Ich bin Pfarrerin. Ich glaube, unter allen Ich-Bins ist mir das das Liebste neben meinem Namen. Darin steckt für mich, einem Ruf zu folgen und mein Leben als Antwort zu leben.

Und ich bin Christin. Das geht mir mit den Jahren immer leichter über die Lippen. Das schmeckt nach Tod und Leben. „Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20), schreibt Paulus. Etwas in mir stirbt, wenn Neues beginnt. Manchmal schmeckt Christin-Sein nach Täterschaft und Gewalt, nicht selten nach Vorurteilen und Rechtfertigungen. Ich mag das Zähe daran.

Ich bin Christin und mein Messias ist ein Jude. Gott sei Dank! Das, was meins ist, gehört mir nicht. Das ist aufregend! „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ (Röm 11,18). Zu christlicher Identität gehört also Demut, nicht gebückt und grau, sondern lächelnd: eingebunden und getragen sein.

Für mich heißt Glauben nicht zu sein, sondern zu werden. Wenn ich das AfD-Parteiprogramm mit seinem Anspruch, das christliche Abendland zu verteidigen, lese, dann ist das das Gegenteil davon. Im Hebräerbrief ist die Rede von dem wandernden Gottesvolk; leichte Zelte statt starrer Identitätsfestungen! Nicht drinnen bleiben, bei mir, sondern rausgehen – mich Anderem und auch Entfremdendem aussetzen und darin wachsen und ein Stück reicher und freier werden.

Ich suche nach einer antitriumphalistischen Theologie. Dazu gehört auch: hören auf das, was zu Israel und in Israel gesagt wird. Nicht Gottes erste Liebe sein. Nicht die Hauptrolle in einer Geschichte spielen müssen, um in ihr vorzukommen.

Immer wichtiger wird mir die Vorstellung, scherbenhaftes Gefäß zu sein, in das die Kraft Gottes als Schatz eingegossen ist und nicht aus mir selber kommt (2. Kor 4,7). Scherbenhaft mit Gott zu sein ist leichter als ohne sie. Ich habe Leonard Cohen im Ohr: „There is a crack in everything, that’s how the light gets in“.

Ich versuche, mein Leben als Antwort zu leben. Den Kreisel meines Egos stillzustellen. Meine Bewegungen nicht zur Ursache dafür zu machen, dass Gott sich nicht bewegen kann. Ich übe zu sagen: „nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!“ (Lk 22,42).