anfangswunder, mit dem das bis dahin nur Mögliche jetzt in Erscheinung tritt, am Anfang und am Ende jeder großen und kleinen Erzählung immer wieder neu: am Anfang einer neuen Epoche ebenso wie beim alltäglichen Übergang von der syntagmatischen zur paradigmatischen Orientierung – auf und zwischen allen Systemebenen, auf denen Sie sich orientieren. Jetzt allerdings entlang eines sich entfaltenden einzigartigen Narrativs: Ihrer eigenen Geschichte. Als die ersten ‚Freigelassenen der Schöpfung‘ brechen wir immer wieder neu auf – bis zum Schluss.41

Aber noch sind es fest gefugte und von anderen gebaute Wände, auf die Sie jetzt innerhalb von Häusern und in Städten und Landschaften blicken, die Sie gemeinsam mit anderen bewohnen. Und wenn Sie jetzt unentschlossen oder unbestimmt suchend in diesem Buch blättern, so sollten Sie wissen, dass sie mit jenen bis jetzt nicht nur eine gemeinsame Sicht auf die gegenwärtige Welt und deren Geschichte teilen, sondern auch fest gefügte Rahmenvorstellungen über eine gemeinsame Zukunft, die sich ereignet, wenn sich nichts ereignet. Der Blick des Innovators, den Sie jetzt haben, stört dort in der Regel, in all diesen Gemeinsamkeiten würden sich Haarrisse nicht nur zeigen, sondern zum Thema werden. Und der Instrumentenkoffer, den Sie bald bei sich haben werden, wird beäugt werden, wie ein verdächtiger Geigenkasten im Chicago der Dreißiger Jahre.
Noch können Sie dieses Buch schließen und beiseitelegen, so wie man sich im Schlaf auf die andere Seite dreht. Wenn sich aber vor Ihnen ein Raum der Möglichkeiten erschließt, weil Sie draußen waren, wird Ihnen das scheinbar festgefügte ‚Haus des Seins‘, so wie es ist, wie ein Gefängnis erscheinen, und Sie werden Aufbruchs- als Ausbruchsmöglichkeiten identifizieren.
Das war schon im gnostischen Mythos so. In ihm wandelt der Erlöser durch diese Scheinwelt voller Leid und Tod, um unsere versklavten und betäubten Seelen an ihre himmlische Heimat zu erinnern. Sobald wir ihm glauben und nachfolgen, ‚steigen wir auf‘ und kehren mit ihm dorthin zurück.42 In der hinter uns liegenden Neuzeit bedrohte die Realität als ‚graue Zeit‘ die besseren Phantasiewelten, die sich durch Bücher erschließen und immer wieder neu erschließen können.43 In allen epochenspezifischen Drehbüchern ver­heißt Erkenntnis Erlösung – aber sie muss nirgendwo eine bloße Flucht aus der Wirklichkeit bedeuten. Oder doch?
Nicht zufällig prägte die Film­saga „Matrix“ die Bildvorstellung für die tragende Netzmetapher unse­rer noch jungen Epoche. Erwachende aus einer virtuellen Welt empfinden das Netz, das sie geschützt und genährt hat, als Gefängnis, nicht als Mutterleib. Die Matrix unserer Epoche ist das Leitmedium elektronische Vernetzung. In ihr setzt Innovation an bei der Welt, wie sie ist – sie nimmt sie allerdings vor dem Hintergrund ihrer Möglichkeiten vertieft wahr. In schmutzige Details verliebte Dystopien44 sind dabei oft hilfreicher als ästhetisch glatte Utopien, weil sie in jeder der ‚Welten am Draht‘ den Blick auf interessante Störungen lenken – so wie das empiri­sche Forschung tut oder Planung im Kontakt mit unzufriedenen Kunden.
Aber wie im Film folgt aus der bloßen Ansage, Sie seien bislang im Netz gefangen gewesen, die Verpflichtung zur Solidarität mit der kleinen Gemeinschaft, in der sie agieren, und zur Verantwortung für all die anderen und für deren immer auch schützende Traumwelt.
Für all diese müssten Sie sich nun gemeinsam einsetzen: durch Lernen und Leiden, in einer endlosen Kette von Kämpfen und Niederlagen. Aus jenen Träumen scheint es nur ein böses: ein schmerzliches Erwachen zu geben. Warum sollten Sie sich das antun?

Digitalisierung erhellt die Grundsituation innovatorischen Handelns in vernetzten und sich überlagernden Kontexten von außen wie von innen. Aus den basalen Operationen des Unterscheidens, Benennens und Kopierens gehen die denkbaren Welten aller logischen und mathematischen Bezüge hervor und die möglichen Welten, die sich daraus konstruieren und benennend rekonstruieren lassen. Vernetzen, Transformieren und Neubenennen erschließen die Welt, in der wir leben, immer wieder neu, und machen sie im selben Prozess erfahrbar, in dem sie entsteht. Zeichen sind die Grundbausteine unseres Weltbildes und aus unserer Perspektive betrachtet: aller Weltbilder.
Wir agieren und interagieren als lebendige Systeme mit anderen und inmitten anderer belebter und unbelebter Systeme. Durch die Produktion und Reproduktion von Zeichen verändern wir allerdings auch unablässig diese Gesamtkonstellation: unsere Welt. Über das, was es dort zu sehen gibt und was dort zu tun ist, können wir genau deshalb streiten, weil wir uns kommunikativ und intuitiv immer schon darüber vorverständigt haben, worauf wir gemeinsam blicken und worum es dabei geht. Und das sind nicht mehr nur bloße Benennungen und Neubenennungen, sondern auch Vernetzungen und Transformationen, in die hinein wir jene Bezugskonstellationen projizieren und in der sie sich so oder so brechen und spiegeln. Als Zeichenproduzenten entscheiden wir selbst noch auch darüber, wie und von wem wir beobachtet werden – und was daraus folgt.
All das spiegelt sich in der Dauersituation, in der wir (wie alle Lebewesen) unter Informationsmangel Entscheidungen treffen müssen, deren Ausgang nie völlig gewiss ist. Wir sind also immer schon Akteure, die im Kontext von Innovationsprozessen handeln. Bewusst wird das aber erst durch Irritation: wenn etwas wirklich Neues in die Welt gesetzt wird, oder bei einem Wechsel der Weltbilder: nach einem Epochenwandel, wie er sich jetzt vollzogen hat. ‚Digitalität‘ ist am besten als Schnittstelle zu verstehen, die hier und jetzt diese beiden Themen miteinander verbindet. Wenn wir uns jener unhintergehbaren Grundlagen unseres Weltbildes bewusst sind, können wir uns, so hoffe ich, konzentrierter und wirksamer dem Neuen zuwenden, das stets auf uns zukommt – das wir aber mitgestalten können, wenn wir das wollen.

Wie und woran aber werden Sie sich nach jenem ersten Schritt noch orientieren können, wenn Sie mit dem ersten Griff in die Wand des Vorhandenen jene Welt verlassen haben werden, die sich Ihnen und allen anderen als wenn auch brüchig gewordene Realität präsentiert? Wenn jene digital erschlossene mögliche Welt Sie als neue Realität umgeben wird? – Heute wird der Aufbruch in anders mögliche Welten anschaulich in Comic-Erzählungen dargestellt. Mit einem leichten Absprung hinein in eine immer schneller werdende Bewegung (durchs Fenster, vielleicht möchten Sie stattdessen aber auch nur durch einen Spiegel schreiten) verlassen wir unsere Welt und blicken nun gemeinsam auf diese hinab. Als eine von vielen möglichen, die wir nun ebenfalls entdecken. – Ich lade Sie ein zu einer großen Reise.

Abbildung I- 14: mögliche Welten (aus: Marc Antoine Mathieu, Die 2.333 Dimension (Jules Corentin Acquefacques. Gefangener der Träume Bd. 5, 2004)

Abbildung I- 14 45

Sie können nun sogar uns beiden über die Schulter schauen. Und wiederum zeigt sich: Auch diese möglichen Welten lassen sich unterscheiden und beschreiben, einander zuordnen und überblicken. Sie lassen sich einzeln und in Gruppen zählen.
Übungsaufgabe I-4: Wie nehmen Sie diese Welten aus Ihrer, aus meiner, aus unserer gemeinsamen Perspektive wahr? – Und was ist mit dem Autor?
Und wieder: Wofür stehen jetzt die Nullen – so dass Sie mit ihnen wieder benennen oder zählen oder deren Folge unterbrechen und neu benennen (anders unterbrechen, zählen) könnten?

Nach unserer: Ihrer Rückkehr hat sich wenig, scheinbar nichts an den Rahmenbedingungen dieser Welt geändert. Aber sie ist jetzt eine andere geworden. Was vorher dort möglich war, ist durch Sie jetzt wirklich geworden (oder es hat sich klar als unmöglich erwiesen: was die Welt und Sie ebenfalls verändert).

Die zurückliegende Epochenwende hat sich als Weltbildwandel vollzogen, und dieser macht ‚Digitalisierung‘ als etwas bewusst, das alle Prozesse und auch alle Themen vorab interpretiert, auf die wir uns im Folgenden einlassen werden. Es geht dabei eben nicht nur um bestimmte Vernetzungs- oder Sprach­ereignisse überhaupt. Sondern alle dadurch benannten Inhalte begegnen uns im Rahmen des vorgegebenen Epochenzusammenhangs immer auch als weltbildlich vorinterpretierter Sprachbausteine mit einem bestimmten erzählten Inhalt. Das erhöht die Orientierungsanforderungen – eröffnet aber auch neue Chancen, wenn wir uns engagieren.
Nur wenn Sie die besonderen Möglichkeiten unseres ‚digitalen‘ Zeitalters perspektivisch wahrnehmen, werden Sie diese auch ergreifen können. Auch die Kombinationsregeln vernetzter und benannter Weltbausteine sind einfach und werden sich aufdrängen wie beim Legospiel, wenn man Fugen, Farben und Verbindungsmöglichkeiten beachtet. Und die allen Mitspielern vorgegebenen Regeln eines funktionierenden Zeichenaustausches sind evolutionär so tief verankert, dass selbst der Wandel von Weltbildern sie nur überlagern kann. Digitalisierung erweist sich so als vorgegebene Bedingung aller Möglichkeiten, in den vernetzten Zusammenhängen unserer Epoche Neues: benennbare neue Netzgestalten zu generieren.
Heute existieren alle Weltbildbausteine als Netzbausteine, die sich auf unterschiedlichen Ebenen aktualisieren lassen. Ein, beziehungsweise Ihr Willensimpuls kann diese sogar in lebendige Netzbausteine: ‚Avatare‘ verwandeln. Ich habe diese Bausteine daher nicht nur im bloßen Vorgriff ‚Zauberwürfel‘ genannt, und die Entsprechung zur Innovations- als ‚Zauberformel‘ ist kein Zufall: Wir werden unterwegs Modelle nutzen können, die zeigen, dass sie nur deren andere Darstellungsform sind. Angesichts dieser neu sich erschließenden digitalen Potenziale kann man in Panik geraten oder in Hysterie verfallen; beides ist gut belegt. Tiefe Innovation, der Ansatz von dem wir ausgehen und den ich hier vermitteln will, kann im Gegensatz dazu vor dem Hintergrund der neu sich erschließenden Möglichkeiten gute Entscheidungen vorbereiten und soll zwischendurch und unterwegs auch zur Entspannung beitragen.

Machen wir hier eine kleine Pause. Das für die Praxis Entscheidende haben Sie bereits gelernt. Eigentlich kommt nun nichts wirklich Neues mehr. (Das werde ich allerdings noch öfter sagen.) Denn damit haben Sie schon jene Grundunterscheidung eingeübt, mit der Formel und App operieren. Sie steht im Zentrum unseres holografisch strukturierten Curriculums, und sie werden durchgehend damit üben, wenn Sie es absolvieren, oder damit arbeiten, wenn Sie es absolviert haben.
Am Anfang eines jeden Auftrags äußert sich jene Grundunterscheidung als professionalisierte Unterscheidungskompetenz: Belassen wir es bei einem neugierigen Interesse an einer neuen Idee, bei einem beiläufigen Rat oder einer bloßen Empfehlung – oder unterbrechen wir unseren Alltag und denjenigen derer, die sich uns anvertrauen, und gründen oder begründen etwas Neues, oder beginnen auszubilden, zu coachen oder zu beraten? Nur der professionalisierte Beobachter, der Beobachter beobachtet, sieht dann, was die Beteiligten erst später erkennen und was nur, wer sich selbst beobachtet, auch gleichzeitig erfährt: dass jede Unterscheidung Vorder- und Hintergrund so unterscheidet und dass der blinde Fleck im Rücken der Entscheidung erkennbar und benennbar wird. Sie war nicht voraussetzungslos und sie stellt Weichen in die Zukunft.
Zwar erweist sich als Anlass einer jeden Unterscheidung eine irritierende Störung des Gewohnten, die alles in Frage stellen mag. Aber Abkopplung, Neuvernetzung und Rückkopplung lassen das Neue nicht nur hervortreten, sie fordern den Beobachtenden auch dazu auf, es zu benennen und sich im Bezug darauf neu zu positionieren. Ihre Konsequenz ist in jedem Fall Orientierung.
Diese Kompetenz prägt anschließend unsere Praxis und äußert sich am deutlichsten (vielleicht auch am häufigsten) durch eine internalisierte und habitualisierte schwebende Aufmerksamkeit. Über dieser wacht ein Drittes Auge, das uns selbst und der Person, mit der wir im Vordergrund arbeiten, über die Schulter blickt; um die eine interessante Störung wahrzunehmen, die wir zum Ausgangspunkt unserer nächsten Intervention machen.

Übungsaufgabe I-5: In unseren Ausbildungen unterbricht die Selbstorientierung an einer solchen scheinbar starren Grund- oder Nullposition, in der man noch oder wieder ‚ganz bei sich‘ ist, die phasentypischen Kommunikationshaltungen von Beratern oder Moderatoren. Diese rhythmisierte Unterbrechung im ‚Tanz‘ des Prozesses bedarf allerdings selbst der Übung, und auch ich muss das immer wieder neu lernen.

In jedem Fall sind Sie jetzt in dieser Position (Switch!).

Aber es geht schon weiter, wenn Sie nur die Seite umschlagen. (Und sie entkommen dem nicht durch eine Netzversion des Buches.)

3. Kontext, Aufbau und Anwendung dieses Buches

Digitalisierung als Epochenmerkmal umgibt uns wie eine Matrix, weil nach dem linguistic turn, der die Epochenwende einleitete, die flirrende Folge von 0 und 1 unser vernetztes Dasein ebenso durchdringt wie jede mögliche Kommunikation darüber. Tiefe Innovation weist den Weg hindurch und hinaus, weil sie einer Formel folgt, deren Algorithmus die narrative Entfaltung des Neuen abbildet. Der Regelmechanismus unserer Gründungs-App kann sich daher in beruflichen wie in privaten Netzwerken, in Beratungen und Ausbildungen ebenso bewähren wie bei der bloßen Lektüre oder in eigenen Anwendungsversuchen. Das bestimmt auch den Veröffentlichungskontext des Buches, in dem ich davon erzähle, seinen fraktalen Aufbau sowie dessen holografisches Vermittlungs- und Anwendungsprinzip.

- Veröffentlichungskontext

Schon der Untertitel „Zwischen Kreativität und Schöpfung III“ verweist darauf, dass dieses Buch in einem größeren Veröffentlichungskontext gelesen werden kann. Nach ‚Innovation‘ (Band 1) und ‚Regulierung‘ (Band 2) geht es im dritten Band um die praktische Vermittlung einer beide Aspekte des Neuen verbindenden Theorie Tiefer Innovation. Auch im Innovations- und im Regulierungsband habe ich mich immer wieder auf eigene Praxis- und Projekterfahrungen als Ausbilder und Berater bezogen und auf vernetzte Zusammenarbeit im Kontext des Instituts und des Zentrums für Wirtschafts- und Sozialethik (IWS) und von Firmen wie dem Frankfurter QRaftwerk, die wir gemeinsam gegründet – oder auch wieder geschlossen beziehungsweise verkauft haben. Für mich ging es dabei stets um Projekte angewandter Grundlagenforschung, und daher habe ich mich bei der Darstellung jener Erfahrungen derselben Theorieansätze und Methoden bedient wie bei der praktischen Arbeit selbst.
Das bedingte Vor- und Rückgriffe, Überschneidungen und Wiederholungen, wie sie auch in diesem Band zu finden sein werden. Sein spezifisches Thema ist dabei nicht die potenzielle Integration von Innovation und Regulierung als Abschlussteil jener anwendungsbezogenen Innovationstheorie, von der ich in jeden der anderen beiden Bände häufig ausgehen konnte, um mich auf Marktprozesse zu beziehen. Sondern es geht auch in ihm um jene Integration von Theorie und Praxis, auf die wir angewiesen sind, wenn wir uns zu Beginn einer neuen Epoche, im Kontext eines sich vollziehenden Weltbildwandels gut auf das sich aktualisierende Neue einstellen wollen: denkend und handelnd, verarbeitend und herstellend, alleine wie kooperierend. Innovation und Regulierung waren und sind zwei Aspekte desselben Geschehens. Es ist tief in den sich überlagernden Prozessen unserer immer schon vernetzten Welt verankert. Es fordert uns aber auch immer wieder neu zur integrierenden Neuorientierung auf, sobald wir davon erfasst werden.
Es ist eher unwahrscheinlich, dass Sie dieses Buch als dritten Band einer Hardcover-Reihe in einer Buchhandlung gekauft haben – auch wenn ich mir das in meiner Rolle als Autor, besetzt von einem alten weißen Mann, natürlich sehr wünsche. Nachdem sich schon die Publikation des weitgehend fertiggestellten zweiten Bandes immer mehr verzögerte und der Aktualisierungsbedarf bei beiden Bänden immer mehr wuchs, konzipierten wir gemeinsam das gesamte Veröffentlichungsprojekt vom dritten Band her neu: Tiefe Innovation als innovatives Netzprojekt – mit Printversionen als Meilensteinen. Das passt! (Und das passte mir als Autor.)
Im Projektplan sind die Printversionen Kristallisationskern und Katalysator einer sich bildenden Netzcommunity, deren virtuelles Mitglied Sie sind, wenn Sie dieses Buch lesen. Über die Projekt-Webseite sollen am Ende alle drei Bände verfügbar sein. Der erste Band möglichst in einer neuen Auflage – aber erst nachdem der zweite Band endlich veröffentlicht wurde. Dazu sollen vorab wiedergegebene Auszüge motivieren. Vom dritten Band wird der Einleitungsteil vorab veröffentlicht: vielleicht sogar ergänzt durch unser internes Handbuch, obwohl dieses in jenem Abschlussband phasenweise und kommentiert komplett wiedergegeben wird.
Die Veröffentlichung unseres Quellcodes und aller darauf bezogenen Beispielerzählungen aus Innovationsprozessen soll Sie als Mitglieder einer virtuellen oder (Klick!) realen Community dazu motivieren, mich als Autor und uns im Netzwerk herauszufordern, um diese und künftige Kommentare zu verbessern und zu aktualisieren.

Übungsaufgabe I-6: Schlagen Sie eigene Beispielgeschichten vor, die treffender und aktueller sind als die im Netz veröffentlichten.
Sie finden dann in der Buchhandlung oder im Netz, vielleicht aber auch im Community-Kontext eine Version, in die Teile Ihrer eigenen Userstory eingegangen sein könnten. Vielleicht sogar, auch das werden Sie auf dieser Webseite als Beispiel finden: in einer singulären NFT-Version.
Übungsaufgabe I-7: Schlagen Sie die Abkürzung im Netz nach! Und notieren Sie, welche Chancen Sie in dieser Möglichkeit sehen (die Risiken sind ja offensichtlich).

- fraktal-granularer Aufbau

Die Geschichte, über deren Beginn Sie mit Ihrer Lektüre entscheiden (oder schon entschieden haben), bestimmt auch Abfolge und Aufbau des Buches im Ganzen. Dem breiten Interessenspektrum, auf das ich mich beziehe, könnte man schlecht durch eine einfach gereihte Zusammenstellung erläuternden Materials entsprechen, das dann stapelweise an den sich abzeichnenden Stationen einer äußeren oder inneren Reise abzuladen wäre. Aber weder Praxis noch Theorie ermuntern dazu. Das Buch richtet sich vielmehr immer neu an jenem (App-) Algorithmus aus, in dem von einer singulären Anfangskonstellation her Neues als narrative Folge Gestalt annimmt. Indem ich Sie und Ihr innovatives Gründungsverhalten oder die Selbstbegründung ihres geänderten Verhaltens als Metanarrativ wie als Modell verwende, entfaltet sich Schritt für Schritt ein Prinzip der Selbstähnlichkeit.
Es generiert zum einen nicht nur in unterschiedlichen Buchteilen sondern und auch innerhalb der Buchkapitel mehrfach identische Themen. Sie ergeben sich unter wechselnden Aspekten und mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Rhythmus jenes Formel- und App-Algorithmus, der sich zusammen mit der exemplarischen Gründungsgeschichte des Innovators im Buch ebenso wie in seiner Anwendung entfaltet. Dadurch entstehen aber auch fraktale Entsprechungen über die generierten Ebenen hinweg – und sie sind durch ein Schema von internen Beziehungen mit einander verbunden, die nicht beliebig sind, sich gelegentlich sogar notwendig ergeben. Sie bedingen und erschließen ihrerseits sowohl die Auswahl als auch die Anordnung der beigegebenen Beispielszenen und
-geschichten.
Die sich überlagernden Anwendungskontexte werden dann für den mutigen Praktiker stets kreativ kombinierbar sein. Mit der App im Hintergrund und mit dem Buch in der Hand lassen sie sich eigenen wie fremde Ressourcen aber zuvor zielsicher und Ressourcen schonend (effektiv und effizient) erschließen. Durchgehendes Modellbeispiel des Buches ist ein Startup, das sich in einem vollständig (4.0) vernetzten Markt bewährt, das Sie aber auch als Unternehmerin oder Unternehmer Ihrer selbst repräsentieren würden.

Wie Sie im Inhaltsverzeichnis schon gesehen haben, zeichnen sich dann nach diesem Einleitungsteil I. Im Netz mit seinen vier Kapiteln 1. Digitale Transformation, 2. … im Epochenwechsel, 3. Kontext, Aufbau und Anwendung dieses Buches 4. Die App (Nullphase: 0 ← 10), in dem sich der Gründungsentschluss erst vorbereitet, Themenschwerpunkte ab, wie sie unsere App generiert beziehungsweise rekonstruiert.
- Die App signalisiert aber auch, dass einem im Einleitungsteil integrierten Einleitungskapitel (0 gefangen im Netz) ein Schlusskapitel (9 neu anfangen) entspricht. So wie dieses mit der Anweisung (10 → 0) auf die Einleitung zurückverweist, so greift diese das auf (0 ← 10), um diesen Prozess abzuschließen oder um hier nach Entscheidungsgründen für eine neue Rückkopplungsschleife zu suchen.
- Jeweils zwei der folgenden Sachkapitel lassen sich den klassischen Phasen des kreativen Gestaltbildungsprozesses zuordnen. Im Infektionsteil II generiert ein Gründungsbeschluss (Start) das erste Sachthema (Zielfindung) der ausgelösten App (1. ‚ins Netz‘) – gefolgt von der vorläufigen Selbstpositionierung des potenziellen Gründers im weltweit vernetzten Markt (2. ‚singulär werden‘).
- Die nur schematisch ausgeführten und um Zusatzmaterial ergänzten Inkubations- und Illuminationskapitel sind im Buchteil III zusammengefasst. Geht es im dritten und vierten Kapitel erst einmal um die im einzelnen angestrebten Marktziele und deren Netzposition (3. ‚singulär anbieten‘) und anschließend darum, was es überhaupt nutzt, wirklich kostet und was es daher eigentlich ist, das der Gründer dort für sich und für andere entwickeln könnte (4. ‚singulär einkaufen‘),
- beschreiben die Illuminationskapitel, wie das vor diesem Hintergrund eingeworbene Startkapital Vernetzungspotenzial erschließt und als intuitive Marktvorgabe aktualisiert (5. ‚den singulären Ort finden‘), um sich an vorhandene organisatorische und personelle Anknüpfungsmöglichkeiten zu koppeln (6. ‚den singulären Mix finden‘).
- Im abschließenden Implementierungsteil IV (mit dem Stopp-Signal) wird im siebten Kapitel zwischen Change- und (scheinbaren) Routineprozessen unterschieden (7. ‚den singulären Prozess finden‘), so dass das achte Kapitel ganz der ebenfalls hier zu integrierenden Ausstiegsperspektive gewidmet werden kann (8. ‚Ruhe finden‘).

Ich werde im nächsten Kapitel näher auf solche Modellbezüge eingehen, die uns U-förmig in Tiefenschichten des sich entfaltenden und doch in sich geschlossenen Transformationsprozesses führen: von unterschiedlichen Positionen aus über konvergierende Interessen hin zu jenen Bedürfnissen, die in uns allen ansprechbar sind – und dann wieder hinauf und zurück. Auf diesen Schichtebenen
- entspricht dem Einleitungs- das Schlusskapitel, und
- es entsprechen sich das zweite und siebte,
- das dritte und sechste,
- das vierte und fünfte Kapitel.

In diesem Prozess ist ebenso wie in der Metastory vom Gründer und seiner Gründung überall derselbe Algorithmus rekonstruierbar wie in jenem Ablauf eines Innovationsprozesses oder bei der Erfindung (Invention vs. Innovation), Entstehung und Marktdurchsetzung eines neuen Produkts. Im Aufbau dieses Buches entspricht dem ein trotz der durch das Gründungsnarrativ vorgegebenen wechselnden Themenschwerpunkte gleichbleibendes Kapitelschema des Materialbezugs:
- Der erste Kapitelabschnitt der Folgekapitel dokumentiert im Wesentlichen den auf die jeweilige App-Phase und ihr Kernthema bezogenen Abschnitt unseres internen Handbuches. Hier häufen sich in den Folgekapiteln technische Hinweise, die man zunächst überschlagen und später nachschlagen kann (Blue-Paper-Funktion).
- In den folgenden Kapitelabschnitten werden gelegentlich die die von der App vorgegebene Phasenaspekte durch exemplarisch vorgestellte Anwendungstools näher erläutert (vertiefte Blue-Paper-Themen), sodann werden Prinzipien-Themen der App-Anwendung vertieft, die sich durch den gestaltbildenden Prozessrücklauf nahelegen (White- und Greenpaper-Funktion, ergänzt durch das Zusatzmaterial der Buchteile II und III ).
- In einem Schlussabschnitt stelle ich dann jeweils zusammenfasssende und überleitende Aspekte des Kapitelthemas zusammen: mit einem Seitenblick auf phasentypische Schwerpunkte der Ausbildungsmodule und der Anwendungskontexte.
- Im Netz findet sich zu jedem Kapitel-Schwerpunkt Zusatz- und Übungsmaterial (in einer Werkzeugkiste mit Netzwerk-Links). Dort ist auch Platz, um auf Rückmeldungen und Veränderungsvorschläge einzugehen, die uns ‚unterwegs‘ erreichen.

- holografisch-granulares Vermittlungs- und Anwendungsprinzip

Der fraktal-granulare Aufbau des Buches spiegelt sich in einem holografisch-granularen Curriculum, das wir in unterschiedlichen Kontexten verwenden: therapeutisch, beratend, unternehmerisch – in Mediationssitzungen und Seminaren ebenso wie in Einzelgesprächen, Kursen und Ausbildungsgängen. Der ‚tiefe‘ theoretische Ansatz hat praktische Konsequenzen. Aber es gibt jedenfalls für mich selbst auch einen mitlaufenden Orientierungsanspruch, der mich bewegt und auch nach Niederlagen bei Anwendungsversuchen immer wieder neu motiviert.
Sie blättern in einem Handbuch mit unterschiedlichen Userstories und in einem Drehbuch, mit dem sich verschiedene Rollen erproben lassen. Damit diese Einleitung sowohl für sich als auch als theoretische und praktische Einführung funktioniert, ist sie als exemplarische Leser-Userstory konzipiert, in der sich eine exemplarische App-Einführung erst am Kapitelschluss findet. Stattdessen thematisiert die Formel jene Anfangs- und Zwischensituation, in der Sie und ich uns gemeinsam befinden. Nur (switch!) dass Sie das diesmal auch wissen und bereits jetzt und unterwegs immer wieder Neues erproben können!
Schon am Ende dieser Einleitung werden Sie sich in unserem vernetzten Epochenzusammenhang besser orientieren können. Sie lernen, Ihr Routinehandeln durch einen Blick über die eigene Schulter zu unterbrechen (switchen). Ein wichtiger Einstieg und Anfang für alle – und eine Entscheidungsgrundlage für die weitere Verwendung. Ich hoffe, dass man sich auch beim Einlesen auf das Großgedruckte, auf ein intuitives Verständnis der in Grafiken dargestellten Modellzusammenhänge – und auf das Üben und Erproben von dem konzentrieren kann, was sich so erschließt.
Als jemand, der sich so einliest, sollten Sie mit dem Aufbau und der methodischen Funktion dieses App-Handbuches so vertraut werden, dass Sie sich für eine bestimmte Anwendungsweise entscheiden können. Für Sie geht es zunächst um den Unterschied zwischen dem bloßen Weiterblättern und dem Entschluss, dieses Handbuch und damit Formel und App ‚gründend‘ anzuwenden. Nach diesem Entschluss werden Sie immer wieder hierhin zurückkehren, um sich über Ihre Position im Gestaltungsalgorithmus der App zu orientieren. Dann – und zwischendurch – ist Zeit für das anders Gedruckte und für Weiterführendes.
Dieser Band bietet Stoff zur informierenden Lektüre ebenso wie zum Selbststudium und zur Selbsthilfe Es soll als Begleitbuch zu Ausbildungen ebenso funktionieren, wie anschließend als Handbuch zum gelegentlichen Nachschlagen bei eigener unternehmerischer Tätigkeit oder in der Beratungspraxis. In all diesen Formaten und Funktionen geht das Buch selbst als Printmedium auf die Reise – wird aber zum Hybridmedium werden, das durch Links Brücken ins Netz schlägt und dort durch Rückkopplung selbst etwas Neues generieren kann: als Referenzmedium für eine sich bildende Community.
Wir hätten nichts dagegen, eine wachsende Community in unsere App-Entwicklung einzubeziehen. Konzeptionell beziehen wir die Formel aber zunächst auf Face-to-face-Curricula: auf einen Grund- und einen Aufbaukurs mit je zweimal vier Wochenenden im Kerncurriculum (denen also je ein Handbuch-Kapitel entsprechen würde); in Spezialausbildungen, als Berater oder Coaches in Inhouse-Seminaren, in Teamsitzungen oder in Einzelgesprächen. Hier wie in Ausbildungsübungen während des Grundkurses begegnet der Gesamtablauf in seinen unterschiedlichen Phasen und mit seinen wechselnden Schwerpunkten auch komprimiert: bis hin zu einem ‚Tanz des Innovators‘, in dem einer Phase eine typische Körperhaltung und Geste entspricht und dem Gesamtcurriculum ein internalisierter Bewegungsablauf (anwendbar als Skript für Trance-Prozesse und im mentalen Training).
Für solche Drehbuch- (Playbook-) Nutzungen, die jeweils in den ersten Abschnitten eines jeden Kapitels aufgelistet sind, finden sich an dessen Schluss im Werkzeugkasten Hinweise auf zusätzliches Lese-, Lern- und Übungsmaterial, vor allem aber auf Vernetzungsmöglichkeiten.
Durch jene Wiederholungen prägen sich also nicht nur die jeweils benannten Inhalte besser ein. Und holografisch abbildbare Überlagerungen erzeugen im Prozess mehr als nur Synergieeffekte. Die Ergebnisse unserer Ausbildung ebenso wie Beratungsdienstleistungen, die wir selbst als neue Produkte entwickeln, sind algorithmisch sich entfaltende Kopien einer Tiefenstruktur, die Neues in die Welt setzt. Sondern sie generieren auch komplexere Systeme, öffnen Dritte Wege – und erleichtern zugleich deren produktives Verständnis. Das holografische Vermittlungsschema ermöglicht beides, weil es zugleich tief verwurzelt und breit integriert ist. Und jene Kopien ‚machen Sinn‘, weil die Perspektive des Gründer-Innovators mit ihrer Hilfe unabhängig vom Thema, dem er sich zuwendet, eine Konzentration auf das Wesentliche bewirkt – das eben nicht das Offensichtliche ist.

Die Internalisierung dieses Schemas und dessen Anwendung aus jener Grundposition schwebender Aufmerksamkeit heraus (als Dittes Auge) haben Sie im Ansatz kennengelernt. Sie gehört zwar auch in den fast schon esoterischen Teil der Lehrer-Schüler-Beziehung – als oft beschworenes Gegenbild zu dem, was eine App-Vermittlung allenfalls leisten kann und was in vernetzten Communities Gestalt werden kann. Als Autor möchte ich aber auch an die Grenze dessen gehen, was sich per Buch vermitteln lässt. Daher beschließe ich jetzt den Darstellungsteil dieses Einleitungskapitels mit einem entsprechenden Abschnitt. Er bezieht sich hier natürlich auf die Nullphase der App.
In diesem Einleitungskapitel ist exemplarisch die Userstory für jemanden dargestellt, der sich neugierig, aber unentschlossen in ein Buch mit dem Titel Tiefe Innovation einliest und ausprobiert, was sich damit anfangen lässt. Weil dieses Kapitel eine Nullphase der App-Anwendung abbildet, kann seine Lektüre eine einführende Info-Veranstaltung ersetzen. Aufbau und Argumentation sind daher durch aufeinander aufbauende Erkenntnis- und Lernschritte bestimmt, und die Lektüre wird häufig von Übungsaufgaben unterbrochen, wie sie sich auch in der Netz-Werkzeugkiste finden.
Dieses Buches kann allerdings auch als Handbuch zu unserer Gründungs-App und als Begleitbuch zu Ausbildungen und Seminaren verwendet werden, in denen sie angewandt wird. Daher häufen sich in diesem und im folgenden Kapitel exemplarische methodische Einführungen und technische Elemente eines Blue Papers zur App. Die Einleitung soll für diese User als Einführung funktionieren.

4. Die App (Nullphase)

Eben standen Sie noch vor durchlässigen Spiegeln, flirrenden Wänden und wackeligen Bausteinen. Und Sie hatten meine langsam lästig werdende Stimme im Ohr, die Ihnen erzählt, was alles ‚drüben‘ anders sein könnte. Im Film „Matrix“ hätte dann ein Telefon in ihrer Nähe geklingelt, sie hätten jene eine bestimmte Türe gefunden und geöffnet – und befänden sich jetzt in einem Raum voller Bildschirme und hektischer Programmierer. Er gleicht allerdings eher der verschwitzten Kommandozentrale eines gejagten U-Boots (als die er sich dann tatsächlich erweisen wird) als einem Hightech-Büro für Gründer und Entwickler.

Ist das versprochene Erwachen also eher ein Alptraum als der Beginn einer neuen Reise? Es wird spannend werden, versprochen! Ich stelle Ihnen vor, wie Die App als Quellcode in der Phase 0 erst (App-) Struktur- und dann Gestaltwissen erschließt. Mit dem, was Sie jetzt bereits wissen, werden Sie mit allem ein wenig spielen können. Aber Vorsicht!

- Die App als Quellcode (Phase 0):

besteht auch bei uns aus einer Folge alltagssprachlicher Programmieranweisungen, die sich als verketteter Algorithmus entfalten sollen. Aus didaktischen Gründen haben wir auch in unserer internen Darstellung diese Anweisungen gelegentlich durch die Zuordnung von Modellen und Merksätzen intuitiv erläutert. Die Phase 0 ist dann so gestaltet:

Abbildung I- 15: App-Quellcode (Phase 0)

Sie sehen, dass Ihnen einiges bekannt vorkommt. Vor allem aber werden Sie nach einiger Zeit staunend erkennen, welche Vielfalt anknüpfungsfähiger Bezüge Ihr Vorwissen selbst aus der stark komprimierten Darstellung zunächst fremder Inhalte entfaltet.

Übungsaufgabe I-8: Lesen sie das Folgende ruhig als kleinen Abschlusstest: Da sind zunächst die Rück- und Vorverweise zwischen erstem und letztem Kapitel. Sie sagen (und bestätigen) nun, dass die Nullphase zwar immer einer Anfangsphase vorausgeht, dass sie aber auch eine Schlussphase sein kann – und auch dann noch als Zwischenphase angesehen werden kann.
Die beigegebenen Zahlen erläutern, warum das so ist. Die Nullphase ist Zwischenphase in verschiedener Hinsicht. Sie kann am Anfang und am Ende des Prozesses stehen und trennt diesen dann gewissermaßen ab vom trivialen Ablauf der Dinge – oder aber von einer Situation vor oder nach einer qualitativen Veränderung. Sie kann aber auch innerhalb des Prozesses für die Phase zwischen zwei Durchgängen stehen oder aber für den Sprung auf eine neue Komplexitätsebene des Prozesses.
0 und 10 stehen, so betrachtet, für …? Richtig! Für die digitale 0-1-Differenz. Das gilt aber dann auch …? Genau! 10.1 und 10.2 stehen für eine digitale Differenz zwischen Struktur- und Gestaltwissen innerhalb des vorausliegenden Endergebnisses, die zusammen etwas Neues ergeben: ein Prozesswissen (10), das in der Phase 0 einen Unterschied machen wird.

Das Switchen, das Sie erlernt haben, erleichtert sicher den Einstieg. Es wird später für die beim Einsatz der App immer schon vorauszusetzende ‚professionelle Grundkompetenz‘ stehen, bei der kritischen Beurteilung einer gegenwärtigen Situation unterschiedliche Aspekte von Vorerfahrungen zu aktualisieren. Die werden hier nur durch den Rückbezug auf das Schlusskapitel benannt und durch einen Vorgriff auf unterschiedliche IWS-Prozessmodelle intuitiv erläutert. - ‚Strukturwissen‘ (App)
„Triff eine Unterscheidung!“ Die Grundanweisung des Digital-Gurus Spencer-Brown, Unterscheidungen zu unterscheiden, setzt in der Anwendung die Kompetenz voraus zu erkennen, welche Unterschiede einen Unterschied machen zwischen dem, was bloß zu zählen und dem, von dem dann zu erzählen sein wird. Das bilden die beiden folgenden Programmierschritte der Phase ab. Der erste Schritt vollzieht die digitale Grundoperation exemplarisch. Lässt sich eine neue Situation ganz vom Strukturaspekt der bisherigen Prozesserfahrung her beurteilen: Tritt dabei nichts irritierend hervor, das benannt werden müsste, ist sie ‚trivial‘. Erläutert wird dies durch ein nur kategorial besetztes Funktionsmodell: das narrative Grundschema aller Projekte.
Die App-Konsequenz daraus heißt: „Nicht einschalten!“

Abbildung I- 16: App-Quellcode (Phase 0.1)

Die Konsequenz einer kompetenten Beurteilung der aktuellen Situation wird sogar in aller Regel sein, dass diese sich eben nicht qualitativ von dem unterscheidet, was vorher war und was nachher sein wird. Professionelles Handeln, das kann hier schon festgehalten werden, zeichnet sich wesentlich dadurch aus, zu wissen, was man nicht tun kann oder tun sollte – und was man daher nach einer bewussten Entscheidung unterlässt. Das geben wir unseren Absolventinnen und Absolventen am Anfang (als Erläuterung zu dieser Eingangsphase) und noch einmal am Ende ihrer Ausbildung explizit mit auf den Weg – als Zertifizierungsvoraussetzung:
Professionsethik: Wer sind wir? Wie stellen wir uns (konzentriert) in Erst- und Schlusskontakten dar?
Wir treten in Kontakt als Menschen, die viele Geschichten kennen und gut damit umgehen können. Wir nehmen nicht jeden Auftrag an und wir glauben nicht alles, was wir am Anfang zu hören bekommen. Wir nehmen aber immer die Menschen ernst, die uns etwas erzählen. So sichern wir den Kontakt. Und wir helfen ihnen, eine für sie wichtige Geschichte gut zu Ende zu erzählen. Wir können einen Kontakt auch gut beenden.
Das gilt für Männer und Frauen als Berater, Mediator, Coach (Supervisor) … sowie als Mentor unserer Community gleichermaßen. Sie unterstützen zwar die Rekonstruktion und Konstruktion unterschiedlicher Stories, aber sie wenden unsere zwischen Gestalt und Struktur vermittelnde Reißverschlussmethode stets in gleicher Weise an:
Sie folgen nach jeder Intervention (innerhalb jeder Technik, bei der Anwendung jeden Tools, bei jedem Entwicklungsschritt) mit gleichbleibender Aufmerksamkeit dem Verhalten und dem Tun der Menschen, die an ihrer (gemeinsamen) Geschichte arbeiten, bis sie eine Störung wahrnehmen. Diese nehmen sie zum Anlass und machen sie zum Auslöser der nächsten Intervention, die ‚zur anderen Seite der Münze‘ führt: vom Vordergrund zum Hintergrund des laufenden Prozesses.
Dieser Wechsel (Switchen) führt, inhaltlich immer abhängig von der jeweiligen Geschichte und vom Phasenschwerpunkt: vom Ist zum Soll, von der Quantität zur Qualität, vom einem zum anderen, von der Kennzahlenkonstellation zum Gestaltbild, vom Agieren in der Geschichte zur Selbst- oder Fremdbeobachtung derer, die da agieren – und wieder zurück. Aber die Erzählenden kommen dabei hinkend voran oder steigen mal mit dem linken, mal mit dem rechten Fuß ihrem Ziel entgegen: bis sie uns nicht mehr brauchen.
Wenn wir den Auftrag annehmen, müssen in einem nächsten Schritt Inhalt und Ziel verbindlich formuliert werden können.

Was sagen aber nun Switch-Kompetenz und Grundanweisung über die andere Seite dieser Alternative?

- ‚Gestaltwissen‘ (App)

Nichttriviales! Es geht ganz anders weiter. Das ‚Gestaltwissen‘ (App) bleibt eben nicht die einfache Alternative zum Strukturwissen, sondern erschließt ein kumuliertes und integriertes Prozesswissen, das auf die Genese einer neuen Gestalt ausgerichtet ist. In der Darstellung ist diese Ausrichtung durch deren Umriss angedeutet und jener Rückbezug durch einen konkret zu besetzenden Textcontainer des narrativen Modells. Dass beide Aspekte integriert sind, ist durch die hier wiedergegebene Innovationsformel nicht nur symbolisiert: Diese repräsentiert die Inhalte und deren Beziehung zueinander im jetzt einsetzenden Gestaltbildungsprozess: „Einschalten!“

Abbildung I- 17: App-Quellcode (Phase 0.2)

Wir sind hier also wieder in jenem anderen Verzweigungsmodus, auf jener Himmelsleiter, die nicht Schritt für Schritt weiter, sondern Sprosse für Sprosse hinaufführt – und eben jener Unterschied der Unterschiede ist hier selbst zum Thema geworden: das neue und andere Themen setzt.

Das Werden der neuen Gestalt setzt den Wechsel zwischen quantitativem und qualitativem Aspekt, Struktur- und Formaspekt voraus; Syntax- und Semantikbetrachtung sind nur demjenigen möglich, der Sprache zum Thema macht (auch wenn ihm das als linguistische oder gar logisch-mathematische Metaebene nicht bewusst ist).
Formal kann man das durch die Position der Punkte in der Wittgenstein-Notation andeuten, wie das hier in der App und in der etwas ungewöhnlichen parallelen Kapitelbezeichnung geschieht. Sie stehen überall für einen Wechsel, aber jedes Mal für eine andere Komplexitätsebene: und eben das meint ‚nichttrivial‘. In unserer Gliederungsübersicht könnten wir so mit n.1 den jeweils ersten Abschnitt eines der folgenden Kapitel vorab markieren, um so eine jeweils unterschiedlich sich präsentierende, aber einfach programmierbare Gemeinsamkeit darzustellen. Alle folgenden Kapitel (und einige Teilkapitel) werden mit einer solchen App-Darstellung einsetzen: wie es sich für ein Handbuch gehört.
Praktisch – und rückgewendet wird so zum App- und Nullphasen-Thema, was Sie schon praktisch eingeübt haben: ein Zur-Ruhe-Kommen unabhängig von dem, was vorher war. Mit einer schwebenden Aufmerksamkeit für interessante Störungen und der bereits wachen Bereitschaft, darauf ganz anders zu reagieren als bisher.

- ‚Triff eine Unterscheidung!‘

Switch!

Sind Sie aufgewacht oder lesen Sie das noch wie in Trance? Jedenfalls lernen Sie gerade die Wirksamkeit einer Technik kennen, die Sie selbst erlernen können, wenn Sie das wollen. Sie können dieses Buch zuklappen, aufstehen und weiterleben wie bisher. Sie können nun aber auch jederzeit sich und der Welt, in der Sie leben, über die Schulter schauen, als ob sie über ihr schweben wie in jenem Comicbild oder als ob Sie in einem jener Weltfenster, die man von dort oben erblickt, sich selbst zuschauen: schon agierend oder auch gefangen in einer Fülle alternativer Möglichkeiten. – Was sehen Sie nun anders, wenn sie wieder eintauchen in Ihre Welt? Und wie gehen Sie in Zukunft mit dieser kreativen und produktiven Differenz um, mit der Sie bereits jetzt den Bereich Ihrer Möglichkeiten erweitert haben?
„Triff eine Unterscheidung!“ markiert also einerseits Ihre Position im gegenwärtigen Null-Zustand, bezeichnet und ermöglicht aber auch ein eigentümlich hinkendes Vorankommen. Dieses selbst kann offensichtlich erst nach dieser Einleitung zum Thema werden. Aber immerhin können Sie, wenn Sie wollen, auch halbwach in einem geschützten Bereich spielen, wie Sie ihn ebenfalls am Ende eines jeden Kapitels finden werden.
Mit Blick auf dieses Instrumentarium möchte ich aber jetzt schon mit Ihnen eine Art Vorvertrag schließen: Lesen Sie bitte nur weiter, wenn Sie das Buch ernsthaft und bis zum Schluss durcharbeiten wollen – einschließlich der folgenden Anwendungs- und Warnhinweise. Ich verspreche Ihnen im Gegenzug den bestmöglichen Zugang zu unserer Kreativitäts-Zauberformel (als Quellcode unserer Gründungs-App) und zuverlässige Begleitung: völlige Transparenz auch da, wo Sie sich mir beim Üben anvertrauen müssen. Am Ende sollen Sie erfolgreicher sein als ich – wenigstens sollen Sie als oder wie ein Mitglied unserer Community diese Methodik weiterentwickeln. Ich verrate Ihnen jetzt noch ein Geheimnis, mit dem Sie nichts anfangen können, wenn Sie sich nicht auf diesen Vorvertrag einlassen: Die App sind Sie!

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