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Der Mensch als Mitgeschöpf. Kultur – Kontextualität – Epistemologie(n)

Published onMar 18, 2024
Der Mensch als Mitgeschöpf. Kultur – Kontextualität – Epistemologie(n)
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7 Thesen aus dem Fach Interkulturelle Theologie und Religionswissenschaft

These 1 Mitgeschöpflichkeit interkulturell und transkulturell denken

Menschen als Gottes Mitgeschöpfe in den unterschiedlichen Regionen unseres Planeten verweisen auf die erschaffende Liebe als kulturell vielfältige und biodiverse Kraft Gottes.

Die theologische Adressierung von globalen klimatischen Herausforderungen muss daher Interkulturalität und Transkulturalität als leitende Elemente und Motivatoren enthalten.

These 2 Mitgeschöpflichkeit kontextbezogen denken

Aufgrund der Verortung in einem ehemals kolonisierenden Land gilt es Mitgeschöpflichkeiten und Christentümer kontextbezogen aus der eigenen Positioniertheit wert zu schätzen und kollaborativ aufzunehmen, um Konzepte für eine zukunftsfähige Theologie in transkultureller und transkontextueller Perspektive zu formulieren.

These 3 Mitgeschöpflichkeit translokal und in globalen Verflechtungen denken

Ein (vermeintlich) normativ-essentialistisch vorgegebenes Konzept von Christentum, Christenheit und christlicher Theologie muss kritisch aufgearbeitet werden. Stattdessen können Konzeptionalisierungen von Mensch, Gott, Christus, Natur und Kultur in translokalen und zugleich ‚globalen Verflechtungen’1 als offen und integrativ neu verhandelt werden.

These 4 Mitgeschöpflichkeit machtkritisch und postkolonial denken

Ein machtfreier Raum zu Wiederaushandlungen angesichts der aktuellen lokalen und globalen Bedrohungen (Klima, Kriege, Pandemien) existiert nicht. Wir sitzen alle in sehr unterschiedlichen Booten. Ansätze aus den so benannten Postcolonial Studies thematisieren die weiterhin bestehenden Machtasymmetrien und können Mitgeschöpflichkeit in spezifischen Machtdynamiken zu verorten helfen. Die Themen Weltwirtschaft und Weltpolitik bedürfen demzufolge größerer Aufmerksamkeit in einer zukunftsrelevanten transkonfessionellen Theologie.

These 5 Mitgeschöpflichkeit intersektional (Kimberlé Crenshaw) und geschlechtersensibel denken

Betroffenheit, Vulnerabilität und Subalternität als Leitthemen in der Konzeptionalisierung von Mitgeschöpflichkeit sind intersektional – als Schnittstelle von Konstruktionen zu Geschlecht, Gesellschaftsschicht und Race-Positionierung – mit theologischen und religionsbezogenen Themen zusammenzudenken. Hierbei können nur mehrperspektivisch und transdisziplinär angelegte Projekte zielführend sein (konkret: die Verortung des Arbeitskreises im deutschsprachigen systematisch-theologischen Fach bedarf einer kontinuierlichen Reflektion über Begrenztheiten und Potentiale seiner Arbeitsweise und Ergebnisse). Um hegemoniale Epistemologien weiter zu „provinzialisieren“ (i. S. v. Dipesh Chakrabartys Provincializing Europe, 2000) und eine Dezentralisierung der Theologien im deutschsprachigen Raum zu erreichen, müssen auch Theologien des Alltags, von Menschen mit Einschränkungen, von Menschen in post-sozialistischen Kontexten, von jungen Menschen und Kindern mehr erforscht und rezipiert werden.

These 6 Mitgeschöpflichkeit in planetarischer Konnektivität denken

Agency (als Handlungsmöglichkeiten) sollte für eine theologisch reflektierte, sozial-ökologische Transformation und zu Mitgeschöpflichkeit insofern überdacht werden, dass die Verwobenheiten von menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen dabei ins Blickfeld treten (z.B. Mensch als Sternenstaub, Agency von Mikroorganismen, Tieren, Pflanzen, Naturkatastrophen, geologische Agency wie Erdbeben, Vulkane).

Die Entscheidungsfreiheiten, Handlungsmöglichkeiten und –alternativen des Menschen in seiner Kontextualität kennzeichnen hingegen seine explizite Verantwortlichkeit, um als Teil von Gottes Schöpfung vorausschauend zu agieren oder sich aus ökosystemischen Räumen, in denen auch Menschen wohnen, möglichst zurückzuziehen (touristisch etc.).

These 7 Mitgeschöpflichkeit gegenwartsrelevant historisierend denken

Um zukunftsweisende und intergenerational reflektierende Schöpfungstheologien in einem offenen Prozess stetig in Angriff zu nehmen, ist eine aus der Gegenwart motivierte historiografische Aufarbeitung bisheriger schöpfungstheologischer Ansätze, insbesondere ab der Zeit des Deutschen Reich als Kolonialmacht, notwendig. Das Zusammendenken von Umwelt-, Klima-, Erdzeitgeschichtsschreibungen mit Theologie- und Religionsgeschichtsschreibungen muss hierbei vollzogen werden. Kulturgeschichtsschreibungen, die bisher Fauna und Flora in Bezügen auf den Menschen behandelten, sind als Sozialgeschichtsschreibung mit sozial-ökologischen Impetus zu überdenken.

Machtstrategisches Handeln auf politischen Bühnen, in ökonomischen Netzwerken und öffentlichen Debatten wird folglich als gelebte Theologie zum Prüfstein für eine theologiegeschichtsbewusste Ausrichtung und eine hoffnungsorientierte Mitgeschöpflichkeit.

Stand: 13.10.2023

FEST Heidelberg

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