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Evangelium und digitale Welt. Erkundungen am Rand der "Gutenberg-Galaxis"

Kann ein Christentum, in dessen DNA über zwei Jahrtausende materiale Schriftkultur stehen, virtuell verkündigen, unterrichten, bezeugen? Protokollbeitrag zu einem ZSL-Workshop im Juni 2021.

Published onJun 23, 2021
Evangelium und digitale Welt. Erkundungen am Rand der "Gutenberg-Galaxis"

Gott schreibt. Das bezeugen zumindest frühe Texte des Alten Testaments. Und wahrscheinlich lässt sich kaum materialer und analoger schreiben, als Gott es tut: auf Steintafeln. Auch danach steht fassbares Schrifttum im Zentrum der jüdischen und christlichen Geschichte. Die Lesung der Tora ist eine gegenständliche Performance. Die urchristliche Briefliteratur ist religions- und gattungsbildend. Klöster wurden zu Bibliotheken. Die Reformation und die Geschichte des modernen Christentums sind ohne das gedruckte Buch, das man greifen, feiern und leider auch verbrennen kann, nicht zu denken.

Heute stehen wir am Rand der “Gutenberg-Galaxis” (McLuhan) und fixierte Texte, die irgendwie physisch auf Dinge geschrieben wurden, gelten in der digitalen Welt vielen bestenfalls als Alternativen, nicht selten sogar einfach als Anachronismen. Heute lesen viele Menschen – Schülerinnen und Schüler allemal – täglich mehr Zeichen digital als analog. Wenn überhaupt. Die Sprachnachricht, der Video-Clip, der Podcast und andere auditive oder visuelle Typen sind für viele Primärformate – wobei immer mehr “das Medium selbst zur Botschaft” wird.

Was heißt das nun heute für die „Botschaft“ des Christentums? Sperrt sich die Struktur der digitalen Welt und Kommunikation der guten Nachricht? Steht sie dem Evangelium irgendwie im Weg? Inhaltlich wohl eher nicht, aber doch vielleicht formal oder medial? Kann ein Christentum, in dessen DNA über zwei Jahrtausende materiale Schriftkultur stehen, auch virtuell verkündigen, unterrichten, bezeugen?

Diesen Fragen soll in einem Workshop beim “Fachtag Religionsunterricht und Digitalität” des ZSL im Juni 2021 mit theologischen Überlegungen und auch einigen Gegenfragen begegnet werden. Am Rand der Gutenberg-Galaxis stehend geht es um Erkundungen in christlicher Perspektive – sprechend, schreibend, in jedem Fall tastend.

Protokolarische Logbuch-Einträge dieser Erkundsfahrt werden in Kürze hier veröffentlicht.

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